Gastrosophie

Geschmackssache: Freude über angebrannte Erbsensuppe

Geschrieben von: August F. Winkler

Ein Mann schalt seine Frau noch nach mehr als zehn Ehejahren, sie kriege die samstägliche Erbsensuppe nicht so gut hin „wie meine Mutter“. Die Frau experimentiert, holt sich Rat aus diversen Büchern, fragt jeden Koch, den sie erhaschen kann, ruft auch bei der Schwiegermama an, doch vergeblich. Der Mann hat jeden Samstag etwas auszusetzen. Nicht dass ihm die Suppe gräulich schmecken würde, er isst mit Appetit, aber es fehlt ihm halt das letzte Genußtüpferl, die Suppe sei eben nicht „wie bei Mutter“.

Eines Samstags, Madame köchelt gewohnheitsmäßig die Erbsensuppe, brennt ihr das Traditionsgericht an, nur leicht, aber es riecht verbrannt und so schmeckt die Erbsensuppe auch – korrigieren lässt sich nichts mehr, der Mann betritt bereits das Haus und setzt sich in hungriger Erwartung zu Tisch.

Demütig trägt seine Frau die mißratene Suppe auf, vernichtende Kritik erwartend. Der Mann probiert, strahlt und siehe da: „Liebling, endlich, genau wie bei der Mutter“!

Die Geschichte ist wahr und zeigt, dass sich die Zunge auch an Schlechtes gewöhnen kann oder, barmherziger ausgedrückt: an weniger Gutes.
 

Pfeffer: Charakterkorn von sinnlicher Schärfe

Geschrieben von: August F. Winkler

Jede Esskultur hat ihren eigenen Umgang mit Gewürzen. Von den Sinneseindrücken, die beim Essen empfangen werden, sind es die Düfte, die wir am stärksten wahrnehmen und die uns den meisten Genuß verschaffen. Allein mit den Basis-Geschmäckern süß, sauer, salzig, bitter, den Empfindungen hart und weich, fest und flüssig, warm und kalt wäre Essen nur eine bescheidene Freude. Erst die Aromen machen es zum Erlebnis. Aroma ist laut Brockhaus übrigens „der Wohlgeruch, der meist durch flüchtige ätherische Öle hervorgerufen wird“. Ursprünglich steht das griechische Wort für Gewürz, und tatsächlich begann die Aromaküche in Europa mit der Entdeckung der Gewürzschätze aus Arabien und Indien, später auch aus Südamerika und Afrika.

Weiterlesen: Pfeffer: Charakterkorn von sinnlicher Schärfe

 

Eckart Witzigmann zum 75sten: Glückwunsch edler Meister der Kochkunst

Geschrieben von: August F. Winkler

Die Pracht hat viele Seiten und auf einer steht: Eckart Witzigmann, Koch von eigenen Gnaden. Als Du, fesch, mit gewinnendem Lächeln und Sinn für alles Schöne und alle Schönen, doch vor allem gesalbt mit den Techniken der bürgerlichen Küche wie mit den Finessen der französischen Haute Cuisine, nach Deutschland kamst, hattest Du eine neue gastronomische Epoche eingeläutet und bist Du Dynast vieler Schüler geworden, die uns heute als Köche beglücken. Ein Essen bei Dir, ob Seestern, Butt oder Bauernente, war mir stets ein privates Weltereignis, und unvergeßlich sind mir die Stunden mit den gemeinsam geleerten Gläsern. Deine auf unzähligen Zetteln festgeschriebene Wißbegierde ist beeindruckend und nicht minder legendär wie die Sammlung Deiner Rezepte. Lieber Eckart, ich verneige mich vor Dir und Deinem 75er, wünsche Dir Wohlbefinden, glückliche Stunden und jederzeit einen Ozean an Champagner für und wider den heiligen Durst!

Weiterlesen: Eckart Witzigmann zum 75sten: Glückwunsch edler Meister der Kochkunst

   

Legendäre Rezepte: Weißwurst aus Meeresfrüchten mit Senfsauce

Geschrieben von: August F. Winkler

Raymond Oliver, langjähriger Chef des legendären Pariser Restaurants „ Le Grand Vefour“, war einer der kultiviertesten französischen Meisterköche der Nachkriegszeit. Er, der immerhin rund 30 Kochbücher geschrieben hat, darunter das lesenswerte „Frankreich tafelt“, sagte, er habe in seiner gesamten Karriere nur ein einziges neues Gericht erfunden.

Weiterlesen: Legendäre Rezepte: Weißwurst aus Meeresfrüchten mit Senfsauce

 

Essenslust & Trinkfreude: Unsinniges Geschmatze über Wein zu Speisen

Geschrieben von: August F. Winkler

Als Noah nach verflossener Sündenflut die Arche verließ, wurde ihm sozusagen von höchster Instanz auch der Genuss von Fleisch erlaubt. Im ersten Buch Mose heißt es: „Alles, was sich regt und lebt, das sei eure Speise.“ Der alte Menschenvater dachte kulinarisch weiter. Er legte einen Weinberg an und betrank sich an der ersten Ernte. Das haben Moralprediger später zürnend als Verlust des rechten Maßes gebrandmarkt. Dies kann man generöser, genüsslicher sehen und Noah als ersten Gourmet hochleben lassen: Er pflanzte Reben, weil er ahnte, dass Essen erst in der Verbindung mit Wein zu einem abgerundeten Stück Kultur wird.

Weiterlesen: Essenslust & Trinkfreude: Unsinniges Geschmatze über Wein zu Speisen

   

Seite 7 von 23

<< Start < Zurück 1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 Weiter > Ende >>

Journal bekommen!

Wort der Woche

„Der Wein macht den Maulwurf zum Adler“

Nadar

Dieses ebenso skurille wie poetisch erhöhte Bild hat Charles-Pierre Baudelaire (1821-1867) entworfen, der geniale französische Lyriker, Schriftsteller, Essayist, Dandy, Wagnerianer und Weinkenner, der vor allem mit seiner „Die Blumen...

weiterlesen

Gericht der Woche

Gratinierte Austern à la Tante Therese

Erzkonservative Austernfreunde verachten gegarte Austern als Barbarei. Gewiß...

weiterlesen

Wein der Woche

2008 Château de Pez, Cru Bourgeois, St. Estephe

Dunkelrot und mit einem jugendliche Frische signalisierenden Lilaschimmer fließt der Wein ins Glas, aus dem im Nu ein dicht geflochtenes Bukett...

weiterlesen