Gastrosophie

Muscheln: pure & chice Meeresfrüchte

Geschrieben von: August F. Winkler

Alles Eßbare, was im Meer lebt, schuppenlos ist und kein Fisch, haben die Poeten unter den Feinschmeckern kurzerhand zur Meeresfrucht erklärt. Dazu gehören Tiere und Tierchen, die glatt geformt sind, rau, stachelig, schleimig, dornig, umschlossen von Panzern oder Schalen. Die einen finden wir schön, andere häßlich. Der Mensch hat sie seit Urzeiten eingefangen, auf ihre Genießbarkeit hin probiert, sie roh verzehrt, gekocht oder gebraten, daraufhin nach Wohlgeschmack sortiert und etliche davon als ausgezeichnet eingestuft. Einige werden global als Leckerbissen geschätzt, andere nur regional. Unter dem Begriff der Meeresfrucht - frutti di mare sagen die Italiener, fruits de mer die Franzosen, wohingegen das seafood der Engländer auch Fischiges einschließt – firmieren Garnelen, Krabben, Langusten, Hummer, Tintenfische und Wasserschnecken, vor allem jedoch Muscheln von der Abalone über die Auster, die besonders edle Jakobsmuschel, die Napfschnecke, Steindattel und Venusmuschel bis hin zur populärsten Vertreterin namens Miesmuschel.

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Blutwurst: rot wie die Liebe und ein archaischer Genuß

Geschrieben von: August F. Winkler

Im üppig blühenden Reich der Würste gebührt der Blutwurst eine Sonderstellung. Sie ist die Reinste aller Würste, verführerisch in Farbe, Duft und Geschmack – Francois Rabelais, der phantasievolle Dichter von Gargantua und Pantagruel, hat sie im 16. Jahrhundert entsprechend gewürdigt: „Die Schlange, von der Eva verführt wurde, war vom Geschlecht der Würste.“ Das klingt surreal, zeugt jedoch von der hohen geschmacklichen Anziehungskraft der Wurst seit Tausenden von Jahren, als die Ägypter als angeblich erste Blut nicht nur opferten, sondern verarbeiteten. Historisch verbürgt ist die Blutwurst als ältestes Mitglied im weitverzweigten Kosmos der Würste. Auch literarisch wurde diese Wurst prominent verewigt. Im 7. Jahrhundert v. Chr. beschreibt Homer in der Odyssee einen mit Blut und Fleisch gefüllten Ziegendarm, und die Spartaner sahen in einer Art Blutwurstsuppe ein Kraftpaket, das sie mutig machte und stark für den Kampf.

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Die Weidegänse der Maria Haberl

Geschrieben von: August F. Winkler

Vom griechischen Philosophen Lacydes wird erzählt, er sei zeit seines Lebens unvermählt geblieben, weil vernarrt in eine Gans. Als der Vogel starb, hat ihm der Dichter ein prachtvolles Begräbnis ausgerichtet, was die Zeitgenossen zwar etwas kurios, ja degoutant empfanden, aber Lacydes war nun mal einer Schwäche zur Graugans (lat. Anser anser) anheim gefallen. Tatsächlich haben Gänse auch menschliche Züge. Junge Ganter tun sich enorm wichtig, wenn sie der Angebeteten imponierten wollen. Sie prahlen mit ihren Kräften, flattern unnötig mit den Flügeln und schnattern besonders laut und aufgeregt, wenn sie endlich ihre Partnerin gefunden haben, der sie ein Leben lang treu bleiben.

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Weißwurst: Weltanschauung mit süßem Senf

Geschrieben von: August F. Winkler

Die Weißwurst ist eine jener wenigen Würste mit eigener Hymne, getextet vom Münchner Poeten Herbert Schneider: „Du Königin im Wurstrevier, du schön gekurvte Tellerzier, lass dir den weißen Hermelin von deinen zarten Schultern ziehn!"

Beim Oktoberfest auf der Münchner „Wies'n" wird ihr tonnenweise der Garaus gemacht: der Weißwurst, jenem Münchner Symbol, das umwabert ist von Regeln und Ritualen, Mißverständnissen, Legenden und Geheimnissen! Eine Weißwurst ist eine Weißwurst?

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Himbeere: rot wie die Liebe und süß wie die Sonne

Geschrieben von: August F. Winkler

Rubus idaeus – was wie der Titel eines liturgischen Sprechgesangs klingt, das ist der wissenschaftliche Begriff für eine der köstlichsten Früchte: die Himbeere. Vermutlich geht der Name auf den griechischen Arzt Krateuas zurück, der um 100 v. Chr. lebte und die Beere mit dem kretischen Berg „Ida" verband, der zudem als Geburtsort von Zeus gilt, dem weisesten und mächtigsten aller Götter. Einer anderen, eher weltlichen These zufolge soll sich der Name vom türkischen Gebirgszug „Ida" ableiten, der ebenfalls mit den Göttern eng verknüpft ist – hier hat Hera den Zeus verführt - und an dessen Hängen bereits in antiker Zeit die zu den Rosengewächsen (Rubus) gehörenden Himbeeren geerntet worden sind. Das deutsche Himbeere entstammt dem althochdeutschen Hintperi und heißt so viel wie „Beere der Hirschkuh"; die Tiere haben sich angeblich am liebsten in Himbeersträuchern versteckt.

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