Diarium

Sein & Schein 39. Tagebuch

Geschrieben von: August F. Winkler

57 Liebespositionen ohne Frau

Ein herzlicher Rat vorweg: Trauen Sie in der Feinschmeckerei keinem, der jeden Satz mit einem Rufzeichen beschließt. Genuß kommt aus des Leibes und des Herzens Tiefe, nicht vom Kopf. Entsprechend unsinnig ist oft das Geschmatze über die Beziehung von Speisen & Wein. Zu den törichtesten Behauptungen, die immer wieder auftauchen, gehören Fehlurteile wie: Zu Salat paßt kein Wein! Suppe und Wein vertragen sich nicht! So drohen Theoretiker, die lebensfern sind wie jener Mann, der 57 Liebespositionen kennt, aber keine Frau.

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Sein & Schein 38. Tagebuch

Geschrieben von: August F. Winkler

Mammon & Romanée-Conti
Bernard Jean Etienne Arnault, Chef der Luxusgruppe LVMH, zu der u. a. Louis Vuitton, Moet & Chandon (nebst Krug und Veuve Clicquot) sowie Dior und Hennessy gehören, und der auch bei Cheval Blanc und Yquem ein gewichtiges Wort mitzureden hat, soll, so ist zu hören, für die noble burgundische Domaine Romanée-Conti 300 Millionen Euro geboten haben. Die Offerte ist von DRC-Eigner Aubert de Villaine ebenso abgelehnt worden wie die eine Milliarde Euro, die angeblich vom russischen Oligarchen Roman Avkadjewitsch Abramowitsch ins Spielgebracht worden sind.

Naja, abgesehen von der stupenden Qualität der DRC-Weine ist die Domaine auch als Anlage nicht zu verachten - für eine Flasche Romanée-Conti, die legendärste Lage noch vor dem La Tache, werden runde 10 000 Euro bezahlt.

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Sein & Schein 37. Tagebuch

Geschrieben von: August F. Winkler

Schönheit des Nützlichen
Der Frühling kam gleich als Sommer daher und läßt kleine lila Duftprotze sprießen: die viola odorata, auch Veilchen genannt. Parfümeure lieben sie, aber sie erfreut auch Feinschmecker, die mit Blüten und Blättern ihre Salate raffiniert anreichern. Und die zarten Blütenblätter sind kandiert eine köstliche Näscherei:

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Sein & Schein 36. Tagebuch

Geschrieben von: August F. Winkler

Gabelfrühstück
Wenn dereinst über verlorene Werte beziehungsweise Bräuche geredet wird, gehört das Gabelfrühstück dazu. Wir haben es verloren an die Hektik, an den nützlichen, doch zugleich blöden Computer. Tempi passati, vorbei die Zeiten, in denen der Mann, öfter als die Frau, morgens gegen 11 Uhr seinen zweiten Imbiß zu sich nahm, gerne kulinarische Harmonien in Form einer Weißwurst mit süßem Senf, einer marinierten Sülze oder üppig gebutterten und leicht gesalzenen Brezen mit einem Gas Bier.

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Sein & Schein 35. Tagebuch

Geschrieben von: August F. Winkler

Skandale
Angesichts der vielen und offenbar an Zahl wie Dramatik zunehmenden Lebensmittelskandale bekommt ein Satz immer mehr Gewicht. Er ist schlicht formuliert: Essen Sie nichts, was Ihre Großmutter nicht als Essen erkannt hätte!

Zu jung getrunkener Wein
„Wenn die Haare weg sind, kommt die Frau, die sie hätte streicheln können“, lautet ein brasilianisches Sprichwort, das sich praktisch so deuten läßt: Das Schöne im Leben kommt oft ein bißchen zu spät. Diese bittere Erfahrung machen auch jene Weinfreunde, die erst bei der letzten Flasche merken, daß sie die anderen viel zu früh getrunken haben.

Gewiß gleicht es immer wieder einem Abenteuer ungewissen Ausgangs, ältere Kreszenzen zu trinken. Die bange Frage vor dem ersten Schluck lautet, ob der Wein, ein Methusalem gar, Freude bereiten wird oder nur noch für die Produktion von Essig taugt. Bei einer Rarität spürt man die berühmten Schmetterlinge besonders intensiv im Bauch, aber auch sozusagen normale Kreszenzen lösen einen Kitzel aus. Wie schmeckt 2013 ein gereiftes Gewächs wie die 1971er Auslese von J. J. Prüm, der 1969er Traminer vom Undhof Salomon aus Krems, der edelsüße 1973er Ruster Ausbruch von Feiler-Artinger, die 1990er Grüne Veltliner Vinotheksfüllung von Emmerich Knoll aus der Wachau, die 1964er Maximin Grünhäuser Herrenberg Auslese, die 1992er Gräfenberg Spätlese von Weil? Und siehe da, jeder dieser Weine entzückt. Schon nach wenigen Minuten im Glas erblühen sie aufs Schönste, jede Kreszenz für sich und gemäß ihrer Herkunft.

Dennoch geschehen täglich viele Morde an Weinen, die zu jung getrunken werden. Voreilig entkorkt werden nicht nur rote, sondern mehr noch weiße Gewächse. Ob es Rieslinge, Grüne Veltliner der Gütestufe Smaragd, Traminer, Chenin blanc von der Loire oder große Chardonnays sind: Wer die als Jugendliche mirnichtsdirnichts wegschlabbert, ist als Täter freilich auch sein eigenes Opfer, denn er beraubt sich des Genusses, den ihm diese Weine ausgereift bieten würden. Alles Laute und Raue wird sich ins Feine und Geschmeidige gerundet haben, der Duft nuancierter, der Geschmack reicher sein. Das ist wie die Wandlung vom ungeschliffenen Stein zum brillanten Solitär.

Gewiß gibt es Stimmungen, in denen man einen Wein auch blutjung mag. Nach einem Spaziergang oder wenn die Sommersonne auf die Terrasse heizt, wirkt die Frische belebend, goutiert man selbst die mitunter harsche Säure eines unaufgeblühten Weins. Und natürlich ist es spannend, den Werdegang eines Gewächses wie den eines Kindes vom Baby über die Pubertät bis zum Beginn des Erwachsenseins zu verfolgen. Aber zu spüren, wann ein Wein auf seinem Höhepunkt ist und ihn dann zu genießen, das ist angewandte Trinkkultur.

Dann ist es Zeit für die Muße. Dann stöpselt man am besten das Telefon aus, legt eine CD von Errol Garner auf – dessen Klavierläufe passen besonders gut zu einem älteren Riesling, weil beide klar strukturiert sind und doch von einem Geheimnis umweht – und gibt sich vielleicht einer lohnenden Beschäftigungen hin, nämlich der Frage, welche Speise zu einem zehnjährigen Riesling am besten passt.
   

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