Horst Johanning im Interview

Was steht in Ihrem Reisepaß als Beruf?
Horst Johanning: Steht da der Beruf? Ich glaube, nein. Wäre die entsprechende Zeile lang genug, hätte ich geschrieben: „Menschenschicksalsgestalter“. Das umreißt ungefähr das, was ich tue oder getan habe, als Schauspieler, Regisseur, Theaterleiter und Übersetzer.

Johanning HorstIhr Geburtsort?
H.J.: Herzberg im Harz.

Ihre Lieblingsfarbe?
H.J.: Tagsüber rot, abends blau.

Ihre Lieblingsblume?
H.J.: Rose, Sorte Matisse.

Ihr Lieblingstier?
H.J.: Das kleine Gespenst von Otfried Preußler.

Ihre Leibspeise?
H.J.: Am letzten Montag Flußwels in Aalsauce und süß-sauren Radieschen, aber eigentlich knuspriges Bauernbrot mit gesalzener Butter.

Ihr Lieblingsgetränk?
H.J.: Alles außer Bier.

Welchen Geschmack verbinden Sie mit Ihrer Kindheit?
H.J.: Milchreis.

Welche Musik hören Sie gerne?
H.J.: Chopin, Lachenmann, Rihm und…und…

Was befindet sich auf Ihrem Frühstückstisch?
H.J.: Kommt drauf an, wie groß der ist.

Was haben Sie immer im Kühlschrank?
H.J.: Orangenmarmelade, Kürbiskernöl, Topfen.

Was liegt auf Ihrem Nachttisch?
H.J.: Zettel und Bleistift.

Welche Bücher lesen Sie zur Zeit?
H.J.: Joachim Meyerhoff: „Wann wird es endlich wieder so, wie es nie war“ und einen Reiseführer über Marseille, weil ich nächste Woche da hin fahre.

Welche drei Dinge würden Sie auf eine einsame Insel mitnehmen?
H.J.: Solarbatterie, Espressomaschine, Schweizer Offiziersmesser.

Welcher Versuchung können Sie nicht oder nur schwer widerstehen?
H.J.: Keiner (nach Oscar Wilde).

Was sammeln Sie?
H.J.: Als Junge Zuckertütchen, später Zuckerpüppchen, heute Zuckerpillen.

Welcher Beruf (außer dem eigenen) wäre für Sie interessant und weshalb?
H.J.: Architekt, wegen der Aufgabe, einen Gedanken begehbar zu machen.

An welchen Stücken arbeiten Sie aktuell und mit welchen Schauspielern?
H.J.: In jeder Beziehung mit Jochen Busse in der Hauptrolle an der Komödie Stuttgart. Der Kurschattenmann mit Volker Brandt, Ingrid Steeger u. Simone Rethel an der Komödie Frankfurt. Dies auch im Herbst in Düsseldorf, danach Hamburg u. München.

Welche Stücke sind in der Planung?
H.J.: Zwiebeln und Butterplätzchen, u.a. mit Hans-Jürgen Bäumler in Bonn. Ein Ritter zum Verlieben mit Heidi Mahler u.a. auf Tournee, dann Braunschweig und Hannover.

Wo fallen Ihnen die besten Ideen für die Inszenierung eines Stückes ein?
H.J.: Bei den Proben mit den Schauspielern und beim Übersetzen, da ich dann durch die Konzentration auf die sprachliche Struktur sehr viel über die Figuren herausfinde.
Manchmal aber auch beim Musikhören oder dösen.

Fühlen, denken Sie bei der Regieführung auch als Schauspieler?
H.J.: Ich fühle mit den Schauspielern, denke jedoch als Regisseur.

Wie halten Sie’s mit der Werktreue?
H.J.: Da bin ich ziemlich konservativ. Außer mit Kürzungen bin ich nicht sehr „dekonstruktivistisch“. Wenn mir etwas nicht gefällt, dann mache ich lieber ein anderes Stück.

