2. Auftritt: Rund um Como: Fisch am See, deftige Kost am Berg

Fischliebhabern bietet der Comer See so manche Spezialität. Als Vorspeise werden in den meisten Lokalen in Seenähe unter anderem Missoltini angeboten. Hierbei handelt es sich um Agoni (Finten), die nach dem Fang eingesalzen, in der Sonne getrocknet und schließlich in Holzfässer (missolte) gepresst werden, wo sie mehrere Monate fermentieren. Vor der Zubereitung auf dem Grill werden sie mit Essigwasser gereinigt. Wer kein Problem mit dem intensiv fischig-salzigen Geschmack hat, sollte diese Besonderheit unbedingt einmal probieren.

Bernie lavarelloDer Lavarello (Felche) wird als Hauptgericht entweder im Ganzen in Butter und Salbei gebraten oder „spinato“ (entgrätet, ausgenommen und aufgeklappt) gegrillt. Sehr empfehlenswert sind auch die goldbraun gebratenen Filets vom Pesce Persico (Barsch), die oft mit Risotto serviert werden. Einige Ristoranti, in denen man all diese Köstlichkeiten und noch mehr bekommt, heißen nach den alten Dampfschiffen schlicht „Vapore“, so zum Beispiel in Torno und Faggeto Lario. Aber auch in Como (La Tana Dei Pescatori, Via Volta 41) oder Bellagio, Ortsteil Loppia, (Silvio, Via Carcano 12) werden die typischen Fischgerichte des Sees hervorragend zubereitet.

Die besondere Lage des Comer Sees lädt vielerorts auch zum Bergwandern ein. In den urigen Bergdörfern wie Piazzaga und Molina, die in etwa einer Stunde zu Fuß von Torno aus zu erreichen sind, erwarten Sie gemütliche Osterie und Trattorie, die hier oft „Crotti“ genannt werden. Auf der gegenüberliegenden Westseite des Sees ist die Berghütte „Rifugio Bugone“ oberhalb von Moltrasio für ihre gute Küche bekannt. Während des Aufstiegs hat man immer wieder herrliche Ausblicke auf den See und bekommt Appetit auf die deftigen Genüsse. Wer nicht so gut zu Fuß ist, nimmt in Como die „Funicolare“ (Standseilbahn) hinauf zum Brunate. Man sieht dort auf den See und die wunderschöne Altstadt von Como hinunter und erreicht in wenigen Schritten mehrere Lokale, von denen ich besonders die „Trattoria del Cacciatore“ empfehle.

Bernie FagottiniAn Vorspeisen erwarten Sie auf den Bergen neben Affettato Misto (gemischter Aufschnitt aus verschiedenem Speck und Salami) und Polenta mit Lardo (weißem Speck) sauer eingelegte Pilze und Paprika sowie frisches Brot. Pizzocheri muss man unbedingt einmal probiert haben: die dunklen Buchweizen-Bandnudeln kommen vermengt mit Kartoffeln, Gemüse und Bergkäse auf den Tisch. Auch sehr gut sind Fagottini (gefüllte Teigbündel) mit Steinpilzen. Als Hauptgericht ist Cinghiale (Wildschwein) oder Stinco di maiale (Schweinshaxe aus dem Ofen), jeweils begleitet von Polenta in verschiedenen Variationen, zu empfehlen. Dazu passt ein Viertel vom Hauswein, der in dieser Gegend oft aus dem Valtellina oder dem Piemont kommt.

Salute und buon Appetito
wünscht Ihr Bernhard Ullrich!

Bernie am_Comer_SeeBernhard Ullrich
Motto: Ernst ist die Kunst, heiter das Leben

Der hochgewachsene Mann mit den offenen, herzliches Interesse ausstrahlenden Augen ist ein Connaisseur im besten Sinne, ein Kenner und Liebhaber alles Schönen zwischen Musik, Natur, Wein und Küche. Wenn er Klarinette spielt, meint man, Benny Goodman zu hören. Bernhard Ullrich swingte mit Hugo Strasser und Max Greger, er tritt im Münchner Staatstheater am Gärtnerplatz auf, spielt bei den Münchner Symphonikern und mit eigenen, vorzugsweise dem Jazz gewidmeten Formationen wie dem von ihm geleiteten „Wine & Roses Swing Orchestra“. Ullrich ist als Musiker auch Arrangeur und Komponist, darüber hinaus ein begnadeter Weinverkoster. Wie schön, daß er für die Feinschmeckerey künftig als kulinarischer Kolumnist unterwegs sein wird. (www.bernie-music.de)

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