Clubsandwich

Clubsandwich
(kreiert für vier Personen von Markus Bischoff)

Zutaten:
  • 12 Scheiben Toastbrot
  • 2 Hühnerbrüste, gebraten
  • 8 Scheiben Schinken
  • Butter
  • 2 hart gekochte Eier
  • 4 Spiegeleier (von beiden Seiten wachsweich gebraten)
  • 2 Tomaten
  • ½ Salatgurke
  • 8 Scheiben Speck, geröstet
  • 16 grüne Oliven
  • 8 Eßl Cocktailsoße
  • ½ Kopf Eisbergsalat, in feine Streifen geschnitten

Clubsandwich MehrfachdeckerZubereitung:
Die Toastbrotscheiben goldbraun rösten, mit Butter bestreichen und jeweils zwei Brotscheiben belegen mit Schinken, in Streifen geschnittene Hühnerbrüste, Eisbergsalat, angemacht mit Cocktailsoße, Tomaten und Gurken. Eine der Scheiben noch zusätzlich mit Scheiben der hart gekochten Eier belegen, die andere mit dem Spiegelei. Die Brotscheiben zusammen legen und mit einer dritten abdecken. Diagonal schneiden, mit einem Holzspieß zusammenhalten und mit Speck und Oliven garnieren.

Kleine Sandwich-Kulturgeschichte:

Es gibt unterschiedliche Arten von Hunger. Einer kommt, nach Tennis, Bergsteigen oder Schreibtischarbeit, direkt aus der Tiefe des Bauches. Dem ist die Seele schnuppe, der will nur satt werden und dies so unkompliziert wie schnell. Kunst geht nach Brot, hat Lessing diese Form des sozusagen brachialen Hungers beschrieben, was Bert Brecht drastisch so übersetzte: Erst kommt das Fressen, dann die Moral. Man kann auch sagen, dass die Kalorien über die Ästhetik triumphieren. Freilich gibt es Momente, in denen selbst der gewiefteste Gourmet, weil auf Reisen oder in Eile, zum Sandwich greift, einem Hochstapler, doch einem mit Innenleben und nach Woody Allen eine wohltätige Kreation, weil es die Menschen von der warmen Küche erlöst.

Jedenfalls lässt sich ein Sandwich auf entzückend einfache Weise zubereiten und verspeisen, was die beiden Gründe für seine Beliebtheit als gefragtestes Brot weltweit sein dürften. In London wie in den USA bieten Delikatess-Läden um die hundert und mehr Sorten an. Frankophile Gourmets verspotten das Sandwich zwar als den größten Beitrag Großbritanniens zur Gastronomie und setzen hämisch hinterher, ein Buch über „Englische Küche“ sei das dünnste der Welt. Die Briten reagierten einerseits empört auf diese harsche Kritik an einem ihrer nationalen Heiligtümer, doch gab es auch Stimmen, die Besserung gelobten. Und siehe da, auf einmal lagen sogar in Supermärkten frische Sandwiches mit teils exotischen Füllungen, und bei Wettbewerben im Rahmen der „Total Sandwich Show“ wird jedes Jahr das innovative Sandwich gekürt.

Von Haus aus ist das Sandwich ein gemütlicher, rustikaler Vetter des noblen Kanapèes, das mit seinem Durchmesser von cirka 2,5 Zentimeter vorzugsweise bei Stehempfängen grazil mit Daumen und Mittelfinger angefasst und in einem Happ in den Mund befördert wird. Die erste Aufgabe des Sandwichs ist das faxenlose Stillen des Hungers. Zweitens erlaubt es den Verzehr ohne jegliches Besteck. Ins Sandwich beißt du herzhaft hinein, wie es John Montague, Vierter Earl of Sandwich, wohl getan hat, als er, ein moralisch ziemlich dubioser Haudegen, um ein 24 Stunden währendes Kartenspiel im Londoner Hellfire Club nicht unnütz zu unterbrechen, zwei Scheiben Roastbeef orderte. Weil der Lord weder Finger noch Karten fettig machen wollte, ließ er der Überlieferung nach das mit Mayonnaise bestrichene Fleisch zwischen zwei oder drei Scheiben Weißbrote packen. Das geschah in der Nacht vom 6. auf den 7. August 1762; diese Tat läutete die Geburtsstunde des Sandwiches ein, dem späteren Urahn von Hamburger und Verwandten.

