New York die Dschungelstadt

Man nennt New York die Dschungelstadt, das aus den Fugen geratene Sinnbild unserer westlichen Kultur. In dieser Stadt ist alles größer, kleiner, schöner, häßlicher, lauter, leiser, sanfter und wilder als anderswo. New York, das ist der Inbegriff von Armut und Reichtum, von Schmutz und Luxus. Aber das weißt du alles, denn du hast hundert Filme über New York gesehen und hundert Essays über die Stadt gelesen, in der du schon hundertmal warst. Über New York braucht dir keiner was zu erzählen, du weißt alles über diese Ladyhure.

Auch der Taxichauffeur ist ein guter alter Freund von dir. Du kennst ihn aus zahlreichen Filmen und Romanen. Deine Bitte, mit dir in die Bronx zu fahren, wimmelt er ab. „Forget it", sagt er. Einen Fuß am Gaspedal, eine Hand auf der Hupe, mit der anderen stopft er chinesisches Curryhuhn aus einer Styroporpackung zwischen seine tadellosen Zähne. „The Bronx", sagt dein Freund, da fährt er nicht hin, jeden Tag mindestens ein Mord. Er lacht. New York, das sei Manhattan.

Später geht dir zweierlei auf. Erstens, daß dein schwarzer Freund anstelle des Huhns genau so gut nur die Packung hätte essen können, und zweitens, daß er dich mit der Taxigebühr schamlos übers Ohr gehauen hat. Aber du weißt ja alles über New York, ganz abgesehen davon, daß du als Student nachts Taxi gefahren hast und die erste Lektion deiner Kollegen lautete: „Betrunkene und Neger zahlen das Doppelte."

Irgendwann wird eben auch der Täter zum Opfer.

August F. Winkler

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