Frauen empfinden Weine besser als Männer

Der Mann hatte jenen blasierten Blick, wie er Kamelen angeboren ist. „Weiber" näselte er, von dem bekannt ist, daß er geschmacklich nie über einen kleinen Beaujolais hinausgekommen ist, „Weiber verstehen nichts von Wein."

Das ist ein ebenso pauschales wie fahrlässiges Urteil, dümmlich obendrein und haltbar sowieso nicht. Frauen lächeln nicht nur als Weinköniginnen, sondern sind aktiv als Weinbäuerinnen tätig. Sie führen erfolgreich Weingüter, schreiben über Wein, leiten Weinhandlungen und arbeiten effektiv als Weinkellnerinnen. Frauen belegen bei Weinwettbewerben zunehmend vordere Plätze und sie reüssieren als Weinkellnerinnen, auch Sommelieren genannt. Historisch gesehen war die Kellermeisterei eine männliche Beschäftigung, doch diese Domäne bröckelt nicht nur – sie ist längst aufgebrochen.

„Blaße Strohfarbe mit einem Hauch von Grün. In der Nase Auster, gemischt mit naßem Hund, Pfifferling und weißem Trüffel. Am Gaumen leicht fischige Elemente." Die Frau, die einen Sauvignon blanc aus Bordeaux gleichermaßen zutreffend wie respektlos so beschrieb, wurde vor zehn Jahren in Anerkennung ihrer literarischen Verdienste als Weinautorin zum "Chevalier dans l'Ordre des Arts et des Lettres" gekürt: Serena Sutcliffe, die hochgewachsene und schlanke Chefin der Weinabteilung beim Londoner Auktionshaus „Sotheby's", die nicht nur von Berufs wegen keinen Tag ohne ein Fläschchen vom Feinsten vergehen läßt. Sie gilt – wie ihre Landsfrau, die Journalistin Jancis Robinson - weltweit als kompetente Weinverkosterin.

knoll-schuettprobe-2012-kompDaß Frauen einen tieferen Geschmackssinn haben als Männer, ist in wissenschaftlichen Tests ermittelt worden. Obendrein vermögen sie Gerüche besser zu identifizieren. Für den amerikanischen Professor William S. Cain hängt diese Fähigkeit logisch damit zusammen, dass Frauen „schon als Kinder und später als Erwachsene sehr viel häufiger mit Küchendüften in Berührung kommen als wir Männer." Frauen beurteilen Weine oft feinfühliger, ja verständnisvoller und bildhafter als Männer wie zumal jene aus dem Lager der Fachleute. Die sind oft zu phantasielos, auch kleinmütig im Urteilen. Feministinnen mag der Hinweis auf die Küche vielleicht nicht schmecken, doch Kochen ist eine gute Schule. Wahre Weinfreunde lieben die Gesellschaft von Frauen beim Wein freilich noch aus einem anderen Grund: Es ist ein Vergnügen, mit ihnen über Aromabilder zu plaudern.

August F. Winkler

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