Gastrosophie

La vera Pizza:

Geschrieben von: August F. Winkler

die Neapolitanerin bekommt Konkurrenz und löst einen Kulturstreit aus

Für viele Hungrige ist die Welt eine Scheibe aus Hefeteig, belegt mit Käse, Gemüse, Fleisch oder Fisch, gewürzt mit Kräutern, gebacken im Steinofen und weltweit bekannt als Pizza. Die Variationsbreite dieser farbenprächtigen Speise ist schier unendlich, monströs gipfelnd in der “Pizza mit allem“, bei der die sprachliche Delikatesse freilich höher einzuschätzen ist als der kulinarische Wert. Allerdings reizt diese alte neapolitanische Mutterspeise immer wieder auch Spitzenköche zu kreativen Höhenflügen. Wenn Jack Nicholson in Wolfgang Pucks „Spago“, dem gastronomischen Tempel von Los Angeles, zum 1996er Dom Perignon eine Pizza bestellt, dann ist sie entweder dick mit Lachs oder üppig mit Kaviar belegt. Puck, dieser österreichische Erfolgskoch, weiß, womit er seine verwöhnte Klientel beglücken kann: mit der luxuriösen Veredelung des Einfachen, sozusagen einer hollywoodesquen Pizza.

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25. September ist Tag des Butterbrots: Triumph der einfachen Gaumenfreude

Geschrieben von: August F. Winkler

Der Mensch, angetrieben vom Applaus der Gesellschaft, von Profit, Eitelkeit und der Lust an der Herausforderung, ist längst zum Mond geflogen, er zertrümmert die Atome und pfuscht der Natur mit genetischen Basteleien ins Handwerk. Überall stößt man auf übertriebenen Ausdruck, in der Kunst, in der Mode, in der Werbung sowieso, aber auch im Alltag und in der Gastronomie, wo es alberner Brauch ist, den Linseneintopf mit Hummer anzurichten und den Kartoffelsalat mit einem Klacks Kaviar zu servieren, damit der Wirt 50 Euro für die Portion verlangen kann. Die Superlative triumphieren oft über das Einfache, das übersehen, das Stille, das nicht wahrgenommen wird.

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Klassische Küche statt Bling-Bling – 4. Folge: Filet Wellington

Geschrieben von: August F. Winkler

Unter classicus verstanden die alten Römer „zum ersten Rang“ gehörende Werke von formvollender Harmonie – und Geschmack, wenn es ums Essen ging. Klassiker der Kochkunst sind auch heute überall dort zu Hause, wo ein Koch am Herd steht, der sich nach dem Ausreizen aller technischen Innovationen und Grenzen wieder den bewährten Rezepten nach dem Leitmotiv „Küche statt Bling-Bling“ widmet. Die Feinschmeckerey startet eine Klassiker-Serie als Hommage an die Kochkunst mit Gerichten aus der Hoch- wie der Bürgerküche von ewigem Geschmack und zeitloser Schönheit.

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Der Topfgucker:

Geschrieben von: August F. Winkler

Gastronomische Pracht bei Thomas Dorfer im Landhaus Bacher, Wachau

Das Restaurant:

Ja, es ist ein Landhaus wie aus dem Bilderbuch von lichter Eleganz und großen Fenstern hin zum Garten mit den alten Laubbäumen. Wenn man Lourdes nachsagt, es sei das Pilgerziel der Kranken und Beladenen, so ist das Landhaus Bacher gewiss das Mekka der Fröhlichen und Genießenden, wo seit Jahren aufs Schönste demonstriert wird, dass man sich glücklich essen kann. Rund ums Landhaus und in der gesamten Wachau ist jedenfalls schon etwas von der Leichtigkeit des Südens zu spüren. Laubengänge, Sgrafitto-Häuser, holzbedachte Stiegen, Erker, deren seitliche Spionierfenster die bürgerliche Neugierde befriedigen, sowie eine Blumenpracht lassen einen bereits am Tage träumend durch die Gassen gehen. Es ist wie ein Flanieren der Seele und man spürt, dass in der Wachau die Realität unversehens zum Märchen werden kann - und umgekehrt.

Landhaus Bacher, Südtiroler Platz 2, A-3512 Mautern, Wachau. Tel.: +43/2732/82937, Diese E-Mail-Adresse ist gegen Spambots geschützt! JavaScript muss aktiviert werden, damit sie angezeigt werden kann. www.landhaus-bacher.at

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Die Tomate: Liebesapfel und globaler Champion

Geschrieben von: August F. Winkler

La Tomatina: ein spanisches Dorf sieht am 26. August rot

Pünktlich um elf Uhr dröhnt der sehnlichst erwartete Böllerschuß und im spanischen Bunol bei Valencia wird am 26. August ein Spektakel von archaischer Gewalt beginnen. Eine Stunde lang werden sich zehntausende Festgäste mit ungefähr 150 Tonnen angequetschter Tomaten bewerfen, bis die halbe Stadt knöchelhoch in der roten Sauce steckt und die – überwiegend vorsorglich im Badedreß und mit Taucherbrille angetretenen - Kämpfer, rot angematscht und müde, aber glücklich den zahlreichen Duschkabinen sowie dem nahen Fluß zustreben, während die Feuerwehr mit dicken Schläuchen die Straßen, Plätze und Häuser vom Brei zu reinigen versucht. Was vor 70 Jahren als lokaler Scherz unter Jugendlichen begann, hat sich zu einer rauschhaften Fiesta namens „Tomatina“ entwickelt, die seit 1945 und unterbrochen nur während einiger Jahre des Franco-Regimes jeden letzten Mittwoch im August stattfindet - als Orgie in Rot eine touristische Attraktion, vor allem jedoch eine ebenso einmalige wie ungewöhnliche Hommage an die Tomate. Motto: kollektiver Irrsinn mit Methode und logischem Ablauf. (www.latomatina.es)

Tomate Tomatina

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