Diarium

Sein & Schein: Erlebtes und Erlauschtes - 1. Folge

Geschrieben von: August F. Winkler

Gastronomisches Mysterium: Weißweine werden in Restaurants meist zu kalt, Rotweine hingegen zu warm serviert. So kommt’s, daß ich den Ober bitte, die Flasche mit dem Weißwein aus dem Eiskübel zu nehmen. Bei Gewächsen von karger Qualität – wie den meisten Pinot grigios – werden Fehler durch die Kälte barmherzig überdeckt. Schon zehn Grad lassen sie fuselig erscheinen. Aber gute Weißweine entfalten ihre Aromastoffe am schönsten zwischen zehn und zwölf Grad, kapitale Kreszenzen à la burgundische Montrachets, einen Grüner Veltliner Vinotheksfüllung von Emmerich Knoll aus der Wachau oder einen reifen Clos de la Coulée de Serrant aus den späten 1980ern, einer meiner Lieblinge, lasse ich mir auch mit 13 Grad gut gefallen und finde 14 nicht zu viel.

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Sein & Schein: Tagebuch eines fröhlichen Trinkers

Geschrieben von: August F. Winkler

Stotterndes Weingenie
Mich erstaunen immer wieder Leute, die junge Weine mit Altersprognosen versehen: trinkbar ab 2017 und haltbar bis 2027. Du meine Güte, wer das macht, lehnt sich fahrlässig weit aus dem Fenster. Selbst der große Mann von Mouton-Rothschild, Raoul Blondin, hat mir einmal gesagt, er wage dies zu keinem so frühen Zeitpunkt, nicht einmal bei seinen eigenen Gewächsen – und die kannte er besser als ein Vater seine Kinder.

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Sein & Schein 52. Tagebuch

Geschrieben von: August F. Winkler

Hirn-Apparatschiks
Es gibt Leute, die, den Steinbutt mit Austernsauce noch auf den Lippen, wider die feine Küche zu Felde ziehen und das Hohelied von Schmalzbroten und urigen Bratenstücken singen. Gegen rustikale Schmankerl ist selbstverständlich nichts einzuwenden; auf meinem Frühstückstisch steht ein Tontöpfchen mit Griebenschmalz, gewonnen aus Iberico-Speck plus ein wenig Majoran. Wer jedoch aus der Ecke des übersättigten Essers nörgelt oder aus Eitelkeit, weil Regionales trendy ist und mit Moos kochende skandinavische Köche von einigen Journalisten, die sich darob ungeheuer avantgardistisch dünken, verherrlicht werden, der kommt mir vor wie jener Mann, der 53 Liebespositionen kennt, aber keine einzige Frau.

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Sein & Schein 51. Tagebuch

Geschrieben von: August F. Winkler

Unsinnigkeiten
In der „Nouvelle Society“ der Weinszene geht es immer kunterbunter zu, auch verworrener und zugleich lächerlicher. Als „Clou für Weinliebhaber“ hat die Kolumnistin eines österreichisch-deutschen Gourmet-Magazins den „Malmaison“ von Christofle gerühmt. Das Instrument gleicht in der Form einem einfachen Korkenzieher, bestehend aus Griff, Schaft und Gewinde, aber es ist versilbert und der Griff verziert. Kosten: runde 120 Euro!

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Sein & Schein 50. Tagebuch

Geschrieben von: August F. Winkler

Zweitklassige Staatenlenker
Er hat mit der englischen Prinzessin Margaret im königlichen „schmuddligen Schwimmbecken beim Gartenhaus in Windsor“ gebadet, mit dem abgedankten Monarchen Eduard VII. und dessen hagerer Wallis gespeist, mit Hilary Clinton auf seinem Landsitz in Ravello diniert und John F. Kennedy zu seinen Freunden gezählt, der ihm, Gore Vidal, über den Präsidenten-Job bekannt hat: „Du machst die Bekanntschaft all der großen Macher, und was mir an ihnen am meisten auffällt, ist, wie zweitklassig sie im Grunde sind.“

Ober beichten
Wer zahlt? Amerikanische Forscher um David Frederick von der kalifornischen Chapman University haben 17 000 Frauen und Männer interviewt, um herauszufinden, wer in Restaurants zahlt. Obwohl Frauen längst ihr eigenes Geld verdienen, bevorzugen sie – wie freilich auch das Gros der Männer – immer noch das konventionelle Kavaliersverhalten, was praktisch heißt: Der Mann zahlt, wenn schon nicht alles, dann doch zumindest den größten Teil. Zwar bekundete mehr als die Hälfte aller Frauen, sie würden anbieten, sich an den Kosten zu beteiligen, doch rechneten 39 Prozent fest damit, daß ihr Angebot abgelehnt würde – und fanden es irritierend, sollte der Mann darauf eingehen.

Ein spezielles Verhältnis zu diesem Thema hatte Anton Kuh, der genial geistreiche Wiener Literat, der gerne aß, aber selten Bargeld hatte und vor rund 50 Jahren im Bräustübl des Klosters Andechs sich erst den Magen vollschlug und dann den bedienenden Klosterbruder rief: „Ober, bitte beichten!“

Gastronomische Scherzartikel
Alles fließt, sagt der Philosoph, und so gleicht das Leben einer modischen Berg– und Talfahrt. Man nehme die Kartoffel. Die Pariser Kurtisane La Belle Otero verzehrte sie in der Belle Epoque am liebsten gefüllt mit pochierter Seezunge, Krabbenschwänzen und Sauce Mornay. Der Kumpel von heute ordert Pommes rotweiß und dazu einen Burger!

Ich weiß, wie Austern schmecken, vermag halbwegs das schöne Gefühl beim Essen einer saftig geschmorten Lammschulter zu beschreiben, halte gegrillten, sieben Zentimeter dicken Steinbutt mit weißer Bauchhaut und Sauce Béarnaise“ für eine der schönsten Erfindungen der Menschheit und habe schon Hohelieder auf Bauernbrot mit frischer Almbutter und Salz gesungen.

Einmal, ein einziges Mal, habe ich in einem Schnellrestaurant einen „Hamburger“ mit Pommes bestellt. Als ich den Laden verließ, hatte ich meine Unschuld verloren, doch die Erkenntnis gewonnen, daß nicht der Koch, sondern der Designer für diese Art von Eßunkultur wichtiger ist. Der Burger schmeckte nur fade, wenngleich auf einmalige, unverwechselbare Weise. Nichts hat Biß, außer dem Salatblatt, das Frische suggerieren soll, ist alles weich und die Brötchen würden sich auch zum Füllen eines Plumeaus eignen. Man hat, bündig gesagt, etwas im Mund, weiß jedoch nicht, was.

Solche kulinarischen Scherzartikel mögen in unserer schnelllebigen Zeit ihre gewisse Berechtigung haben, aber bewahre uns der Himmel vor ihrer Diktatur.
   

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