Willkommen in der Feinschmeckerey!

winklerfront Verehrte Dame, geehrter Herr,

was ist der beste Champagner, was der feinste Wein, was die köstlichste Speise, der größte Koch, das ultimative Restaurant? Das sind Fragen von hollywoodesquem Format, in unserer expressiven, dem Superlativ huldigenden Zeit oft gestellt, doch niemals zu beantworten und deshalb so ermüdend wie überflüssig.

Der Schafhirte, der zu seinem Käse einen schlichten roten Landwein trinkt, ist glücklicher als ein Protz mit dem 1971er Pétrus aus der Magnum. Dem Göttlichen im Wein, wenn diese Frömmelei gestattet ist, kommt man sowieso nur mit dem Herzen nahe. Selbstverständlich liebe ich große Weine und gehe ihnen weit entgegen, aber ich weiß, daß man auch einfache Weine trinken muß, um die Gloriosen besser zu verstehen. Gleiches gilt für die Küche: ein Bauernbrot, beschmiert mit bester Almbutter und vielleicht geschmückt mit etwas Schnittlauch, ist nicht weniger delikat – und achtenswert - wie ein im Ganzen gedünsteter Steinbutt mit einer Sauce Béarnaise. Die Andacht dem Kleinen wie dem Großen gegenüber, das ist angewandte Lebensart.
Lebensart ist die Ästhetisierung des Seins, also die Kunst, sich das Leben auf kultivierte Weise mit schönen Dingen zu möblieren, von der Literatur über die Musik und das Theater bis hin zu Reisen sowie das Essen und das Trinken.

In diesem Sinne wird sich die „Feinschmeckerey", mein neues Journal für Wein, Kochkunst & Lebensart, diesen daseinsverschönernden Themen widmen – getreu der These, daß Genießen auch ein Ernstnehmen der Schöpfung ist.

Herzlich Ihr August F. Winkler

Aktuelle Beiträge

12 Mai 2017
Wein & Saucen: Der Geiz des Grafen und Wildhase Royale mit Sauternes

Es gibt Geschichten über Wein, die sind grotesk und dennoch lehrreich wie jene von der Bonner Beamtengattin, die über einen korkig schmeckenden Wein sagte: „Macht nichts, den nehme ich zum...

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12 Mai 2017
Maiwonnen mit Bock, Scholle, Bachforelle, Bowle und Rübchen

Von zeitgenössischen Dichtern ist schon seit langem kein Hymnus auf den Mai zu hören. Moderne Poeten beweinen lieber sich selbst und die Schlechtigkeit der Welt. Dabei verdient gerade der Mai...

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12 Mai 2017
Scholle: platt, rotgelb gepunktet und ab Mai besonders köstlich

Wenn der Kellner in saisonaler Eintracht eine Maischolle annonciert, versetzt das die Gäste in freudige Erwartungshaltung. Zu recht, denn die ersten kleinen Schollen, die im Durchschnitt männerhandtellergroß mit einem Gewicht...

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12 Mai 2017
Genußatelier: Eiskalte Weißweine bremsen den Genuß

Gastronomisches Mysterium: Weißweine werden in Restaurants meist zu kalt, Rotweine hingegen zu warm serviert. So kommt’s, daß ich den Ober bitte, die Flasche mit dem Weißwein aus dem Eiskübel zu...

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21 Apr 2017
Tee & Geist: Darjeeling 1st flush Namring, Flugtee 2017

Die Farbe glänzt zwischen Bernstein mit hellem Kastanienrot. Das Bukett ist herbwürzig angelegt, belebend mit Aromen von Blüten, etwas Heu und grünen Nüssen nebst einer sanften Zitrusnote sowie dem für...

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21 Apr 2017
Fattoria Nittardi: Weingenuß mit Chianti Classico, Riserva und Nectar Dei

Ort der Handlung war das schöne Hotel Kronenschlößchen in Hattenheim, wo am 4. März 2017 im Rahmen des Rheingau Gourmet- und Weinfestivals insgesamt 12 Weine der toskanischen Fattoria Nittardi entkorkt...