Sandwich-Variante:
„Lindstroembroetchen“ mit Wachtelei. Frisch gehacktes Tatar auf mit Butter bestrichene Brotscheiben streichen und mit der Tatarseite nach unten in heißem Butterschmalz kurz anbraten. Jeweils mit einem Wachtelspiegelei und frischer Kresse garnieren.

Die Basis eines klassischen Sandwiches ist ein entrindetes, sehr dünnes weißes Kastenbrot, das in Dreiecke oder Rechtecke im Umfang von sechs mal vier Zentimeter geschnitten wird. So historisch korrekt wird das längst nicht mehr in allen Küchen gesehen. Heute werden Fleisch, Fisch, Käse und Gemüse mit Saucen, Kräutern und Gewürzen zwischen vielerlei Brotarten gepackt und als Sandwich angeboten. In Frankreich stößt man auf das kugelige „Pain bagnat“, eine Art gefüllte Monsterbrötchen. Unter dem Titel „Continental Sandwiches“ segeln global die fingerdick mit Salaten, Mayonnaise, Schinken, Käse oder Thunfisch belegten Baguettehälften, auch Torpedo genannt.

Zu filmischen Ehren gelangte das Pastrami-Sandwich, an dem sich Meg Ryan im New Yorker „Katz“-Deli delektierte und sich dabei zu ihrem ebenso berühmten wie epochalen Höhepunkt hochstöhnte, was einen Tisch weiter eine Frau animierte, genau dieses Gericht zu ordern. Unter dem ursprünglich jüdischen Pastrami wird in den New Yorker Feinkostläden – kurz Deli genannt - ein Sandwich mit gekochtem, mageren Rindfleisch, trocken gepökelt, eingerieben mit Salz und einer Würzpaste aus Knoblauch, Kreuzkümmel, Pfeffer, Zimt und Koriandersamen serviert. Das bislang teuerste Sandwich hatte Jean-Christophe Novelli 2003 anläßlich der Messe „Vive La France“ in London als unverkäuflichen PR-Gag entworfen, bestehend aus Brot nach einem Backrezept aus dem 14. Jahrhundet, ungesalzener Butter aus der Vendée-Region und einer Marmelade aus Johannisbeeren, deren Samenkörner vor dem Einkochen mit einer Gänsefeder herausgefegt worden waren. Der Preis für diesen Prototyp: 486 Euro, willkürlich festgelegt, aber ausreichend, um journalistisch international gewürdigt zu werden.

Der Variationsbreite des Sandwiches sind keine Grenzen gesetzt, außer jenen der Harmonielehre vom guten Geschmack. Das populärste Exemplar ist das Club-Sandwich, von Legenden umgeben und ein Klassiker auch der Grand-Hotellerie: zwanzig Zentimeter breiter Toast, in Dreiecke geschnitten, dreistöckig gefüllt mit Schinken, Hähnchenbrust, Eisbergsalat, Tomaten, Ei und Mayonnaise, zusammen gehalten durch einen Cocktailstick und flankiert von Olive sowie Gewürzgurke nebst Pommes frites. Die Klassiker haben längst Konkurrenz bekommen in Form raffiniert gestylter Zeitgeistprodukte wie Avocado mit Mozzarella, Ziegenkäse mit rosa Pfeffer, Lachs mit Honig, Kichererbsen und Zucchini, Fenchelsalat mit feinst geschnittener Wurst. Das Leitmotiv der neuen Sandwich-Kultur lautet: oben nichts, unten nichts – außer Brot natürlich - , aber dazwischen viel Design.

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