Tee

Tee & Geist: Darjeeling 1st flush Namring, Flugtee 2017

Geschrieben von: August F. Winkler

Die Farbe glänzt zwischen Bernstein mit hellem Kastanienrot. Das Bukett ist herbwürzig angelegt, belebend mit Aromen von Blüten, etwas Heu und grünen Nüssen nebst einer sanften Zitrusnote sowie dem für gute First flushs charakteristischen Maiglöckchenduft. Geschmacklich erfreut der Tee durch seine frische Art mit der zartherben, leicht floral unterlegten Note. Der Tee bittert nicht. Sein besonderes Merkmal ist die Kombination aus Duftigkeit, Temperament und floralem Charme. Bemerkenswert sind zudem die schönen großen Blätter mit dem satten Grün.

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High-Tea wie bei der Queen - ein Kult ist wieder en vogue

Geschrieben von: August F. Winkler

I love coffee, I love tea,
I love the Java Jive and it loves me,
Coffee and tea an the java and me,
A cup, a cup, a cup, a cup, a cup (boy!)

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Earl Grey: ein Tee zwischen Prolet und Gentleman

Geschrieben von: August F. Winkler

Es ist Lust und Last, über den Tee namens Earl Grey zu schreiben. Last, weil schätzungsweise 99 Prozent aller öffentlich servierten Earl Greys grobe Lackl sind, nämlich Blend genannte Mischungen aus Billigtees, die im Schnellverfahren mit dem chemisch hergestellten Aroma der Bergamotte parfümiert werden. Solcherart fabrizierter Earl Grey duftet nicht, er riecht nur und schmeckt derb, nicht selten wie abgestandenes Waschwasser. Das ist die leider unvermeidliche Grausamkeit beim Thema Earl Grey, dieser grauen Eminenz unter den Tees. Lust löst hingegen ein nach seriöser Methode hergestellter Earl Grey aus, was heißt: hochwertige Sorten sind die Basis, angereichert mit dem Öl der echten Bergamotte (Citrus bergamia), deren einmaliges Aroma über geradezu herrische Intensität verfügt. Im Grunde gilt für einen Earl Grey das Saucenprinzip: je besser die Zutaten, desto feiner das Ergebnis. Leider wird dieser Güte-Maxime nur sehr selten gehuldigt; einer, der das tut, ist Rainer Schmidt von Hanse-Tee.

Über Güte verfügt ein Earl Grey, der beispielsweise aus folgenden Teesorten komponiert wird: feinblumiger Darjeeling, malziger Assam, zitrusartiger Ceylon plus ein bißchen Grüntee nebst einem Hauch rauchiger Lapsong Souchong und etwas weicher chinesischer Schwarztee namens Keemun. Das Ergebnis einer solchen Mischung ist ein Tee von nobler Qualität, vorausgesetzt natürlich, daß der Händler nicht in die Billigkiste gegriffen hat. Und selbstverständlich darf bei einem Auslese-Earl Grey das charakteristische zitrusartige Bergamotte-Aroma nicht aus dem Laboratorium stammen.

Bergamotte FruchtzeichnungBergamotte: Citrus Bergamina mit magischem Duft

Die Bergamotte ist eine der ältesten Citrusarten und zeichnet sich durch die stark aromatischen Öle in den Blättern, der dicken Schale und in der leicht bitteren Frucht aus. Die Pflanze blüht im Frühjahr, ihre Früchte werden aber erst spät im November bis März geerntet. Die runde Frucht hat ein Gewicht von 100 bis 200 Gramm und mehr und ist bei der Ernte zitronengelb. Ihr starker Duft macht sie zu einem wichtigen Bestandteil der Parfüm- und Lebensmittelindustrie. Eine etwas ausgefallenere Art der Verwendung findet die Bergamotte im Voodoo-Zauber, wo geglaubt wird, dass ihr Öl gegen das Böse und Gefahren schützt.

Die Herkunft der Bergamotte ist unklar: Es wird vermutet, dass sie entweder eine Kreuzung aus Zitrone und Pomeranze ist oder aus einer natürlichen Kreuzung anderer Elternteile hervorgegangen ist. Auch über die Herkunft des Namens gibt es zwei Theorien: Die eine besagt, dass Bergamotte vom türkischen `beg armudy`(begamodi), „Herrenbirne“ oder „Prinzenbirne“, abgeleitet wurde, die andere ist, dass die Bergamotte nach der italienischen Stadt Bergamo in der Lombardei benannt wurde, wo die Zitrusfrucht schon seit Urzeiten als beliebt in der Volksmedizin gilt.

