Tee

Tee-Kostbarkeiten

Geschrieben von: August F. Winkler

Teatime mit zauberhaften Kunstwerken aus Teeblättern

Beim ersten Hinschauen denkt man sich vielleicht, ach wie hübsch – und das war dann schon die stärkste emotionale Aufwallung gegenüber einem Gebilde, das optisch reizvoll anzuschauen ist und erst in der Kanne oder Tasse, übergossen mit heißem Wasser, zum prächtigen Ereignis wird: erst fürs Auge, danach auch für die Sinne. Aber sobald sich diese kunstvoll aus filigranen Teeblättern geformten Werke in ihrer Anmut entfaltet haben, gibt es selbst für prosaisch veranlagte Temperamente keine Zurückhaltung mehr, sondern nur noch bewundernswertes Staunen über diese Tee-Kunstwerke, wahre Pretiosen.

Tausende zarte Chinesenhändchen formen aus extra langen und schönen Teeblättern solche Kunstwerke, die mit feinen Fäden zusammengenäht wurden. Sie tragen verheißungsvolle Namen, heißen Yun Mao Feng, Loving Butterfly Flower, Golden Pagoda, Mu-Dan, Jade Fortune oder so ähnlich – alles Namen wie aus einem chinesischen Buch der Märchen und Legenden. Die Titel gelten kleinen chinesischen Kostbarkeiten aus Tee in Form von Pagoden, Blüten, Hüten, Fächern, Pinseln, Muscheln mit Perlen und dergleichen. Die Jahresproduktion einzelner Teeblüten liegt oft nur bei 60 Kilogramm im Jahr.

Yu Lian steht beispielsweise für eine weiße Lotusblüte, hinter Hai Bei Tu Zhu verbirgt sich eine Kreation in Form einer Muschel mit zauberhaft eingebetteter Perle, symbolisiert durch kleine Pflaumenblüten. Diese Teegebilde werden als außergewöhnliche chinesische Spezialität aus grünem und weißem Tee hergestellt. Enthalten sie eine Jasminblüte, wird dem optischen Vergnügen auch noch ein aromatisches beigefügt. Eine neue Kreation nennt sich „Butterfly loving flower“; was so poetisch klingt, ist auch optisch ungemein reizvoll: im heißen Wasser gibt das Gebilde inseitig eine leuchtend rote Blüte preis, flankiert von einer weißen Jasminblüte. In der Regel sind die raren Tee-Juwelen zwei bis drei Mal zu verwenden.

Ihre besondere augenfällige Wirkung erzielen diese Kleinode naturgemäß in einer gläsernen Kanne, durch deren Transparenz man das wunderbare Schauspiel der Tee-Werdung beobachten kann. Aus einer an sich normalen Teestunde wird daraus ein kulturelles Erlebnis, vergleichbar dem Betrachten eines Gemäldes, ja mehr noch: das sich in Zeitlupe entwickelnde Teebild ist ein originärer Kunstprozeß. So ähnlich sich die Tee-Gebilde sind, so unterschiedlich sind sie letztlich doch in Ihren Details, denn jedes ist handgefertigt.

Über ihren optischen Wert hinaus sind die Tee-Kostbarkeiten ideal auf Reisen. Unterwegs, ob in einem öffentlichen Verkehrsmittel, in der Hotellerie oder bei Konferenzen, lässt sich keineswegs überall von einer blühenden Teekultur schwärmen. Hat man also eine Teeblüte bei sich, benötigt man nur mehr eine Tasse mit heißem Wasser, legt das Kunstwerk hinein und sieht – immer wieder aufs Neue erstaunt, überrascht und begeistert - zu, wie sich das Gebilde ebenso langsam wie verheißungsvoll entfaltet und aus Wasser feinen Tee macht. Das grenzt an das Wunder von Kana.
Solche Kostbarkeiten erhält man im gut sortierten Teehandel (die Preise variieren zwischen 30 Cent und 1,50 Euro pro Stück). Mehr Informationen und Empfehlungen zum großen Thema Tee gibt es für Einsteiger wie praktizierende Tee-Enthusiasten, die noch mehr über ihr Lieblingsgetränk wissen wollen, im Internet unter: www.teeverkostungen.de
 

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