Gastkolumne: Dr. Stefania Canali

Dr. Stefania Canali – eine Hommage an den Önologen von Nittardi

Um Frau Dr. Stefania Canali weht ein Air an Anmut und Stil. Die gebürtige Venezianerin und promovierte Kunsthistorikerin, verheiratet mit Dr. Peter Femfert, dem Weltmann und Galeristen in Frankfurt, mit dem zusammen sie die wunderschön im Herzen des Chianti gelegene „Fattoria Nittardi“ besitzt und mit Leben erfüllt, hat Charme, ein Charisma wie von Gottes Gnaden und dazu Esprit, wovon ihr Feuilleton zum 60. Geburtstag von Carlo Ferrini, dem Önologen von Nittardi, kündet
(www.nittardi.com sowie www.stefania-canali.de):

Zum Glück gab es Eva!

Sie war der erste Mensch der rebellierte. Dem Diktat der absoluten Perfektion, der blinden Gehorsamkeit, der verträumten Bequemlichkeit des Garten Edens trotzend, hat sie uns in die nackte Erde katapultiert. Das Alphabet des Lebens galt es wieder neu zu erlernen.
Ihr haben wir die Unvollkommenheit zu verdanken und die Sehnsucht, diese zu überwinden, das Bewusstsein der eigenen Verantwortung, das Wunder der Geburt. Viele sind die Menschen, die seitdem zu der Erde flüstern, leise säen und wässern sie den Grund, bis aus ihm das Leben sprießt.

Canali Stefania_mit_Oenologen_Carlo_Ferrini

Oftmals sind es diese Kinder der Eva, unscheinbare Gestalten und Querdenker, wie der Botaniker Heino Heine (1922–1996), einer der brillantesten des letzten Jahrhunderts. Von Mannheim über München, London und Paris verbrachte er sein Leben damit, die Bäume zu studieren. Der promovierte Mediziner und Botaniker sprach Latein, Griechisch, Hebräisch,
bereiste das subsaharische Afrika, Neu-Kaledonien, die Andamanen-Insel, Südindien. Er entdeckte, katalogisierte, beriet: Seine Stimme war zaghaft, sein Urteil unanfechtbar.
Die Experten der renommierten Launceston Gardens in Tasmanien, der Kirstenboschs in Südafrika oder die kleinen Dorfgärtner: sie alle suchten seine nahezu enzyklopädische Allwissenheit und erhielten Rat.

Ganz anders die Lebenseinstellung von Nicolas Fouquet (1615-1680), Schatzmeister des Sonnenkönigs. Er liebte die Opulenz und setzte sie gerne zur Schau. Für den Garten seines Schlosses Vaux-le-Vicomte in Maincy engagierte er den Gärtner André Le Nôtre, der später auch Versailles und Les Tuileries gestaltete. Weder Mühen noch Kosten wurden gescheut: Zur Belohnung erlangte der Schatzmeister große Bewunderung, sogar La Fontaine dichtete zu seinen Ehren. Aber wonach es ihm am innigsten gelüstete, war die Anerkennung des Regenten. Nach wiederholten Einladungen kam endlich der Tag des Besuchs seiner Hoheit Louis XIV, des Sonnenkönigs. Stilvoll promenierte die königliche Delegation durch Wiesen, die persischen Teppichen ähnelten. Grotten und Wasserspiele erfreuten die Besucher, die sich wenige Stunden später elegant verabschiedeten.

Kurz darauf verhaftete Graf d’Artagnan, vertrauter Musketier der königlichen Garde, überraschend den Schatzmeister. Der König hatte den Pomp seines Untergebenen nicht ertragen können, seine Gärten waren zu schön, schöner als seine eigenen. So wurde er der Untreue beschuldigt und schließlich wegen Korruption verurteilt. Sein Vermögen ist konfisziert worden, er starb in einem grauen Verlies in Pinerolo, Italien. Voltaire, auch er Zeuge der Geschichte, konstatierte philosophisch: Um sechs Uhr Abends war Fouquet der „König von Frankreich“, um zwei Uhr morgens ein „Nichts“.

Diese faszinierenden Charaktere aus der Geschichte hätte ich gerne kennengelernt, aber ich habe einiges wettmachen können durch die Freundschaft mit Carlo Ferrini, dem Weinmacher Nittardis, auch er ein Sohn Evas. Der kantige Florentiner begleitet mit seinem tiefen Wissen, seinen wegweisenden Ideen und einer charismatischen Persönlichkeit Nittardi seit inzwischen fast 30 Jahren. Ferrini gehört dieser seltenen Spezies von Menschen an, deren Arbeit nicht nur sie selbst beglückt, sondern auch alle, die das Glück haben, mit ihm zu arbeiten – seine Leidenschaft ist ansteckend. Die zahlreichen internationalen Preise – unter anderem die Auszeichnung der Zeitschrift „Wine Enthusiast“ zum besten Önologen der Welt – tangieren weder seine Bescheidenheit noch seine Denkweise, die oft im Gegensatz zu Markttendenzen verläuft. Er lässt sich nicht von Moden verführen, denn er selbst kann Moden einführen.
Seine Passion bleiben die Erde, die Weinberge in allen Jahreszeiten, und die Förderung von jungen Agronomen. Sein Motto „Nicht alles und nicht sofort“ verwirklicht er jeden Tag im Einklang mit unserer Vision.

Ich gratuliere Carlo Ferrini zu seinem 60. Geburtstag!

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