Genußatelier: Die Schönheit eines vollen Kühlschranks

Jeder Mensch hat sein kleines Geheimnis. Meines ist ein voller Kühlschrank. Ich bin ein kulinarischer Sammler, ja Hamster. Zu meiner Vorstellung vom irdischen Glück gehören auch Gewölbe, in denen Würste, Speck und Schinken von der Decke hängen und die Regale gefüllt sind mit Marmeladengläsern sowie Eingelegtem aller Art. Leere Kühlschränke stimmen mich besonders traurig. Sie sind ein Paradox, sozusagen kalte Hoffnungslosigkeit. Die These mag kühn sein, aber ich wage sie: Wer nur Joghurt und Mineralwasser bunkert, ist, ob Mann oder Frau, auch sonst ziemlich unsinnlich. Daß mein Kühlschrank immer bestens sortiert ist, hat natürlich mit der in kargen Nachkriegsjahren und mageren Studentenzeiten gewachsenen Urangst zu tun, hungern und dürsten zu müssen.

Aber auch Soziales spielt eine Rolle. Ich will Freunde, die überraschend zu Besuch kommen, angemessen bewirten. Und nichts ist nach einer weinvollen Nacht desillusionierender als ein blanker, nur mit Belanglosigkeiten angefüllter Kühlschrank. Außer Grundnahrungsmitteln wie Butter, Eier sowie einem Sortiment an Schinken, Wurst, Käse, Pesto und Tomaten horte ich stets einen kleinen Vorrat an Näschereien wie Sardinen (mit Haut und Gräten, möglichst lange gelagert, getrost auch über das empfohlene Verzehrdatum hinaus), Wildpastete, Ziegenkäse (ergibt mit Pellkartoffeln, Olivenöl, Balsamessig und Gartenkräutern ein rasch zubereitetes und erlesenes Mahl), grobe Kalbsleberwurst (dazu getoastetes Vollkornbrot und edelsüßer Wein beziehungsweise Port: ein Hochgenuß).

Solch‘ eine eiserne gastronomische Ration benötigt man nicht zum Überleben, aber für ein Leben mit Genuß.

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