Kunst der Jause: Genuß mit Leberwurst und Port

Wenn es im Palast der englischen Königin 17 Uhr schlägt und der Butler auf einem Teewagen den Darjeeling nebst Kandis und – in einem Silberkännchen in Form einer Kuh, einem kostbaren Erbstück – Milch serviert, gibt es dazu auf feinem Crown-Derby-Porzellan auch Haferkekse, Salate und Sandwiches mit den unvermeidlichen Gurkenscheiben. Das nennt man „High Tea".

Das ist so was wie eine königliche Jause oder, wie der Bayer sagt, eine Brotzeit. Der Unterschied liegt nur im Zeremoniell und der kulinarischen Ausstattung. Zu einer handfesten Brotzeit gehören quasi vollautomatisch Speck, Geräuchertes, Würste, Bauernbrot und nebst Senf eine Portion frisch gehobelter Meerrettich. Im deutschen Norden mag ein Krabbenbrot seine Dienste als Zwischenmahlzeit erfüllen. Auch Käse, ein Salat, eine Frikadelle, eine Dose Sardinen mit Zwiebel und Ei, eine marinierte Sülze, ein Rest Eintopf vom Vortag oder – ebenso schlicht wie köstlich – eine frisch gebutterte Laugenbrezel stillen bestens den kleinen Hunger.

Sehr einfach und sehr exquisit ist folgende Kombination: grobe, ungeniert dick auf Vollkornbrot gestrichene Kalbsleberwurst mit einem Glas Portwein. Man kann auch Weißbrot nehmen oder ein Brioche, aber unerläßlich ist ein erstklassiger Port. Da gibt es drei Vorschläge, allesamt Tawnys: Taylors 20 Jahre (zart nuancierte Süße, Duft nach Mandeln, Vanille, Nüssen, Rosinen). Ramos Pinto 20 Jahre (feiner Duftstrauß nach Nüssen, Vanille, Rosinen , geschmeidige Fruchtsüße mit Mandelaroma), Rozés 40 Jahre (komplexes Bukett nach Mandel, Rosinen, Nüssen und apartem Hauch von Schokolade).

So simpel diese kleine Schmauserei ist, so erfüllt sie doch den Tatbestand des kulinarischen Glücks. Ob die Jause nun fein oder rustikal angelegt wird, bleibt sich freilich gleich. Hauptsache, man vernachlässigt sie nicht, denn so eine Zwischenmahlzeit gibt uns die Kraft, das Abendessen in Würde zu erwarten.

August F. Winkler

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