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21 Apr 2017
Küchenklassiker: Der Knödel knödelensis ist ein kugelrunder Weltbürger

Karl Valentin: „Solang Semmelnknödeln aus mehreren Semmeln gemacht werden, sagt man unerbittlich Semmelnknödeln!“

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21 Apr 2017
Genußatelier: 2008 Cuvée Mo Brut Nature Schloßgut Diel, Nahe

Zu den großen Wahrheiten des Lebens zählt die Erkenntnis, daß die Lady wie der Gentleman ohne Ansehen von Tageszeit, Wetter und Stimmung eines immer trinken können: Champagner – oder Sekt,...

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07 Apr 2017
Schinken im Brotteig: klassische Osterspeise

Ostern ist nicht nur die Zeit, in der die Schokoladehasen aufmarschieren, Eierspiele inszeniert werden, Brot geweiht wird und die Familie sich für den Spaziergang rüstet. Das Ende der Fastenzeit legitimiert...

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07 Apr 2017
Ostern: Frühlingsmenü und ein raffiniertes Diner von 1809

Halleluja, Ostern ist nahe, was auch bedeutet: Aufmarsch der Schokohasen, hart gekochte Eier in allen Farben und bereit sein zum erbaulichen Spaziergang, wie ihn der Herr von Goethe in seinem...

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07 Apr 2017
Château Margaux: Wechselbad zwischen Hochgenuß und Enttäuschung

„Wer genießen kann, trinkt keinen Wein mehr, sondern kostet Geheimnisse!“ Salvador Felipe Jacinto Dali i Domènech, 1904-1989

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07 Apr 2017
Genußatelier: Benimm bei Tisch

Für Johann Nepomuk Eduard Ambrosius Nestroy, 1801-1862, den großen österreichischen Dichter mit satirischer Neigung (die Ehe nannte er eine „wechselseitige Lebensverbitterungsanstalt“) war die „schönste Gegend ein gedeckter Tisch“. Mit Kochen,...

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24 Mär 2017
Die Seezunge:

geschmackvolle Renaissance des Paradefisches von Auguste Escoffier Man weiß nicht, was sich so eine Seezunge denkt, kriegte sie mit, dass sie der Koch à la Dubarry zubereiten will. Unter der rötlich,...

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24 Mär 2017
Primeurs 2016: Pro und Contra Subskription

Im Bordelais herrscht Euphorie, also: Hereinspaziert, der Vorhang ist hochgezogen, die Bühne bereit für die rituelle Marathon-Verkostung des Jahrgangs 2016. Wie alljährlich im Frühling fällt auch diesmal eine erkenntnisdurstige Rotte...

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24 Mär 2017
Mouton-Galerie: 1974 – Robert Motherwell

Über kein Weingut ist mehr geschrieben worden, kein Wein unter den Bordeaux-Granden, Lafite, Margaux und Latour eingeschlossen, ist populärer: Château Mouton-Rothschild! Den kennen auch Sonntagstrinker und vermögen darüber artig zu...

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Wort der Woche

„Der Wein macht den Maulwurf zum Adler“

Nadar

Dieses ebenso skurille wie poetisch erhöhte Bild hat Charles-Pierre Baudelaire (1821-1867) entworfen, der geniale französische Lyriker, Schriftsteller, Essayist, Dandy, Wagnerianer und Weinkenner, der vor allem mit seiner „Die Blumen...

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Gericht der Woche

Maischolle à la Finkenwerder

Ein wesentliches Kriterium bei der Zubereitung ist die Unversehrtheit...

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Wein der Woche

2008 Château de Pez, Cru Bourgeois, St. Estephe

Dunkelrot und mit einem jugendliche Frische signalisierenden Lilaschimmer fließt der Wein ins Glas, aus dem im Nu ein dicht geflochtenes Bukett...

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