Was ist Ihnen im Theater und speziell beim Boulevard wichtiger: das Was oder das Wie?
H.J.: Das eine ist ja ohne das andere nicht möglich. Allerdings sind die Stories bei den Komödien oft schnell durchschaubar, da ist das Wie dann das Salz in der Suppe, so als wenn Daniel Achilles im Reinstoff in Berlin aus ein paar Tomaten ein fantastisches Gericht zaubert.

Was ärgert Sie bei Schauspielern?
H.J.: Schauspieler sind Kinder, wie es schon Max Reinhardt beschrieben hat. Sie können störrisch sein, jähzornig, eitel, dann wieder schauen sie dich mit ihren großen Augen an, lachen und verzaubern die Zuschauer.

Was ärgert Sie bei Theaterbesuchern?
H.J.: Eingeschaltete Handys, manchmal telefonieren einige sogar während der Vorstellung oder unterhalten sich wie beim Fernsehen, kauen Kaugummi oder essen.

Was ärgert Sie an Kritikern?
H.J.: Nicht eine schlechte Kritik oder ein Verriss. Aber offensichtlich magenkranke Exemplare, deren Fabuliersucht nicht aus Liebe zum Theater zu kommen scheint, sondern dazu dienen soll, die Wichtigkeit der eigenen Person dem Chefredakteur gegenüber zu behaupten. Und die Nacherzähler, die den Inhalt aus dem Programmheft abschreiben, aber die Stimmung des Abends oder die Reaktionen des Publikums schlicht unterschlagen.

Sie haben eine enorme Schaffenskraft – was treibt Sie an: Geld, Herausforderung, Flucht vor alltäglichem Einerlei?
H.J.: Ich muß von meiner Arbeit leben und außer mir noch einige. Da ich nichts geerbt habe, versuche ich es eben damit. Aber das Wichtigste ist, es macht Spaß und ist unendlich spannend.

Wie definieren Sie Unterhaltung?
H.J.: Als Gegensatz zur Langeweile.

Ihr Lebensmotto?
H.J.: Bangemachen gilt nicht! (Es werden zu viele Zitate, sonst stünde hier von HC Artmann: raus aus den federn, die sonne bläst flügelhorn).

Womit kann man Sie verführen?
H.J.: Mit den Geigen der Wiener Philharmoniker.

Gibt es einen Traum, den Sie sich noch erfüllen möchten?
H.J.: Route 66 mit Motorrad.

Mit wem würden Sie gerne einmal zu Abend essen?
H.J.: Mit Max Reinhardt.

Wofür würden Sie Ihr Geld ausgeben?
H.J.: Das Herz der Frauen zu ergründen.

Drei Worte zu Genuß?
H.J.: „Nie mehr ohne“ oder „Wein, Weib, Gesang“.

Was ist Ihr größter Luxus?
H.J.: Den Tagesablauf selbst gestalten zu dürfen.

Sie haben drei Wünsche frei, wie lauten die?
H.J.: Mit Jean-Jacques Rousseau gesagt: Glück besteht aus einem soliden Bankkonto, einer guten Köchin und einer tadellosen Verdauung.

Journal bekommen!

Wort der Woche

„Der Wein macht den Maulwurf zum Adler“

Nadar

Dieses ebenso skurille wie poetisch erhöhte Bild hat Charles-Pierre Baudelaire (1821-1867) entworfen, der geniale französische Lyriker, Schriftsteller, Essayist, Dandy, Wagnerianer und Weinkenner, der vor allem mit seiner „Die Blumen...

weiterlesen

Gericht der Woche

Semmelknödel
(ein Basisrezept für zwölf Knödel)

Zutaten:

  • 12 altbackene Semmeln („Knödelbrot“),
  • 20 cl Milch,
  • 2...

    weiterlesen

Wein der Woche

1996 Gevrey-Chambertin Clos St. Jacques 1er Cru, Armand Rousseau, Burgund

Dunkelrubin fließt der Wein mit seidigem Glanz ins Glas und entfaltet im Nu sein betörendes, vielschichtig ziseliertes Bukett mit...

weiterlesen