Gastrosophie

Jakobsmuschel: die edle Frucht der Aphrodite

Geschrieben von: August F. Winkler

Man erzählt am Beginn des 21. Jahrhunderts angeblich keine Märchen. Die passten nicht in die Welt des Computers, nicht in das kühle, hetzige Lebenstempo, nicht zum Mail, das den Brief verdrängt hat. Aber tatsächlich ist die Sehnsucht des Menschen nach dem Märchenhaften nicht geringer geworden. Im Gegenteil, sie wächst in dem Maße, wie die Technologisierung zunimmt. Märchen sind so etwas wie Seelennahrung, und so fügt es sich hübsch in die Geschichte von der Jakobsmuschel, dass sie nicht nur eine Delikatesse ist und jetzt noch bis April ihre Hochsaison hat, sondern auch märchenhaft umspült ist: Aphrodite, die schaumgeborene Göttin der Schönheit und der Liebe, hat sich einst in der Schale einer Jakobsmuschel von sechs Seepferdchen übers Meer zur Insel Cythera ziehen lassen.

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Schnecken: da geraten Gourmets wieder freudig aus dem Häuschen

Geschrieben von: August F. Winkler

"Schleimig, säumig, aber stete immer auf dem nächsten Pfad
finden sie die Gartenbeete mit dem schönen Kopfsalat" - Wilhelm Busch

Die Wiederkehr vollzieht sich leise, unspektakulär, auch langsam, aber beharrlich und mit dem für diese Weichtiere angemessenem Tempo. Schließlich ist die Weinbergschnecke - so der populäre deutsche Name für die Helix pomatia - gleichermaßen bekannt wie belächelt wegen ihrer notorischen Behäbigkeit. In einer Stunde schafft das Tier eine Strecke von etwa vier Meter. Gourmets schätzen sie freilich als Delikatesse, ob fein gehackt und in Blätterteig gefüllt, als Suppe, im Ofen gebraten oder auf griechische Art in Weinblätter gewickelt, auf dem Grill geröstet, paniert und mit Chili-Dip serviert, angerichtet auf Paprikaschaum oder puristisch im Dutzend aufgetischt mit einer würzigen Knoblauch-Kräuter-Butter - à la bourguignonne genannt als Huldigung an Burgund, wo Schnecken zur bürgerlichen Leibspeise zählen. So ein Pfännchen gebratener und herzhaft gewürzter Escargots läßt kein Franzose stehen. Besonders melodisch klingt es, wenn der Italiener seine Weinbergschnecken bestellt: "Chiocciole".

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Ansichten: Zum Teufel mit frömmelnden Moralisten!

Geschrieben von: August F. Winkler

Zwei Gespenster gehen um, sie sind einander verwandt und heißen: Intoleranz und Genußfeindlichkeit. Vegetarier beschimpfen Fleischesser, Tierschützer diskriminieren Gourmets, die Hummer köstlich finden, Abstinenzler halten Weinfreunde für Alkoholiker, selbsternannte Volksgesundheitsapostel hetzen gegen Zucker, Tabak, Fett, Salz, Kaffee, Eier & Co.

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Flirt-Gerichte zum Valentinstag: der sinnlichste Schlüssel zur Liebe

Geschrieben von: August F. Winkler

Liebestränke, Zaubersäfte, Hexensalben – der Mensch träumt seit Urzeiten vom perfekten, vom absoluten Aphrodisiakum. Er hat die Tollkirsche gefuttert und den Fliegenpilz verspeist, er hat getrocknete Seepferdchen inhaliert, pulverisierte Libellen und Rhinozeroshörner, die Galle der Hyäne und die Eier vom Krokodil gegessen, er hat sich die berüchtigte Spanische Fliege einverleibt und an Orchideen gerochen, alles in der Hoffnung, seine Gefühle zu erweitern, die Lust zu stimulieren, kurzum: Die Sinne für erotische Spiele zu mobilisieren. Aphrodisiaka hatten und haben in allen Kulturen ihre Hochkonjunktur. Austern, Kaviar, Spargel, Artischocken, Koriander, Safran, Ingwer und Pfeffer schrieb man bereits im Altertum liebesweckende Kräfte zu. Senf, Hasenfleisch, die Alraunewurzel und gemahlenes Elfenbein sollen ebenso das Erektionszentrum reizen wie Cola, Ginseng und die Rinde des afrikanischen Yohimbebaumes.

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Bocuse: 90 Jahre und das Glück der prächtigen Buttersauce

Geschrieben von: August F. Winkler

„Gott ist berühmt genug, und trotzdem muß der Pfarrer jeden Tag die Glocken läuten.“ (Paul Bocuse)

Der Mittag in der „Auberge du Pont de Collonges“, besser bekannt als das Restaurant von Paul Bocuse, begann angemessen delikat mit einer Scheibe foie gras, flankiert von einem Gelee aus edelsüßem Sauternes in jenem suggestiv blinkenden Goldgelb, mit dem Ikonenmaler die Heiligenscheine verklären. Ein nicht zu stark gekühlter Chevalier-Montrachet von der Domaine Leflaive in derselben Farbe wie der Heiligenschein, vielleicht noch etwas leuchtender, unterstützte den Gang. Es war einer jener selten gewordenen Momente, in denen der Lärm der Welt weit entfernt war.

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