Wein & Co

1996 Pommard Rugiens, Domaine Michel Gaunoux, Burgund

Wein der Woche

Geschrieben von: August F. Winkler

1996 Pommard Rugiens, Domaine Michel Gaunoux, Burgund

Pommard RugiensIch verrate kein süßes Geheimnis mit dem Bekenntnis, Burgunderweine sehr zu mögen, ja zu lieben. Zwar ist oft zu hören, Burgunder seien überparfümiert – schon richtig, so mancher Pinot noir tritt auf wie ein Feldmarschall von 1871: pompös, stolzierend, mit Lametta aufgeputzt. Gute und zumal große rote Burgunder sind stets eine Begegnung mit dem Überfluß. Aber sie faszinieren nicht durch Übertreibung, sondern dank ihres dichten Fruchtbuketts und der samtigen Tiefe. Kein anderer Rotwein verfügt über diese Kombination von Kraft, Finesse und Geschmeidigkeit, jene mitunter schon unkeusch zu nennende Sinnlichkeit.

Solche anheimelnden Gefühle vermittelte der 1996 Pommard Rugiens der Domaine Michel Gaunoux, ein Premier Cru eines bäuerlichen Winzers aus einem Dorf, das für seine kraftvollen Rotweine bekannt ist. Der Wein lag lange Jahre in meinem Keller, bis ich ihn endlich entkorkte, neugierig, ob und wie der 21jährige schmecken würde. In tiefdunklem Rubin (!) floß er randfrei und seidig glänzend ins Glas. Das klassische Burgunderrot ist nie so dunkel wie das Rot des Cabernet Sauvignon, doch das darf nicht zu falschen Schlüssen führen. Große Gewächse verfügen über ein ähnlich gutes Lagerpotential wie ein Cabernet Sauvignon – eine Kraft, die selten ausgenützt wird, denn das Gros der roten Burgunder wird in der Regel viel zu jung getrunken, übrigens auch in Unkenntnis des exzellenten Reifepotentials.

Anfangs dominiert ein sanfter animalischer Ton das Bukett, es ähnelt frischem Fleisch vom Reh. Dieser Duft löst sich bei großen Weinen bald auf und geht dann in die prachtvolle Hocharomenphase über, die viele Jahre anhält. Prompt entfaltet sich der Wein durch die Sauerstoffdusche. Er blüht im Glas regelrecht auf, er wird vielschichtiger in Duft wie Geschmack. Zu finden sind rote Früchte à la Waldhimbeere sowie Kirsche und rote Johannisbeere nebst einer sanften gewürzigen Note (Piment, ein bißchen Nelke). Im Hintergrund nimmt man etwas geröstete Pflaume, einen Hauch von Vanille und eine zarte Edelbitterschokoladenote wahr.

Geschmacklich wird der – immer noch sehr jung wirkende - Wein von Minute zu Minute substanzieller, auch vielschichtiger. Es ist ein traditionell gekelterter Wein, der geschmeidige Fülle mit seidigem Gewebe verbindet. Im Abgang ist ein sanfter Tanninhauch zu spüren, und eine delikate, den langen Nachklang prägende Süße kündet von einem Wein, der noch ein Leben in Schönheit vor sich hat. Mich erinnerte er an einen 1937er Grands Epenots von der Domaine Gaunoux, den ich vor 22 Jahren mit viel Genuß getrunken habe.

Die kulinarische Macht eines Pinot noir zeigt sich darin, daß er im Solo als Meditationswein ebenso gut schmeckt wie zum Essen. Wir haben ihn mit zunehmender Begeisterung zu geschmorten Kalbsbacken getrunken. Ein Wein dieser Klasse ist ein idealer Partner für Wildgerichte, Schmorbraten, Fleischpasteten und schwarze Trüffelgerichte. Ein kleiner Pinot noir ist eine Dürftigkeit, ein großer hingegen ein Genuß. Es ist schon so: Kein anderer Rotwein, ob Cabernet, Syrah, Merlot oder Nebbiolo, nimmt es an fruchtiger Pracht und aromatischer Sinnlichkeit mit einem Pinot noir erstklassiger Herkunft auf. Das sind Weine von ziselierter Fruchtigkeit, tiefer Aromatik und seidiger Finesse, Gewächse, wie sie mein Onkel Franz meinte, als er sagte: „Wenn Du so viele Bordeaux getrunken hast wie ich, dann kommst Du wieder zum Burgunder zurück.“
 

Château Lafleur: Sinnlichkeit mit Ernst aus dem Pomerol – Teil I

Auwis Auslese

Geschrieben von: August F. Winkler

Wer genießen kann, trinkt keinen Wein mehr, sondern kostet Geheimnisse
(Salvador Felipe Jacinto Dali, 1904-1989).

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Ausgereifte Weine sind hohe Trinkkultur:

Auwis Auslese

Geschrieben von: August F. Winkler

großer Meursault und nobler Riesling

Täglich werden viele Morde begangen, und zwar an Weinen, die zu jung getrunken werden. Voreilig entkorkt werden nicht nur rote, sondern mehr noch weiße Gewächse. Ob es Rieslinge, Grüne Veltliner der Gütestufe Smaragd, Traminer oder burgundische Chardonnays aus der zweiten Hälfte der 90er-Jahre sind: wer die jetzt mirnichtsdirnichts wegschlabbert, ist als Täter freilich auch sein eigenes Opfer, denn er beraubt sich des Genusses, den ihm diese Weine, ausgereift, bieten würden. Alles Laute und Raue wird sich ins Feine und Geschmeidige gerundet haben, der Duft nuancierter, der Geschmack reicher sein. Das ist wie die Wandlung vom ungeschliffenen Stein zum brillanten Solitär.

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Punschiade: Der heiß geliebte unsterbliche Klassiker

Auwis Auslese

Geschrieben von: August F. Winkler

Eine Zeitlang, als die „beautiful people“ in den einschlägigen Szenelokalen tropische Longdrinks und ähnlichen Mixnippes, reich an Farbe, doch arm an Charakter, bevorzugten, standen Pünsche & Bowlen im gesellschaftlichen Out. Jede Zeit hat eben ihre Moden. Die sind zwar, wie der Dichter G.B. Shaw spottete, von „so unerträglicher Hässlichkeit, dass wir sie alle sechs Monate ändern müssen“, doch der Mensch eifert als notorisches Herdentier ziemlich blindlings den Leithammeln nach. Aber wie das so ist mit den wirklich guten Dingen: Sie überleben alle Moden, und so können wir in dieser Wintersaison die strahlende Wiederkehr der heißen Punsch-Getränke feiern. Es ist ritzy, Freunde zu Glühwein, Grog & Co einzuladen.

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2006 William Deutz, Champagne

Wein der Woche

Geschrieben von: August F. Winkler

2006 William Deutz, Champagne

Hellgolden tänzelt der Wein ins Glas und charmiert die Nase im Nu mit einem raffiniert geflochtenen Aromenstrauß aus gelben Früchten, weißer Johannisbeere und kleiner reifer Walderdbeere, ergänzt um Mandelblüte, getrockneter Papaya, Sanddorn und ein bißchen Brioche nebst einem zarten Hauch von Bratapfel sowie weißer Schokolade. Auch geschmacklich treten diese Aromen auf, zusätzlich empfehlen sich Haselnüsse und eine dezente, für Frische sorgende Zitrusnote. Der von feinen Fruchtnoten geprägte Körper ist kraftvoll gebaut, dabei geschmeidig, feinst gerundet, vielschichtig ziseliert, jung und von nachhaltigem Geschmack.

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