Schenken: Irritationen zwischen Mann & Frau

Wer schenkt, der beglückt, sagt der Philosoph. Das ist ein schöner Satz fürs Poesiealbum, aber wie so oft, wenn die Theoretiker sich auf den lichten Höhen ihrer Geisteswelt bewegen, sind sie dem Alltag weit entrückt. Der Praktiker weiß es deshalb auch besser: Schenken will gelernt sein, sagt er, und tatsächlich muss man keine Umfrageaktion starten, um zu erfahren, dass in dieser Disziplin speziell zwischen den Geschlechtern erhebliche Unsicherheit besteht, gipfelnd in der hundertsten Krawatte und dem falschen Parfum.

Schenken ist also eine komplexe Angelegenheit. Vor allem der Mann tut sich schwer. Alles hat er schon mitgemacht, vom Wohlstandsschenken der sechziger Jahre über das soziopolitische Geschenk der Siebziger in Form von Patenschaften für Kinder der Dritten Welt oder Jute-Erzeugnisse aus Indien und die Luxusmanie des Yuppie-Jahrzehnts der Achtziger inklusive Edelfresswelle, pinkfarbenem Surfbrett und luftigem Geländewagen bis hin zur neuen Kuscheligkeit der neunziger Jahre - authentisch statt exotisch - mit romantisch verklärten Präsenten à la Bauerntruhen, Jugendstilschmuck, englischen Picknickkoffern und alten Rotweinen.

Er, der Mann, ist auf einfache Weise zu beglücken. Eine Zigarre mit dem verheißungsvollen Titel Monte Christo „A“, ein Feuerzeug von Dupont, ein alter Malt-Whisky von Bowmore direkt aus dem Fass, aus der Champagne der prächtige „Cristal“ 1996 von Roederer oder der grandiose 1997er Grüner Veltliner Schütt Smaragd von Emmerich Knoll aus der Wachau, das handgeschmiedete Jägerbeil Nr. 1 von Gränsfors, ein Boule-Spiel, der Bugatti 57 „Atalante“, der „Runabout“ Packard aus dem Jahr 1926 oder der später als „Wassily“ berühmt gewordene Clubstuhl „B 3“ von Marcel Breuer, entworfen 1925, sind Aufmerksamkeiten, die im Antlitz jedes Mannes freudiges Staunen auslösen.

Männer bleiben nämlich ihr Leben lang auch Buben, egal, ob sie früher die Wildnis rodeten und Beute nach Hause brachten, oder heute die Atome spalten, die Chips tanzen lassen und dem Euro nachjagen. Es gibt keine Frau, die Indianer spielt oder mit der Eisenbahn, die Schmetterlinge sammelt, Autos oder sonstiges Spielzeug. Das Spielerische ist nicht die Natur der Frau, die dafür in der Liebe und in der Rache radikaler ist als jeder Mann. Frauen sind für den Mann ein geliebtes, doch unverständliches Wesen, genauso wie Rosen. Beides sind Naturwunder, die man nicht ganz begreift. Darin liegt auch das Problem des Schenkens.

Dass Männer erst fünf Minuten vor Weihnachten auf die Suche gehen, liegt nicht, wie fälschlich angenommen, an einem Mangel an Sensibilität oder Phantasie. Ganz im Gegenteil. Der Mann quält sich das ganze Jahr über gedanklich mit der Frage, womit er der Liebsten eine Freude machen kann. Er dilettiert sogar als Dichter und Maler, weil sie einmal gesagt hat, etwas Persönliches wiege mehr als drei Karat - bis er merkte, dass dies nur kokett hingesagt war, letztlich doch der Brillant über den vom Wildbach vollendet glatt geschliffenen Kieselstein triumphiert. Die Folge solchen geschlechtsnotorischen Fehlschlusses ist, dass der verunsicherte Mann erneut den Kosmos der Warenwelt studiert und, das Innerste der Frau diesmal vielleicht doch verstehend, wieder mal bei Seidentüchern, Unterwäsche, Schmuck sowie Kosmetika landet. Und er beruhigt sich mit einem Satz des Poeten, der zur Sache sagt: „Schenken ist eine friedliche Kunst.“

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