Tee & Geist: Darjeeling 1st flush Namring, Flugtee 2017

Die Farbe glänzt zwischen Bernstein mit hellem Kastanienrot. Das Bukett ist herbwürzig angelegt, belebend mit Aromen von Blüten, etwas Heu und grünen Nüssen nebst einer sanften Zitrusnote sowie dem für gute First flushs charakteristischen Maiglöckchenduft. Geschmacklich erfreut der Tee durch seine frische Art mit der zartherben, leicht floral unterlegten Note. Der Tee bittert nicht. Sein besonderes Merkmal ist die Kombination aus Duftigkeit, Temperament und floralem Charme. Bemerkenswert sind zudem die schönen großen Blätter mit dem satten Grün.

Tee Namring_1Dieser echte First flush von der angesehenen Plantage Namring leuchtet am Morgen wie ein besonders schöner Sonnenaufgang, schmeckt auch als Partner zu kleinen Mahlzeiten mit Käse (besonders gut: Hartkäse wie alter Gouda, Emmentaler, Comté & Co), Schinken, Wurst, Sülze, Räucherlachs, Bauernomelette. Rainer Schmidt, Teataster und Händler feiner Tees, sagt dazu: “Der diesjährige First flush ist angenehm frisch und blumig und bittert kaum, sehr schön passend für den bedächtig einsetzenden Frühling – ein leichtes und frisches Getränk, heiß oder auch kalt getrunken, dezent aufmunternd.“
Preis & Bezug: 100 Gramm à Euro 14,50 (inkl. MwSt.). Hanse Teehandel, Dorfstraße 41, D-24857 Stexwig, www.teeverkostungen.de

Anmerkung:

Unter First flush sind die ersten Pflückungen der nach der Winterruhe frisch gewachsenen Blätter zu verstehen (als Second flush figurieren Tees der Sommerernte, wenn die Vegetationsperiode ihren Höhepunkt erreicht hat, was eine Periode zwischen Mitte Mai bis Juli umfaßt). Traditionell ist ein First flush früher nicht vor dem 15. oder 20. März gepflückt worden – in höheren Lagen zwischen 1500 und 1800 Meter nicht vor dem 1. April.

Solches Verhalten ist freilich nicht mehr die Regel. Konzerne und Handelsgesellschaften setzen mit Blick auf ihre Profitmaximierung die klassischen Werte außer Kraft. Zum einen werden früher geerntete Tees ebenso als First flush verkauft wie spätere Ernten; laut einem Beschluß des Tea Board of India kann alles, was bis Mitte Mai gepflückt wird, als First flush vermarktet werden – ohne Rücksicht darauf, ob es sich tatsächlich um charaktervolle First flush-Qualität handelt. Auch in dieser Saison hat es sogenannte „First flush“-Tees aus Ebenen und den untersten Regionen von Gärten gegeben, die bereits im Januar geerntet und entsprechend früh mit lautem PR-Getöse verkauft worden sind. Hinzu kommt, daß nicht nur Tees von Hanglagen, sondern zunehmend auch aus flachen hügelfernen Anbaugebieten unter dem prestigeträchtigen und preissteigernden First flush-Etikett verkauft werden.

Der Konsument nimmt diese minderwertigen Tees, die fade bis bitter und kratzig schmecken, ergeben hin, gewöhnlich ohne Protest, ja oft genug, ohne diese Täuschung überhaupt als solche zu erkennen, weil nicht bewußt und kritisch genug getrunken wird. Vor allem jedoch fehlt selbst manchen erklärten Teefreunden mangels Vergleichen die Fähigkeit zur Differenzierung. Das spielt unseriösen Händlern in die Hände. Während Weintrinker in den vergangenen Jahren erfahrener und somit selbstbewußter in ihrem Urteil und Kaufverhalten geworden sind, dümpelt die Masse der Teetrinker immer noch in selbst verschuldeten Niederungen der Unkenntnis mit der Folge, daß ihnen Genuß versagt bleibt.

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