Interview mit Armin und Caroline Diel zu edelsüßen Weinen

Schloßgut Diel, Burg Layen, www.diel.eu

Man erzählt im 21. Jahrhundert des Computers und der Reise zum Mars keine Märchen, aber wenn sich eine Geschichte wie ein Märchen anhört, dann darf sie auch so beginnen. Also: Es war einmal ein junger Mann, der studierte ein bißchen Jura in Münster, hatte jedoch neben einer Vorliebe für alles Schöne wie seine Frau Monika, kurz Mo genannt, die Vision von großen Weinen. Und siehe da, Armin Diel hat diesen kühnen Traum verwirklicht. Das war kein Spaziergang. Wohl besteht zwischen der Burg Layen und Diel eine über 200jährige Tradition, doch gab es 1987 beim Einstieg des 1953 geborenen Juniors, der nicht minder selbstbewußt gepolt war wie der Vater, einige Reibungen mit Funkenschlägen sowie das Problem, die Weinberge von den zahlreichen Neuzüchtungen zu reinigen und mit Edelreben à la Riesling sowie weißen und roten Burgundern teilweise neu zu beginnen.

Edelsuesse Caroline und Armin Diel auf der BurgInzwischen, nach 25 Jahren Winzerei und Journalimus, hat Diel die Gutsführung an seine ambitiöse und nicht minder selbstbewußte Tochter Caroline übertragen. Der Alte ist weise geworden, hört man’s flüstern. Naja, weniger herrisch ist sein Auftreten, doch ebenso gewiß bleibt das Engagement als Schloßherr. Nach wie vor ist es ein Vergnügen, ihm zuzuhören, wie er über seine Rieslinge spricht. Seine bei Alltagsthemen nicht gerade leise Stimme bekommt dann ein geradezu schmeichelndes, ja verführerisches Timbre, wenn er die Lagen beschreibt, das Goldloch und das Pittermännchen, wenn er über den Sekt spricht, eine Hommage an „Mo“. Nun könnte man meinen, Diel spielt glänzend Theater, sozusagen ein Marketing-Solo aus der Hand, aber das stimmt nicht. Der Mann liebt seine Weine - freilich auch die roten Granden aus Burgund und dem Bordelais.

Es gibt die These, daß die Weine so sind wie der Winzer. Da ist was dran. Die Geburt jedes Weins findet zwar im Weinberg statt, die Rebe und der Boden, in dem sie wurzelt, haben neben den mikroklimatischen Verhältnissen des Jahrgangs sowie dem Zeitpunkt der Ernte erheblichen Einfluß auf den Charakter. Aber den Stil bestimmt dann der Mensch im Keller. Es muß nicht langmächtig belegt werden, daß die Diel’schen Weine vor ungefähr zehn Jahren qualitativ bemerkenswert an Kraft und Nachhaltigkeit gewonnen haben. Nach einem Gespräch mit Caroline Diel und ersten Verkostungen läßt sich vermutet, daß die Weine künftig an Finesse und ziselierter Eleganz noch zulegen werden. Armin Diel hört es mit Wohlwollen.

Welchen Stellenwert haben edelsüße Weine in der Trinkkultur?
Bedauerlicherweise sind edelsüße Weine hierzulande in den letzten Jahren etwas aus der Mode gekommen. Im Fokus stehen in erster Linie trockene Weine, die vermeintlich besser zu modernen Speisen passen. Hierbei wird leider oft verkannt, dass insbesondere fein gereifte Rieslingweine mit balancierter Restsüße und feiner Säure nach 15 bis 20 Jahren fantastische Speisenbegleiter sein können und edelsüße Rieslinge ganz allgemein zu den alterungsfähigsten Weißweinen überhaupt zählen.

Wann ist in Ihrem Haus der erste edelsüße Wein gefüllt worden?
Unseres Wissens im Jahr 1921, es war eine Pittermännchen Riesling Auslese.

Was ist der älteste Edelsüße in Ihrem Keller?
Der oben erwähnte Wein.

Wie beschreiben Sie diese Kreszenz?
Da es sich um ein Einzelstück handelt, warten wir auf die Gelegenheit, dieses Unikat zu öffnen. Vielleicht zum 222. Jubiläum im Jahr 2024, oder zum 250 im Jahr 2052, dann aber gewiss ohne Armin, der dann 99 Jahre alt wäre….

Wie beschreiben Sie kurz und bildlich die Eigenschaften eines idealen edelsüßen Weins?
Die vollmundige Edelsüße ist von einer reintönigen Botrytis geprägt und wird von einer feinrassigen Säure konterkariert.

Was sind die besonderen Talente eines Rieslings für die edelsüße Qualität?
Siehe vorherige Antwort. Im Unterschied zu mancher Provenienz benötigt der Riesling keinen hohen Alkoholgehalt und keine Eichenholzprägung, um seine außerordentliche Komplexität und Finesse zum Ausdruck zu bringen.

Was unterscheidet, grob gebündelt, eine Trockenbeerenauslese an der Nahe von einer im Rheingau und von einer an der Mosel?
So sehr Nahe-Rieslinge in der Vorstellungswelt manches Zeitgenossen immer noch etwas vage erscheinen mögen, vereint die Nahe sowohl die Filigranität der Mosel, die Eleganz des Rheingaus und die Fülle der Pfalz. Nahe-Rieslinge der Extraklasse bilden gewissermaßen die Synthese aus den Talenten ihrer Nachbarn, sie haben in ihren besten Exemplaren keinen Vergleich zu fürchten.

Was war bislang Ihr eindruckvollstes Erlebnis mit einem edelsüßen Wein?
Einige edelsüße Rieslinge des Ausnahmejahrgangs 1893.

Wie beschreiben Sie Duft, Geschmack und Zustand dieses Weins?
Zeitlose Frische und faszinierende Eleganz!

Was ist für Sie die ideale Zeit für den Genuss eines edelsüßen Weins und warum?
Die meisten edelsüßen Rieslinge entfalten ihr volles aromatisches und geschmackliches Potential erst nach etlichen Jahren der Reifung. Das kann mehrere Jahrzehnte der Geduld erfordern.

Zu welchen Speisen trinken Sie besonders gerne einen edelsüßen Wein und warum?
Wo bitte fängt edelsüß an: Falls filigrane Spät- und Auslesen auch dazu zählen, können wir uns vielfältige Paarungen fein gereifter Rieslinge mit verschiedensten Speisen vorstellen. Im Graf Matuschka’schen Sinne sind Beilage und Sauce oft für den Gesamteindruck eines Gerichts viel prägender als der Fisch oder das Fleisch. Im Übrigen begeistern uns die klassischen Kombinationen edelsüßer Rieslinge zu Terrine de Fois Gras, zu Blauschimmelkäse und zu feinfühlig darauf abgestimmten Desserts.


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