Angeblich, so raunt man sich in der Teebranche zu, gibt es immer noch Händler, die ihren Earl Grey wie in vergangenen Zeiten mit etwas Leinöl anhübschen. Das färbt selbst überalterte und bräunlich oder fleckig gewordene Teeblätter pechschwarz, als habe man sie glänzend lackiert. Das einzig wahre Parfum für die Wandlung von Tee in Earl Grey ist der Duft und die Würze der Bergamotte. Aus den Schalen dieser birnenförmigen, goldgelben Zitrusfrucht wird der begehrte herbwürzige Extrakt gewonnen. Damit besprühter, also diskret marinierter Tee ist als Earl Grey ein beliebter Klassiker und zudem ein veritabler Partner bei Tisch zu würzigen Speisen wie auch jenen der asiatischen Küche.

Die Nachfahren des Charles Grey, Earl of Falladon (1764-1845), einem englischen Politiker, dem die Kreation angeblich von einem chinesischen Mandarin als ein bis dato geheim gehaltenes Rezept als Präsent zugeeignet worden ist, trinken ihren Earl Grey-Tee übrigens ohne die Zugabe von Zitrone, selten mit Milch, doch gerne mit etwas Kandis. Einer anderen Version zufolge ist der Tee durch Zufall entstanden: Auf dem Schiffstransport von China nach Europa lagerten neben Teeballen auch Fässer mit Bergamotte-Öl, von dem bei hohem Seegang einiges überschwabbend in den Tee floß und den parfümierte. Sir Grey soll das Malheur als köstlich eingestuft, den Tee vor der Vernichtung bewahrt und somit für einen neuen Typus gesorgt haben. Vom sechsten Earl heißt es übrigens, er nutze den Tee genußbringend in der Küche. Tatsächlich bereichert das intensiv herbwürzige und zugleich auf berückende Weise ebenso exotische wie finessige Aroma besonders gut Saucen zu Geflügel wie zu Meeresfischen. Delikat schmeckt ein aus Earl Grey zubereitetes Sorbet, würzige Klasse erhält ein Zimtkuchen mit einer Glasur aus Earl Grey-Tee.

Beim Einkauf schützt ein seriöser Händler vor Enttäuschungen. Es empfiehlt sich, nicht gleich große Mengen zu ordern, sondern kleinere Portionen unterschiedlicher Sorten. Die probiert man dann in Muße aus und entscheidet, welche nachgekauft werden. Für jeden Anlaß, für jede Stimmung lässt sich ein spezieller Tee aufbrühen. Es gibt Frühstückstees und Abendtees. Der eine paßt zu Sonnenstunden, ein anderer zu Kälte. Ein Earl Grey ist wie gemacht für die süße Melancholie kühler, auch regnerischer oder nebelverhangener Herbsttage. Die Kunst, für jede Stimmung den rechten Tee auszusuchen, ist ja das schöne Abenteuer, das man Teekultur nennt.

Earl Grey_2x

Drei Earl Grey-Tees der Extraklasse:

Earl Grey 1st flush Darjeeling Auslese: Goldgelb glänzt der Tee, aus der Tasse swingt mehr als er steigt ein feiner Duft, floral durchwoben und finessig. Der für einen First flush-Darjeeling typische Maiglöckchenduft ist leicht wahrnehmbar. Die Parfümierung durch das Bergamotte-Öl ist mit feiner Hand erfolgt, der Blütenduft wird nicht übertönt, gar erschlagen. Die Nase registriert auch ein subtiles Süßholzaroma. Die Bergamotte-Note ist am Gaumen präsenter als in der Nase. Der Tee ohne Bittertöne begeistert durch einen langen, angenehm cremig unterlegten Nachklang. Trotz seiner aromatischen Feinheit und schlanken Textur ist es ein Tee von starkem Charakter, kurzum: Ein Tee für den Eleganztrinker.
Kommentar von Rainer Schmidt, dem Teemeister: "Dieser Earl Grey ist dem einen oder anderen Kunden zu leicht aromatisiert, aber ich gebe auf den sehr feinen First Flush Darjeeling nur einen Hauch von Bergamotteöl. Sollte es ein Kunde jedoch wünschen, lege ich gerne ein paar Tropfen zu."
Der Preis: 100 g à Euro 15,60.

