Die Zigarre – Stil mit Accessoires

Es klingt wie ein Märchen aus verflossener Epoche, was Guy de Rothschild im Alter von 78 Jahren sagte: „Ein Mann, der auf sich hält, braucht einen diskreten Schneider, einen erfahrenen Kellermeister und eine Geliebte, die zusätzlich zu diesen beiden Eigenschaften noch eine große Portion Esprit besitzt.“ Die Zeiten haben sich geändert.

Die Diskretion des Schneiders liegt hauptsächlich darin, dass er den Hosenbund erforderlichenfalls still einen Zentimeter weiter macht, so daß der Kunde peinlicher Erklärungen wie „Am Wochenende fröhlich gelebt, habe viel Luft im Bauch, Champagner, Sie verstehen“ enthoben ist. Und die Geliebte, diskret, erfahren geistreich? Solche göttlichen Wesen gibt es, selbstverständlich, nur nicht oder sehr selten als Geliebte, deren hohe Zeit das 19. Jahrhundert bis hinein in die Apokalypse des Ersten Weltkriegs war. Ungebrochen hingegen ist die Kraft der Signale, die von klassischen Accessoires ausgeht. Schuhe, das Hemd, die Uhr, der Füllhalter, die Manschettenknöpfe verraten dem Kenner, ob einer Gefühl für Qualität hat, für Klasse.

Beim Zigarrenraucher lässt sich der Sinn für kultivierte Lebensart mit freiem Auge durch einen Blick auf das „Zubehör“, so der etwas lahm klingende deutsche Begriff für Accessoires, feststellen. Daß die Zigarre kein billiger Stumpen ist, versteht sich von selber. Klassische Raucheraccessoires aufzuzählen, ist eine Kleinigkeit: Taschenhumidor, Cutter, Feuerzeug. Schwieriger wird es bei der Frage, was denn Klassiker sind in einer Zeit, die so schnelllebig ist, dass die Mode von morgen heute bereits die von gestern ist. Das Feuzerzeug:Das „Zippo“, seit 1932 in Bradfort/Pennsylvania gebaut, ist unter den Feuerzeugen gewiß ein Klassiker, doch für die Zigarre, weil ein Benziner, unbrauchbar. Ein wahrer Klassiker ist das Dupont „Ligne 1“.

Es liegt angenehm schwer in der Hand, beschwert aber leider auch die Tasche von Jacke oder Weste, so dass man Verständnis haben kann, wenn einer Einwegfeuerzeuge vorzieht – freilich nicht gerade bei einem eleganten Dinner, doch auf Reisen oder beim Sport. Hinzu kommt, daß die Aussicht, ein verloren gegangenes Dupont wiederzubekommen, sehr gering ist.

Der Cutter:Ideal sind Cutter, jene hilfreichen Geräte zum Zurechtschneiden des Mundstücks, die mit einer kleinen Öse versehen sind, an der sie sich mittels einer schlanken Kette, jeweils passend aus Gold oder Silber, wie ein Ührchen am Westen- oder Hosenknopf festmachen lassen. Jeder Zigarrenraucher, dem schon teure Cutter abhanden gekommen sind, weiß, wie nützlich, wie schön, wie beruhigend eine solche Maßnahme ist. Der Taschenhumidor:Das Angebot von Geräten, deren Aufgabe es ist, die Zigarre auch unterwegs perfekt zu klimatisieren, also angemessen feucht zu halten, ist groß und reicht von praktisch einfach bis edel und sehr teuer. Auf Reisen erfüllen sogenannte Tubos - zylinderförmige Hüllen aus Plastik - auf simple, allerdings nicht gerade nobel zu nennende Weise den Zweck.

Sie schützen die Zigarre und halten sie tagelang ausreichend feucht. Ansonsten macht es Spaß, unter der Sammlung auszusuchen, ob man das Silberetui nimmt oder eines der alten, herrlichen, teils goldgefaßten Kroko-Etuis von Asprey oder Baylin vom Havana House in London. Ein bisschen Stolz darf sich ja wohl in die Freude über schöne Accessoires mischen. Zigarren lassen sich in schlichten Plastiktüten transportieren, mit einem scharfen Küchenmesser abschneiden, notfalls sogar à la John Wayne mit den Vorderzähnen.

Fürs Anzünden tut es auch ein Billigfeuerzeug. Aber über das rein Funktionale hinaus ist es auch und speziell bei Accessoires die Ästhetik, die aus der schieren Lebensprosa eine Lebenspoesie macht. Das zu inszenieren, stilvoll, heiter, nennt man Lebensart.

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