Diarium

Sein & Schein 49. Tagebuch

Geschrieben von: August F. Winkler

Knackig

Wir wissen: Das Leben ist eine Serie von Wiederholungen und jeder Journalist hat seine ihm lieben Wörter, sozusagen Stammbilder. Als Chefredakteur würde ich einige dieser Begriffe auf den Index setzen; dazu zählt beispielsweise die „weiße Pracht“, sobald es schneit, dazu gehört, daß unabhängig von der tatsächlichen Geschwindigkeit nach Verkehrsunfällen notorisch von „Rasern“ geschrieben wird. Auch die „Pforten“, die bei Eröffnung von Messen und dergleichen Veranstaltungen weit geöffnet werden, sind ein Unwort. Und in Berichten über Weine sowie Küchen würde ich kategorisch das inflationäre „knackig“ verbieten.

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Sein & Schein 48. Tagebuch

Geschrieben von: August F. Winkler

Körpertrinker versus Eleganztrinker
Schopenhauer, der Philosoph und geistreiche Ironiker, hat das Vergleichen als die Quelle allen Übels benannt. Da ist was dran, das gilt auch für den immer beliebter werdenden Vergleich von Weinen und speziell dann, wenn unterschiedliche, vielleicht noch stark divergierende Rebsorten miteinander verglichen werden. Um nicht mißverstanden zu werden: Vergleiche sind nötig und wichtig, um sich ein Urteil bilden zu können, auch um herauszufinden, was einem wie schmeckt. In diesem Sinne ist das Vergleichen der erste Schritt zur Aufklärung, nur sollte es nicht wie ein Krieg inszeniert werden. Wer ein filigranes Möselchen gegen einen kapitalen Elsässer Riesling trinkt und bewertet, hat vom Wein und zumal von angewandter Trinkkultur nichts begriffen.

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Sein & Schein 47. Tagebuch

Geschrieben von: August F. Winkler

Essigsaurer Mouton
Sinnigerweise unter „Antiquitäten“ annoncierte ein Anonymus in der FAZ „Kaufe Mouton-Rothschild – auch einzeln“.

Ist es ein Sammler, der seine Jahrgangskollektion vervollständigen will? Oder ein Fälscher, der vielleicht hinter kleinen und entsprechend preisgünstigen Jahrgängen her ist, um daraus mit neuen Etiketten, also kosmetischer Operation, teure Schätzchen wie etwa 1982 zu basteln? Sollte es ein Händler sein, dann gnade Gott dem Weinfreund, der demnächst ein Sonderangebot alter Moutons erhält und kauft. Das Risiko, Weinleichen zu erwerben, ist gerade bei Rothschild-Gewächsen außerordentlich groß. Denn diese weltweit begehrten Flaschen werden häufiger als etwa Latour, Haut-Brion oder auch Margaux quer über die Kontinente verschoben, ehe sie schließlich fest in einem Keller landen.

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Sein & Schein 46. Tagebuch

Geschrieben von: August F. Winkler

Seelische Hygiene
Müßiggang ist aller Laster Anfang, sagt der fleißige Volksmund, und da ist schon was dran. Wer nichts tut, also passiv in den Tag hinein lebt und dann nicht über die philosophischen Talente eines Diogenes verfügt, kann leiblich und seelisch leicht versumpfen. Andererseits läßt sich, freilich mit scheuem Seitenblick auf den nordischen Leistungsgeist, auch sagen, daß Nichtstun aller Kreativität Anfang ist. Für einen wie mich, der sowieso nur arbeitet, damit er sich den Harlekin aus Porzellan und für jede Stimmung den passenden Wein leisten kann, ist unverbindliches Träumen so was wie seelische Hygiene.

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Sein & Schein 45. Tagebuch

Geschrieben von: August F. Winkler

Wasser-Tabu
Henri de Toulouse-Lautrec war nicht nur ein großer Maler, sondern auch Lebemann und Genießer. In Albi, wo nahezu jedes Restaurant seinem berühmten Sohn ein Menü widmet, weiß man davon und offeriert Speisen, die Lautrec bei seinen Diners im Château du Bosc auftischen hat lassen: Entenleber, Steinpilze in Weißwein, sautierter Seeteufel oder Goldbrasse, Entenbrüste sowie Täubchen mit Oliven und Trüffeln, sein Lieblingsgericht.

Und man erzählt auch, daß der Graf zu den Speisen nur Wein servieren ließ, weil er Wasser nicht ausstehen konnte. Weil das Protokoll jedoch Wasser auf dem Tisch gebot, ließ Lautrec in die mit Wasser gefüllten Karaffen kurzerhand Goldfische setzen.

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