Willkommen in der Feinschmeckerey!

winklerfront Verehrte Dame, geehrter Herr,

was ist der beste Champagner, was der feinste Wein, was die köstlichste Speise, der größte Koch, das ultimative Restaurant? Das sind Fragen von hollywoodesquem Format, in unserer expressiven, dem Superlativ huldigenden Zeit oft gestellt, doch niemals zu beantworten und deshalb so ermüdend wie überflüssig.

Der Schafhirte, der zu seinem Käse einen schlichten roten Landwein trinkt, ist glücklicher als ein Protz mit dem 1971er Pétrus aus der Magnum. Dem Göttlichen im Wein, wenn diese Frömmelei gestattet ist, kommt man sowieso nur mit dem Herzen nahe. Selbstverständlich liebe ich große Weine und gehe ihnen weit entgegen, aber ich weiß, daß man auch einfache Weine trinken muß, um die Gloriosen besser zu verstehen. Gleiches gilt für die Küche: ein Bauernbrot, beschmiert mit bester Almbutter und vielleicht geschmückt mit etwas Schnittlauch, ist nicht weniger delikat – und achtenswert - wie ein im Ganzen gedünsteter Steinbutt mit einer Sauce Béarnaise. Die Andacht dem Kleinen wie dem Großen gegenüber, das ist angewandte Lebensart.
Lebensart ist die Ästhetisierung des Seins, also die Kunst, sich das Leben auf kultivierte Weise mit schönen Dingen zu möblieren, von der Literatur über die Musik und das Theater bis hin zu Reisen sowie das Essen und das Trinken.

In diesem Sinne wird sich die „Feinschmeckerey", mein neues Journal für Wein, Kochkunst & Lebensart, diesen daseinsverschönernden Themen widmen – getreu der These, daß Genießen auch ein Ernstnehmen der Schöpfung ist.

Herzlich Ihr August F. Winkler

Aktuelle Beiträge

10 Feb 2017
Schwarze Trüffel: Diamanten der Küche, aber Obacht vor Plagiaten

Als sacrum sacrorum, das Heiligste der Heiligtümer, pries Alexandre Dumas d. Ä. die schwarze Trüffel: „Ein Name, den Feinschmecker nie aussprechen, ohne dabei zu salutieren.“ Für Madame Colette war die schwarze...

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10 Feb 2017
Ausgereifte Weine sind hohe Trinkkultur:

großer Meursault und nobler Riesling Täglich werden viele Morde begangen, und zwar an Weinen, die zu jung getrunken werden. Voreilig entkorkt werden nicht nur rote, sondern mehr noch weiße...

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10 Feb 2017
Genußatelier: Sinnesfreuden dank Großmächtiger in Kulinarien

Von den Sinnesfreuden, die das ausgedehnte Tafeln in großer Runde allen bereitet, die nicht gerade magenkrank sind, lassen uns die Bilder flämischer Meister, etwa Pieter Brueghels Gemälde einer Bauernhochzeit, etwas...

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27 Jan 2017
Risotto con amore: Höhepunkt der angewandten Reiskultur

Man nehme eine Handvoll Reis, Olivenöl, Schalotten, Hühnerbrühe, Wein, Salz, Pfeffer, Parmesan, Butter fürs geschmackliche i-Tüpferl, mache den Herd an – und das Ergebnis ist entweder eine belanglose Reispampe oder...

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27 Jan 2017
Punschiade: Der heiß geliebte unsterbliche Klassiker

Eine Zeitlang, als die „beautiful people“ in den einschlägigen Szenelokalen tropische Longdrinks und ähnlichen Mixnippes, reich an Farbe, doch arm an Charakter, bevorzugten, standen Pünsche & Bowlen im gesellschaftlichen Out....

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27 Jan 2017
Genußatelier: Punsch-Eis à la Beethoven

Ob Legende oder Tatsache ist nicht so wichtig, Hauptsache es schmeckt: Das Punsch-Eis mit Tee, das in Versailles kreiert worden ist und zu den Lieblingsnäschereien von Ludwig van Beethoven zählte....