Earl Grey Black Tea: Der Tee schimmert in dunklem Kastanienbraun mit zart-rötlichem Einschlag. Das Bukett ist vielschichtig, dicht, ja kraftvoll, eine Komposition aus Malz und Rosen mit einer zarten Süße. Auch im gleichermaßen weichen wie fülligen Geschmack schwingt ein malziger Ton mit - Mitgift auch des Assam, der neben dem Ceylon Highgrown sowie einem Tee aus Südindien und dem feinen Keemun aus China für diesen Tee rezeptiert worden ist. Ein Tee für Körpertrinker, einer, um wach zu werden beziehungsweise es zu bleiben - und ein leckerer Partner zu hart gekochten Eiern.
Der Preis: 100 g à Euro 5,10.

Lady Grey: Goldgelb mit Rosa-Schimmer. Bereits der erste Nasenzug verheißt Genuß: klassisches, mit feiner Hand dosiertes Bergamotte-Aroma, würzig und zitrusartig mit apartem Hauch von Exotik. Sehr fein ist der Geschmack, ziseliert zwischen weich und üppig mit cremigen, leicht vanillig und karamellig eingefärbten Noten nebst einem erfrischenden Hauch von Zitrus. Besondere Merkmale sind die samtige Textur und die zarte Süße. Endlich die passende Lady zum traditionell männlichen Earl Grey. Die junge Dame, komponiert auf der Basis von grünem Sencha-Tee aus biologischem Anbau mit echtem Bergamotte-Aroma und geschmückt mit einigen getrockneten Zitronenzesten, ist geschmacklich subtil angelegt, sozusagen das Gegenstück zum üppigen Black Tea. Dieser ungewöhnliche Tee schmeckt jederzeit, ob in melancholisch durchwobenen Stunden oder bei Tisch zu kräftigen und würzigen Speisen, auch zu Hartkäse sowie asiatischen Gerichten - und als würzendes Aromat in der Küche.
Der Preis: 100 g à Euro 6,35.

Alle Earl Grey-Tees werden erst nach Bestellung frisch mit echtem Bergamotteöl parfümiert.

Bezugsquelle: Hanse Teehandel, Dorfstraße 41 D-24857 Stexwig, www.teeverkostungen.de
   

Sieben Frühlingstees aus China: wie Champagner ohne Alkohol

Geschrieben von: August F. Winkler

Es gleicht einem prächtigen Schauspiel, wenn Rainer Schmidt in Ausübung seines Berufes den Tee irgendwie mehr inhaliert als trinkt. Er ist Händler und Tea-taster in einer Person, und wenn er in seinem hanseatischen Kontor die Muster probiert, die ihm Agenten aus der Teewelt rund um den Globus zuschicken, klingt es wie eine rustikale Sinfonie vom Lande. Der gewaltige Schmatz, mit dem Schmidt jeden Schluck in sich hineinzieht, ist mit schlürfen noch gnädig beschrieben; eher hören sich die Sauggeräusche, mit denen der Tea-taster jeden Schluck Tee aufsaugt, daran kurz und herrisch, doch sichtlich konzentriert herumschmatzt und gleich wieder zielsicher in einen Kupferbehälter ausspuckt, nach einem Luft japsenden Ferrari an, der vom fünften auf den vierten Gang herunter geschaltet wird.

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Matcha: Köstlichkeit für aufgeweckte Schaumschläger

Geschrieben von: August F. Winkler

Jadegrün glänzt der Tee in der Schale aus weißem Porzellan, aus der im Nu ein Duft von sinnenbetörender Intensität strömt, kraftvoll und zugleich ziseliert. Es beginnt ganz sanft nach Kaiserschoten nebst ein wenig Wiesenblumen. Dann entwickelt sich ein Aroma wie geschälte weiße Mandeln, flankiert von etwas Wassermelone und Haselnuß nebst Orangenzesten, unterlegt von einer zartsüßen Spur à la Mürbteig mit einem Hauch, wirklich nur einem Hauch von Vanille. So reich und vielschichtig wie das Bukett ist der von cremiger, samtig-weicher Textur geprägte Geschmack mit Einsprengseln von nussigen Noten und einer raffinierten Kombination von Umami mit natürlicher Süße: samtig vom ersten bis zum letzten Schluck, kein bißchen bitternd.

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