Sein & Schein 38. Tagebuch

Mammon & Romanée-Conti
Bernard Jean Etienne Arnault, Chef der Luxusgruppe LVMH, zu der u. a. Louis Vuitton, Moet & Chandon (nebst Krug und Veuve Clicquot) sowie Dior und Hennessy gehören, und der auch bei Cheval Blanc und Yquem ein gewichtiges Wort mitzureden hat, soll, so ist zu hören, für die noble burgundische Domaine Romanée-Conti 300 Millionen Euro geboten haben. Die Offerte ist von DRC-Eigner Aubert de Villaine ebenso abgelehnt worden wie die eine Milliarde Euro, die angeblich vom russischen Oligarchen Roman Avkadjewitsch Abramowitsch ins Spielgebracht worden sind.

Naja, abgesehen von der stupenden Qualität der DRC-Weine ist die Domaine auch als Anlage nicht zu verachten - für eine Flasche Romanée-Conti, die legendärste Lage noch vor dem La Tache, werden runde 10 000 Euro bezahlt.

Der Gast, das seltsame Wesen
An der Theke, beim Kaffeeklatsch und anderen Gelegenheiten wie speziell im Restaurant, bei denen man Menschen zuhören kann, läßt sich mühelos feststellen, daß in jedem Mann und jeder Frau offenbar alle anderen Menschen stecken. In jedem Mensch steckt nämlich ein Arzt, ein Lehrer, ein Nachtwächter, ein Detektiv, ein Rezensent, ein Politiker, ein Diplomat, ein General, ein Komponist, ein Koch, ein Winzer, vor allem ein Richter, ein Besserwisser und noch viel mehr.

Szene Nummer eins: Ein hochbenotetes Restaurant in München: Eine hagere, spitznasige Frau flötet, kaum daß sie Platz genommen hat: „Beim Winkler in der ‚Residenz’ habe ich die beste Buttersauce gegessen. Machen Sie mir irgendeinen Fisch mit Buttersauce, ich möchte sie probieren.“ Solche Gäste sind der Albtraum jedes Kochs wie jedes Maitre.

Szene Nummer zwei: Ein Weinbistro in Berlin: Der Hauptdarsteller ist ein Mann, der offensichtlich nichts von Wein versteht, aber so tut als ob. „Geben Sie mir einen Blanc de Blancs“, sagt er, beifallheischend seine Begleiterin anschauend, als erwarte er Applaus für diese kenntnisreiche Order. Unter Blanc de blancs versteht man einen Wein, der weiß aus weißen Rebsorten gekeltert worden ist, also nichts besonderes, eher was Simples. Als ihn der Sommelier fragt “Welchen?“, war der Mann für einen Moment sprachlos, ehe er sich halbwegs fing und, wieder ganz den großen Meister mimend, antwortet: „Natürlich den besten.“

Szene Nummer drei: Ein renommiertes Lokal in der Wiener City. Ein Gast, offenbar Russe, Typ nouveau riche, bestellt zum Lachs einen älteren d’Yquem, Jahrgang 1967, um die 3 800 Euro. „Ich will Ihren teuersten Wein“, hatte er ausdrücklich und nicht gerade im Flüsterton dem Kellner gesagt. Weil der Sommelier dem Kunden die Idee nicht auszureden vermochte - andere, nicht so teure Weine würden besser zum Lachs passen - , wurde der Chef des Hauses gerufen. Der, ein Liebhaber schöner Weine, zog sich bravourös aus der Affäre. Er tat, als ginge er in den Keller, kam zurück und verkündete todernsten Gesichts, ihm sei, welch ein Drama, der kostbare Yquem zu Boden gefallen und zerbrochen. Ob es ein Montrachet, ebenfalls sehr kostbar, sein dürfe?

Das Leben inszeniert tatsächlich in eigener Regie die abstrusesten Komödien.

Der Gast, das seltsame Wesen! Jeder Portier, Barmann, Sommelier und Maitre kann Bücher über dieses Thema schreiben, changierend zwischen Drama und Komödie. Den passenden Kommentar zu derlei gastlichen Ungereimtheiten hat Grimod de la Reyniere, der Advokat, Kaufmann, Gutsherr, Schriftsteller, Gourmet und erste Gschaftlhuber der Gastronomie, vor 200 Jahren in seinen Tischgeboten geschrieben: „Ein dummer Mensch nimmt sich nirgends dümmer aus als bei Tische, während der geistreiche Mann hier mehr als anderswo Gelegenheit hat, sich im schönsten Licht zu zeigen.“

Das gilt selbstverständlich auch für Frauen.

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