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13 Jan 2017
Küchenklassik: Der Tafelspitz – Rindfleisch mit Geschichte

Der Tafelspitz, aufgetischt in seinem vollen Ornat, also klassisch flankiert von Knochenmark, Brühe, Gemüse oder passiertem Spinat, Apfelkren oder mild-süßlicher Schnittlauchsauce und Bouillonkartoffeln oder Bratkartoffeln, die eher wie Rösti zubereitet...

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13 Jan 2017
Jubiläumsweine auf das Jahr 2017

Es ist nur natürlich, daß der Mensch so ziemlich alles mag, was mit ihm selber zusammenhängt. Primär dient die Eigenliebe der Arterhaltung, doch zu den Spielzügen des Egoismus, den die...

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13 Jan 2017
Genußatelier: Henri de Toulouse-Lautrec und seine Abscheu vor Wasser

Diese Geschichte von Henri de Toulouse-Lautrec ist ein Stück angewandte Lebensart, angereichert mit einer feinen Prise Ironie. Der Maler, Junggeselle, passionierte Koch und begnadete Gastgeber war der umherzte Liebling seiner...

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22 Dez 2016
Drei Festtagsmenüs: rustikal, elegant und expressionistisch

Es war wie ein Schock des Glücks. Aus dem Bratrohr, in dem seit einer Stunde eine Bauerngans dienend vor sich hin schmurgelte, brav begossen von der edlen Köchin oder dem...

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22 Dez 2016
Genußatelier: Weihnacht 1945 mit Mehlsuppe, Muckefuck & Speckschwarte

Der Himmel hängt voller Delikatessen, das Fest wirft in Form von feingebeiztem Lachs, Austern, großen Braten, Schinken von runder Erotik und gewaltigen Bergen von süßen Näschereien seine leuchtenden Aspekte voraus....

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22 Dez 2016
Festtagsweine: Hochgenuß mit Schampus, Port und Riesling

Die Festtage sind nahe und somit deren kulinarische Inszenierung inklusive der Frage, welche Getränke aus dem Keller geholt werden sollen. Der Durst ist neben dem Hunger und wohl noch vor...

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22 Dez 2016
Festkultur: Das Feiern ist ein auf Zeit gestatteter Exzeß

Prolog: Ein Fest, hat Sigmund Freud erkannt, ist ein gestatteter, vielmehr ein gebotener Exzeß, der feierliche Durchbruch eines Verbotes.

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16 Dez 2016
Opera buffa tartufa: Weiße Trüffel sind die Krönung kulinarischer Lust

"Es möge Trüffeln, Meerrettich und Fenchel hernieder regnen und dies alles ihm Weide sein, auf daß Liebe ihn überströme“, singt der liebestolle Falstaff in Verdis Oper. Alexandre Dumas der Ältere...

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16 Dez 2016
Irritation der Weinnasen oder: Konfusion der Sinne bei Blindproben

Das Trinken und Bewerten von Wein ist – wie alles Ästhetische – eine Frage des persönlichen Geschmacks. Der eine ist ein Körpertrinker. Der liebt die kraftvollen Gewächse, kein Wein kann...

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Wort der Woche

„Der Wein macht den Maulwurf zum Adler“

Nadar

Dieses ebenso skurille wie poetisch erhöhte Bild hat Charles-Pierre Baudelaire (1821-1867) entworfen, der geniale französische Lyriker, Schriftsteller, Essayist, Dandy, Wagnerianer und Weinkenner, der vor allem mit seiner „Die Blumen...

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Gericht der Woche

Soupe aux truffes Elysée VGE à la Paul Bocuse

Zutaten (für eine Person):

Wein der Woche

2006 William Deutz, Champagne

Hellgolden tänzelt der Wein ins Glas und charmiert die Nase im Nu mit einem raffiniert geflochtenen Aromenstrauß aus gelben Früchten, weißer Johannisbeere und kleiner reifer...

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