Wein & Co

Champagner zum Essen ist wie Mozart im Mai

Champagner

Geschrieben von: August F. Winkler

Das „Faschierte vom Kalb auf Radieschen“, mit dem im Münchner „Tantris“ ein exzellentes Champagne-Mahl begann, war eigentlich die beste Frikadelle, die man sich vorstellen kann. Küchenchef Hans Haas hatte diese köstliche Vulgarität so feinsinnig gewürzt, daß sich eine perfekte Liaison mit der aus der1,5 Liter fassenden Magnumflasche eingeschenkten 1988er La Grande Dame ergab, der grazilen, nach Zitrusfrüchten, Blumen und Nüssen nebst einem aparten Hauch von Honig duftenden Prestige-Cuvée von Veuve Clicquot. Die hat noch einige köstliche Jahre vor sich, und schon flüstert Heinz Winkler, der Vorgänger von Haas und heutige Patron der schönen Dreisterne-Residenz in Aschau, begeistert: “Der würde auch gut zu Kaviar passen.“

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Wein und Musik: edle Seelentröster des Menschen

Auwis Auslese

Geschrieben von: August F. Winkler

Tatatataaa! - der Schlagzeuger hat bei Beethovens populärster Sinfonie viel zu tun. Man sitzt im Konzertsaal und hat sich vorgenommen, diesmal nicht zu träumen oder banalerweise die Streicher in solche mit gut und schlecht geputzten Schuhen einzuteilen. Hingeben will man sich und berauschen lassen von der Musik. Aber hinterher verlangt die Seele nach einem Aufguss, und es darf als sicher angenommen werden, dass es “Mozartweine“ ebenso gibt wie „Wagnerweine“. Und zur expressiven, spannungsgeladenen Kraft der Fünften von Beethoven müsste entweder ein kapitaler Hermitage von der Rhone passen oder ein prachtvoller Portwein wie der 1955er von Taylor‘s.

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Mouton-Galerie: 1973 – Pablo Picasso

Mouton-Galerie

Geschrieben von: August F. Winkler

Über kein Weingut ist mehr geschrieben worden, kein Wein unter den Bordeaux-Granden, Lafite, Margaux und Latour eingeschlossen, ist populärer: Château Mouton-Rothschild! Den kennen auch Sonntagstrinker und vermögen darüber artig zu parlieren, selbst wenn sie den Wein noch nie getrunken haben. Liegt’s an der Klasse, der außergewöhnlichen Güte des Gewächses? Gewiß spielt der reine Weinwert eine Rolle, fördert ein Monument wie der 1945er die Legendenbildung. Allerdings ist Mouton unter den Großen nicht unbestritten der Größte, gibt es unter den Jahrgängen auch etliche Ausreißer, nach oben und mehr noch nach unten. Und ob der 1945er wirklich der „größte Wein aller Zeiten“ ist, wie ein Weinhändler meint und für die Flasche knappe 10 000 Euro fordert, ist kühn behauptet. Selbst wenn man edelsüße Weine ausnimmt, finden sich allein unter den Bordelaiser Roten weitere Größen à la 1959 Lafite, 1961 Margaux und Latour oder Weine, die dem 45er an Exzentrik kaum nachstehen wie Cheval Blanc sowie Lafleur des Ausnahmejahrgangs 1947.

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Kuckucksweine: die wundersame Vermehrung von Sassicaia bis Pétrus

Auwis Auslese

Geschrieben von: August F. Winkler

In der letzten Feinschmeckerey hatte ich aus aktuellem Anlaß erneut über die Machenschaften von Rudy Kurniawan berichtet, dem Meisterfälscher von Kultweinen, der zur Zeit in einem amerikanischen Gefängnis einsitzt. Ein Ganove ist entlarvt, doch weitere Weinfälscher sind emsig am Werk, und durch die Welt vagabundieren noch viele Tausende von Kuckucksweinen - darunter zahlreiche Bouteillen aus der Werkstatt von Kurniawan. David Molyneux-Berry, der viele Jahre lang die Weinauktionen bei Sotheby’s leitete, schätzt, daß fünf Prozent der Flaschen, die jährlich unter den Hammer kommen, Fälschungen sind – hinzu kommen Falsifikate, die direkt über Händler oder, zunehmend, via Internet versteigert werden. Ein Beispiel: Sechs Flaschen Château Mouton-Rothschild 1982, die bei eBay für Euro 2 561,99 verhökert worden sind - ein vermeintliches Schnäppchen - , entpuppten sich nach dem Öffnen als Moutons der weitaus schwächeren und somit auch billigeren Jahrgänge 1979, 1980 und 1981. Sie neige nicht zu Übertreibungen, klagte mir Serena Sutcliffe, die Weinchefin von „Sotheby’s“, aber „angesichts der Menge an Fälschungen, die ich zu Gesicht bekomme, ist das Ausmaß wirklich erschreckend“.

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Kuckucksweine: Die wundersame Vermehrung von Kultweinen - ein Thriller

Auwis Auslese

Geschrieben von: August F. Winkler

Der Akt ist brisant und gekennzeichnet von gehöriger krimineller Energie – und er läßt Sammler besonders teurer Weine bis heute weltweit erschauern: die Ende 2013 erfolgte Verhaftung von Rudy Kurniawan und dessen Verurteilung wegen Weinfälschung in besonders hohem Ausmaß zu zehn Jahren Gefängnis. Zahlreiche Weinfreunde fragen sich seither betreten, ob ihre Schätzchen echt sind, denn der heute 40jährige Indonesier hat in wenigen Jahren für runde 50 Millionen US-Dollar alte Weine gefälscht. Kurniawan hat den durstigen Markt mit allen Jahrgängen und Formaten großer Kultweine von La Romanée-Conti über Mouton-Rothschild und Lafleur bis hin zu raren Kaliforniern bedient. Experten gehen davon aus, daß von "Château Kurniawan" immer noch bis zu 10 000 Kuckucksweine in den Kellern von Händlern sowie Sammlern lagern.

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