Wein & Co

1996 Gevrey-Chambertin Clos St. Jacques 1er Cru, Armand Rousseau, Burgund

Wein der Woche

Geschrieben von: August F. Winkler

1996 Gevrey-Chambertin Clos St. Jacques 1er Cru, Armand Rousseau, Burgund

Dunkelrubin fließt der Wein mit seidigem Glanz ins Glas und entfaltet im Nu sein betörendes, vielschichtig ziseliertes Bukett mit Aromen nach Kirsche, Himbeere sowie jenem schwer zu beschreibendem Ton, den der Franzose achtungsvoll „gout animal“ nennt, was sich leicht als animalischer Geschmack übersetzen läßt. Und tatsächlich ist diese zart an rohem, frischem Rehfleisch orientierte Note typisch für große Burgunder in jüngeren Jahren. Und keine Frage: der 96er ist noch jung, nicht jugendlich, was weniger wäre. Der Wein hat eine feine Extraktsüße mit einem langen, von subtiler Bitterschokolade geprägtem Nachklang.

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1988 Bordeaux: Die Blüte eines falsch eingeschätzten Jahrgangs

Auwis Auslese

Geschrieben von: August F. Winkler

Der Durst ist eine Weltmacht und neben dem Hunger der getreueste Begleiter des Menschen. Im Gegensatz zum banalen Tagesdurst, der mit Wasser, Tee, Milch und dergleichen Harmlosigkeiten gelöscht wird, befriedigt der Feintrinker den heiligen Durst kultiviert mit Wein. Das ist die Hohe Schule des Trinkens nach dem klassischen Goethe-Motto „Freue dich Seele, jetzt kommt ein Platzregen.“ Dieses schöne Gefühl erlebten wir kürzlich im Restaurant Obauer im salzburgischen Werfen mit einigen fein aufgeblühten 1988ern aus dem Bordelais, darunter Chateaux à la Mouton, Margaux, Figeac sowie Yquem (Wir, das sind männlicherseits Dr. Peter Baumann, Dr. Josef Krenner, Rupert Heider, Hans Feiler). Und weil es der launige Zufall gut gefügt hat, daß in den vergangenen Wochen weitere 88er in meinen Gläsern glänzten, wage ich eine kleine Huldigung an diesen notorisch bis heute falsch einge- und unterschätzten Klassiker.

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1996 Pommard Rugiens, Domaine Michel Gaunoux, Burgund

Wein der Woche

Geschrieben von: August F. Winkler

1996 Pommard Rugiens, Domaine Michel Gaunoux, Burgund

Pommard RugiensIch verrate kein süßes Geheimnis mit dem Bekenntnis, Burgunderweine sehr zu mögen, ja zu lieben. Zwar ist oft zu hören, Burgunder seien überparfümiert – schon richtig, so mancher Pinot noir tritt auf wie ein Feldmarschall von 1871: pompös, stolzierend, mit Lametta aufgeputzt. Gute und zumal große rote Burgunder sind stets eine Begegnung mit dem Überfluß. Aber sie faszinieren nicht durch Übertreibung, sondern dank ihres dichten Fruchtbuketts und der samtigen Tiefe. Kein anderer Rotwein verfügt über diese Kombination von Kraft, Finesse und Geschmeidigkeit, jene mitunter schon unkeusch zu nennende Sinnlichkeit.

Solche anheimelnden Gefühle vermittelte der 1996 Pommard Rugiens der Domaine Michel Gaunoux, ein Premier Cru eines bäuerlichen Winzers aus einem Dorf, das für seine kraftvollen Rotweine bekannt ist. Der Wein lag lange Jahre in meinem Keller, bis ich ihn endlich entkorkte, neugierig, ob und wie der 21jährige schmecken würde. In tiefdunklem Rubin (!) floß er randfrei und seidig glänzend ins Glas. Das klassische Burgunderrot ist nie so dunkel wie das Rot des Cabernet Sauvignon, doch das darf nicht zu falschen Schlüssen führen. Große Gewächse verfügen über ein ähnlich gutes Lagerpotential wie ein Cabernet Sauvignon – eine Kraft, die selten ausgenützt wird, denn das Gros der roten Burgunder wird in der Regel viel zu jung getrunken, übrigens auch in Unkenntnis des exzellenten Reifepotentials.

