Deutsche Küche

Zwei grandiose Bücher: Deutsche Küche und Typisch deutsch

In der Küche gibt es keine letzte Wahrheit und hat es noch nie einen Messias gegeben, der wie Moses in göttlichem Auftrag mit ewigen Rezepturen erschienen wäre. Die Küche ist, wie Musik, bildende Kunst, Literatur und Theater, zwischen Tradition und Moderne, zwischen Altbewährtem und Experimentellem, auch zwischen Sein und Schein, einem steten Wandel unterworfen, bei dem sich Perioden der müden Beharrung mit solchen des belebenden Fortschritts abwechseln. In der Gastronomie ist es ja wie mit der Philosophie: beide brauchen jugendliches Feuer, um nicht zu erstarren.

Die Denker müssen alte geistige Welten einreißen, ehe sie neue aufbauen können. Und ein Kochkünstler, also einer, der sein Handwerk beherrscht, darüber hinaus in kulinarischen Utopien zu denken vermag und in der Lage ist, das Gedachte oder gefühlsmäßig Erahnte am Herd konkret umzusetzen, wird die Geschichte der Gourmandise immer wieder durch neue Kapitel ergänzen und dadurch dem Feinschmecker die Türe zu bislang nicht gekannten sinnlichen Welten aufstoßen.

Koeche 100 beste Cover.JPGEin Weg zu neuen Genüssen sind Kochbücher:

„Typisch Deutsch“ heißt der von Jean Claude Bourgueil (Verlag Fackelträger, 312 Seiten, 69 Euro) betreute Prachtband. Bourgueil, der Franzose, der in Düsseldorf-Kaiserswerth das hoch renommierte Restaurant „Im Schiffchen“ betreibt und im Erdgeschoß das Bistro „Jean Claude“, huldigt der deutschen Küche – freilich auf seine Weise mit individuell interpretierten Rezepturen. So verleiht er Klassikern wie Sauerbraten oder Labskaus einen neuen Auftritt. Die attraktiven Rezepte werden fotografisch meisterlich von Thomas Ruhl in Szene gesetzt. Lesenwert sind zudem die warenkundlichen und kulturhistorischen Einsprengseln. Insgesamt ist „Typisch deutsch“ ein ebenso schönes wie informatives Buch, so dass man die diversen PR-Schlenker lächelnd hinnimmt.

Schlicht „Deutsche Küche“ heißt das Teubner-Buch ( 608 Seiten, 99,90 Euro) – eine mit allem Respekt vier Kilo schwere Scharte. Aber was für eine! Teubner steht ja für hochwertige Küchenliteratur. Mit diesem Buch liegt eine längst fällige Bestandsaufnahme der neuen deutschen Küche vor: ein Werk mit 230 Rezepten nebst Varianten und 500 prächtigen Fotos, an dem 41 deutsche Spitzenköche à la Bobby Bräuer, Thomas Bühner, Bernhard Diers, Karl Ederer, Martin Fauster, Christian Jürgens, Jörg Müller, Tim Raue, Jörg Sackmann, Hans-Paul Steiner, Hans Stefan Steinheuer und Rolf Straubinger mitgewirkt haben. Ergänzt wird das Buch um warenkundliche Anmerkungen (wie Wurstküche, Kraut, Hochzeitssuppe, Schinken, Spargel, Bauernbrot, Bier), regionalgastronomische Porträts sowie zahlreiche Tipps zu den Rezepten. Laut Verlag versteht sich das Buch „als Einladung, die grandiose Fülle der deutschen Kulinarik immer wieder neu zu entdecken“. Das ist kein wohlfeiler Werbespruch, sondern trifft präzise den Wert dieses Buchs als neuem Klassiker der Deutschen Küche.

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