Diarium

Sein & Schein 14. Tagebuch

Geschrieben von: August F. Winkler

Essen und Trinken sind wie Frau und Mann: von Geburt an füreinander bestimmt, aber deswegen noch lange nicht beliebig kombinierbar. Eine Forelle blau mit einem schweren Cabernet Sauvignon gliche einer Ehe, in der es ständig kracht. Ebenso geschmackskriminell wäre es, zu einem Hasenbraten ein junges Möselchen zu servieren.

Dennoch muß man bei der Suche nach dem rechten Wein zur Speise keine der Doktorarbeiten studieren, die neuerdings mit drohendem Ernst geschrieben werden. Entweder wird bequem pauschaliert („Weißwein kommt vor Rotwein“) oder aberwitzig ziseliert („Zum Rebhuhn, das überwiegend auf dem rechten Bein stand, wird ein 1971er Château Cheval Blanc serviert“). Besser auf dem Weg ins kulinarische Glück kommt man mit einem gesunden Geschmackssinn plus etwas Erfahrung und Phantasie.

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Sein & Schein 13. Tagebuch

Geschrieben von: August F. Winkler

Wer genügend überflüssige Zeit hat, kann sich über die gebündelten Nichtigkeiten amüsieren, die in diversen Männer- und Frauenmagazinen angeboten werden. Da heißt es beispielsweise, eine Frau, die attraktiv sein wolle, müsse auf Alkohol verzichten, Diät halten, Fitneß treiben, Hanteln stemmen, joggen, wenigstens radfahren oder ähnlich echauffierenden Blödsinn treiben. Anstiftern und Opfern solcher törichten Ratschläge sei der Ohrwurm von Zarah Leander empfohlen: „Eine Frau wird erst schön durch die Liebe…“

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Sein und Schein 12. Tagebuch

Geschrieben von: August F. Winkler

Zur ungenierten Sinnlichkeit des Herbstes, in dessen prallen Farben der Sommer noch einmal aufglüht, bevor er sich fröstelnd zurückzieht, gehören goldbraun gebratene Fasane, Rehkeulen, Hirschfilets, mit Liebe geschmorter Rücken vom Wildhasen (die Sauce zubereitet mit dessen Blut) und, wenn einem das Glück mit einem Jäger hold ist, auch eine göttliche Schnepfe. Die weißen Trüffel werfen ihre leckeren Schatten voraus und das Käsereich wird demnächst der wunderbare Vacherin Mont d’Or bereichern (aber Achtung, den gibt es von der Schweizer Seite auch pasteurisiert). Jedenfalls ist es an der Zeit, die schwere Eisenpfanne wieder hervorzuholen, denn jetzt beginnt die Saison der großen Braten mit den molligen Roten oder kapitalen Weißen vom Stamme eines Montrachet oder Grünem Veltliner Smaragd. Der Gedanke an einen geschmeidigen Spätburgunder zum Rehrücken, einen edlen Médoc zum Lamm oder einen kalifornischen Cabernet zum Steak läßt meine Sinne vorab angemessen erschauern.

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Sein & Schein 11.Tagebuch

Geschrieben von: August F. Winkler

Auch kleine Leute haben große Gefühle, aber kleine Weine niemals eine große Aura.

***

Was in manchen Restaurants als Kartoffelsüppchen annonciert wird, ist nichts als pure Enttäuschung. Da freut man sich auf eine Stück köstliche Vulgarität, doch im Teller finden sich nur Sahne und noch einmal Sahne, allenfalls ergänzt um etwas Lauch oder Spuren von schwarzem Trüffel - letzteres ist das Alibi, zehn Euro mehr zu verlangen. Mit den "Süppchen" flirten unsere sogenannten Kreativen ja besonders innig. Irgend so ein Leittier muß diesen Bankert in die Speisekarte gesetzt haben, wo er seither sein Unwesen treibt. Süppchen! - als schäme man sich einer herzhaften Suppe und gäbe es auch ein Schwangerschäftchen.

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Sein & Schein 10. Tagebuch

Geschrieben von: August F. Winkler

Alles auf Erden dreht sich um die Liebe und wie man sie entfacht. Für Euripides, den altgriechischen Denker, war die Sache klar: „Wo der Wein fehlt, da stirbt der Reiz der Venus.“ Recht hat er, doch halt: angelsächsische Mediziner wollen herausgefunden haben, daß Alkohol die Liebesfähigkeit mehr bremst als fördert. Wer säuft, der liebt schlecht. Angeblich verkrümelt sich das männliche Sexualhormon Testosteron im Blut von Männern, die regelmäßig viel Alkohol trinken. Dies hieße in schlichtem Klartext: Schluckspechte verlieren Lust und Fähigkeit zur Liebe. Adieu Erotik, Gute Nacht mit dem Sex.

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