Sein & Schein: Tagebuch eines fröhlichen Trinkers, 4.Folge

Warum Meßwein meistens weiß ist
Mittagessen auf der schattigen Terrasse von Schloss Gobelsburg. Es gab eine kalte Gurkensuppe mit Pellkartoffelscheiben und geschmorte Kalbskeule aus der Küche der Schlosswirtin Eva. Dazu hausgemachte Eiernudeln, für die Michael Moosbrugger die Dotter der zum Weinklären verwendeten Eier verarbeitet hatte. An diesem Mittag gab es auch ein Wiedersehen mit einem Pater vom Zisterzienser-Konvent im Stift Zwettl.

Bei einem Glas Gobelsburger Messwein löste er mir die immer wieder gestellte Wein-Rätsel-Frage: Warum ist Messwein fast immer Weißwein, wo er doch als Symbol für das Blut Christi steht und der Wein bei der Einsetzung des ersten Abendmahls mit ziemlicher Sicherheit von roter Farbe war?! Schuld sind die Pfarr-Haushälterinnen, die u.a. auch für die Pflege der liturgischen Gewänder und kultischen Utensilien zuständig sind, zu denen auch das Kelchtuch bei der Wandlung gehört. Rotweinflecken wären unvermeidbar und so sorgen sie dafür, dass die Heilige Kommunion mit Weißwein begangen wird.

Weine, die man nicht vergißt
1963 Taylor’s Vintage Port: Mittelrot. Intensives, reich nuanciertes Bukett, sehr frisch und kräftig. Tiefer Geschmack nach Kirsche und Kaffee. Konzentriert, unendlich langer Nachgeschmack. Die meisten 1963er sind inzwischen ausgereift, auch überreif, der von Taylor’s befindet sich gerade auf seinem Höhepunkt. Der 1963er, 1955er sowie der 1966er von Taylor’s gehören übrigens zu den Favoriten im Buckingham Palace.

1966 Taylor’s Vintage Port: Brillantes Rubin. Fein ziseliertes Bukett nach Kirsche, Zimt und Zedernholz. Reich im Geschmack, dabei feingliedrig, perfekt gereift, auf seinem Höhepunkt.

1985 Taylor’s Vintage Port: Tiefrot mit Purpur. Reiches Bukett, kräftige Töne nach Beeren, roten Früchten (Kirsche), Vanille, etwas Minze. Hat Tiefe. Ist konzentriert im Geschmack, ein Fruchtpaket, das sich gerade zu öffnen beginnt.

Antike Weisheit
In seiner Schrift „Die Ruhe der Seele“ rühmt Seneca die Wohltaten eines kräftigen Schluckes: „Hin und wieder mag es zum Rausch kommen, aber nicht so, daß wir in ihm versinken, sondern, daß wir in ihn eintauchen. Er spült ja unsere Sorgen fort und begeistert das Herz von Grund auf, und wie gegen bestimmte Krankheiten, so hilft er auch gegen Traurigkeit.“

Ich sage ja immer: Von den Alten kann man noch was lernen!

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Wort der Woche

„Der Wein macht den Maulwurf zum Adler“

Nadar

Dieses ebenso skurille wie poetisch erhöhte Bild hat Charles-Pierre Baudelaire (1821-1867) entworfen, der geniale französische Lyriker, Schriftsteller, Essayist, Dandy, Wagnerianer und Weinkenner, der vor allem mit seiner „Die Blumen...

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Gericht der Woche

Karpfen polnisch à la Fürst Rudolstadt

Bei allem Respekt vor der neuen deutschen...

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Wein der Woche

2008 Château de Pez, Cru Bourgeois, St. Estephe

Dunkelrot und mit einem jugendliche Frische signalisierenden Lilaschimmer fließt der Wein ins Glas, aus dem im Nu ein dicht geflochtenes Bukett...

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