4. Auftritt: Friulanische Impresssionen

In der italienischen Region Friaul, mit ganzem Namen „Friaul - Julisch Venetien“ (Friuli Venezia Giulia), zu finden im Nordosten des Stiefels, begann meine Leidenschaft für Wein, Essen, Land und Leute Italiens, und ich halte ihr bis heute die Treue, auch wenn sich meine Interessen mittlerweile längst auf weitere italienische Regionen ausgedehnt haben. 

Bernie Markus_Fritsch_vor_ForellenDas Friaul bietet landschaftlich und kulinarisch viel Abwechslung, erstreckt es sich doch von den karnischen und julischen Alpen über die sanften Hügellandschaften der Weinbaugebiete Colli Orientali del Friuli und Collio sowie Grave und Isonzo, die sich in der Ebene befinden, bis nach Grado und Triest an der Adria. Von deftiger Bergküche mit Speck, Polenta, Wildbret, Pilzen und Montasio Käse bis hin zu feinsten Meeresfrüchten wie Granseola (Meerspinne) und Canoce (Heuschreckenkrebse) findet der Genießer somit alles, was sein Herz begehrt.

Hervorragend passen dazu die friulanischen Weine, etwa die autochthonen weißen Rebsorten Ribolla Gialla mit der ihr eigenen frischen Säure oder der mineralische Tocai Friulano, der wegen einer Namens-Auseinandersetzung mit der ungarischen Stadt Tocaj seit 2008 nur noch Friulano genannt werden darf. Dazu kommen einzigartige kräftige Rotweine wie Refosco, Pignolo oder Schiopettino sowie süße, bisweilen auch edelsüße Kreszenzen, und zwar die beiden einzigen DOCG Weine des Friaul, Ramandolo und Piccolit (Colli Orientali del Friuli).

Schon viele kulinarische Reisen führten mich ins Friaul, und von der letzten an Pfingsten 2013 möchte ich heute berichten:

Bernie Kalbskotelett_FriaulMit meinem Freund und Kollegen, dem Bassisten und Arrangeur Markus Fritsch, bekannt unter anderem durch seine langjährige Mitwirkung in der Ambros Seelos Band, machte ich mich am Pfingstsamstag frühmorgens auf den Weg. Nach gut vier Stunden Autofahrt ab München verließen wir bei Gemona die Autostrada und erreichten über Tarcento unser erstes Etappenziel: Ramandolo.

Das Örtchen mit dem berühmten Süßwein liegt im Norden der Colli Orientali del Friuli am Ortsrand der Gemeinde Nimis. Von Giovanni Dri höchstpersönlich ließen wir uns die ersten Proben einschenken, plauderten ein wenig über seine Weine und kauften natürlich auch schon die ersten Flaschen ein! Die Verduzzo Traube wird hier meist süß zum Ramandolo ausgebaut und erreicht bei Giovanni Dri ausgezeichnete Qualität, ganz besonders, wenn die Lese erst im Dezember stattfindet (Uve Dicembrine).

Beschwingt ging es weiter zum Mittagessen nach Nimis. Auf der Terrasse der „Trattoria alla Trota del Cornappo“ ließen wir uns Forellen in verschiedenen Variationen schmecken: als Vorspeise geräuchert, unterschiedlich eingelegt, vom Grill, mit Kräutern und und und....
Frischer als hier kann man den Fisch wohl nicht bekommen, man sieht vom Tisch aus die Staubecken des Gebirgsbaches Cornappo, in dem sich die Forellen bis zur letzten Sekunde wohl fühlen. Dazu ein Glas kühlen, würzigen Friulano, wunderbar!

Bernie Ramandolo_DriZum „caffè“ fuhren wir weiter durch die „östlichen Hügel“ in die sehenswerte alte Stadt Cividale, das einstige römische Zentrum des Friaul. Friuli kommt von Forum Julii, also Markt des Julius. So hatte Julius Cäsar diese von ihm gegründete Stadt 50 v. Christus genannt. Spätestens wenn man dort auf der autofreien Piazza in der Frühlingssonne seinen Espresso nimmt, dazu vielleicht ein Stückchen Gubana (eine Art getränkter Nußzopf) probiert, ist man vom deutschen Tempo entschleunigt.

Nur wenige Kilometer weiter südöstlich, schon sehr nahe der slowenischen Grenze, lag unser nächstes Ziel: das Weingut der Familie Zorzettig in Spessa, Via Strada S. Anna 37. Die ausgezeichnete Qualität und das Preis-Leistungsverhältnis lassen mich trotz etlicher Versuche bei der zahlreichen Konkurrenz immer wieder hierher kommen! Man wird beinahe als alter Freund begrüßt, zur obligatorischen Weinprobe gibt es stets etwas Salami und Käse.
Zorzettig bietet die volle Palette der friulanischen Rebsorten, meist kräftig im jeweils typischen Geschmack. Die Entscheidung fällt nicht leicht, der Kofferraum hat schließlich nur ein begrenztes Volumen!

Nach einer kurzen, landschaftlich wunderschönen, Fahrt erreichten wir am frühen Abend unser Nachtquartier, den von „Osterie d‘Italia“ zu Recht empfohlenen Gutshof „Borgo Colmello“ in Farra d‘Isonzo. Nach einer kleinen Siesta widmeten wir uns ausgeruht dem Abendessen. Gegrilltes Kalbskotelett mit überbackenem Spargel aus der Gegend wurde begleitet vom Sauvignon des auch in Deutschland bekannten Winzers Silvio Jermann, direkt aus Farra d‘Isonzo!

Fast überall im Friaul gibt es den berühmten luftgetrockneten Prosciutto Crudo di San Daniele. Am besten schmeckt er in der gleichnamigen Stadt, etwa 25 km nordwestlich von Udine, hauchdünn frisch aufgeschnitten und um Grissini gewickelt.

Übrigens lohnt sich eine Fahrt ins schöne Friaul auch in der naßkalten Jahreszeit: rund um den Fogolar, den offenen Kamin in der Mitte des Speiseraumes, kann man es sich in den meisten friulanischen Osterie und Trattorie bei einem Glas Pignolo sehr gemütlich machen!

Salute und Buon appetito wünscht
Ihr Bernhard Ullrich

Bernie FriaulBernhard Ullrich
Motto: Ernst ist die Kunst, heiter das Leben

Der hochgewachsene Mann mit den offenen, herzliches Interesse ausstrahlenden Augen ist ein Connaisseur im besten Sinne, ein Kenner und Liebhaber alles Schönen zwischen Musik, Natur, Wein und Küche. Wenn er Klarinette spielt, meint man, Benny Goodman zu hören. Bernhard Ullrich swingte mit Hugo Strasser und Max Greger, er tritt im Münchner Staatstheater am Gärtnerplatz auf, spielt bei den Münchner Symphonikern und mit eigenen, vorzugsweise dem Jazz gewidmeten Formationen wie dem von ihm geleiteten „Wine & Roses Swing Orchestra“. Ullrich ist als Musiker auch Arrangeur und Komponist, darüber hinaus ein begnadeter Weinverkoster. Wie schön, daß er für die Feinschmeckerey künftig als kulinarischer Kolumnist unterwegs sein wird. (www.bernie-music.de)

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