Anfangs dominiert ein sanfter animalischer Ton das Bukett, es ähnelt frischem Fleisch vom Reh. Dieser Duft löst sich bei großen Weinen bald auf und geht dann in die prachtvolle Hocharomenphase über, die viele Jahre anhält. Prompt entfaltet sich der Wein durch die Sauerstoffdusche. Er blüht im Glas regelrecht auf, er wird vielschichtiger in Duft wie Geschmack. Zu finden sind rote Früchte à la Waldhimbeere sowie Kirsche und rote Johannisbeere nebst einer sanften gewürzigen Note (Piment, ein bißchen Nelke). Im Hintergrund nimmt man etwas geröstete Pflaume, einen Hauch von Vanille und eine zarte Edelbitterschokoladenote wahr.

Geschmacklich wird der – immer noch sehr jung wirkende - Wein von Minute zu Minute substanzieller, auch vielschichtiger. Es ist ein traditionell gekelterter Wein, der geschmeidige Fülle mit seidigem Gewebe verbindet. Im Abgang ist ein sanfter Tanninhauch zu spüren, und eine delikate, den langen Nachklang prägende Süße kündet von einem Wein, der noch ein Leben in Schönheit vor sich hat. Mich erinnerte er an einen 1937er Grands Epenots von der Domaine Gaunoux, den ich vor 22 Jahren mit viel Genuß getrunken habe.

Die kulinarische Macht eines Pinot noir zeigt sich darin, daß er im Solo als Meditationswein ebenso gut schmeckt wie zum Essen. Wir haben ihn mit zunehmender Begeisterung zu geschmorten Kalbsbacken getrunken. Ein Wein dieser Klasse ist ein idealer Partner für Wildgerichte, Schmorbraten, Fleischpasteten und schwarze Trüffelgerichte. Ein kleiner Pinot noir ist eine Dürftigkeit, ein großer hingegen ein Genuß. Es ist schon so: Kein anderer Rotwein, ob Cabernet, Syrah, Merlot oder Nebbiolo, nimmt es an fruchtiger Pracht und aromatischer Sinnlichkeit mit einem Pinot noir erstklassiger Herkunft auf. Das sind Weine von ziselierter Fruchtigkeit, tiefer Aromatik und seidiger Finesse, Gewächse, wie sie mein Onkel Franz meinte, als er sagte: „Wenn Du so viele Bordeaux getrunken hast wie ich, dann kommst Du wieder zum Burgunder zurück.“
   

Château Lafleur: Sinnlichkeit mit Ernst aus dem Pomerol – Teil I

Auwis Auslese

Geschrieben von: August F. Winkler

Wer genießen kann, trinkt keinen Wein mehr, sondern kostet Geheimnisse
(Salvador Felipe Jacinto Dali, 1904-1989).

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Ausgereifte Weine sind hohe Trinkkultur:

Auwis Auslese

Geschrieben von: August F. Winkler

großer Meursault und nobler Riesling

Täglich werden viele Morde begangen, und zwar an Weinen, die zu jung getrunken werden. Voreilig entkorkt werden nicht nur rote, sondern mehr noch weiße Gewächse. Ob es Rieslinge, Grüne Veltliner der Gütestufe Smaragd, Traminer oder burgundische Chardonnays aus der zweiten Hälfte der 90er-Jahre sind: wer die jetzt mirnichtsdirnichts wegschlabbert, ist als Täter freilich auch sein eigenes Opfer, denn er beraubt sich des Genusses, den ihm diese Weine, ausgereift, bieten würden. Alles Laute und Raue wird sich ins Feine und Geschmeidige gerundet haben, der Duft nuancierter, der Geschmack reicher sein. Das ist wie die Wandlung vom ungeschliffenen Stein zum brillanten Solitär.

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„Der Wein macht den Maulwurf zum Adler“

Nadar

Dieses ebenso skurille wie poetisch erhöhte Bild hat Charles-Pierre Baudelaire (1821-1867) entworfen, der geniale französische Lyriker, Schriftsteller, Essayist, Dandy, Wagnerianer und Weinkenner, der vor allem mit seiner „Die Blumen...

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Salade japonaise von Alexandre Dumas d. J.

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Wein der Woche

2008 Château de Pez, Cru Bourgeois, St. Estephe

Dunkelrot und mit einem jugendliche Frische signalisierenden Lilaschimmer fließt der Wein ins Glas, aus dem im Nu ein dicht geflochtenes Bukett...

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