Wein & Co

Genußatelier: 1988 Château Haut-Brion

Auwis Auslese

Geschrieben von: August F. Winkler

- die Wandlung von robust zu finessig

Die Erinnerung hat nicht getrogen, der 1988er Haut-Brion balsamierte auch vor drei Tagen die Sinne aufs Feinste und ließ mich an Friedrich Nietzsche denken, der aphorisiert hatte: "Alles Gute ist leicht. Alles Göttliche läuft auf zarten Füßen." Ja, die den 1988er über viele Jahre hinweg begleitende Robustheit hat sich ins Geschmeidige, ins herrlich Finessige gewandelt, ohne daß der Wein an Kraft eingebüßt hätte.

Weiterlesen: Genußatelier: 1988 Château Haut-Brion

 

Mouton-Galerie: 1972 – Serge Poliakoff

Mouton-Galerie

Geschrieben von: August F. Winkler

Über kein Weingut ist mehr geschrieben worden, kein Wein unter den Bordeaux-Granden, Lafite, Margaux und Latour eingeschlossen, ist populärer: Château Mouton-Rothschild! Den kennen auch Sonntagstrinker und vermögen darüber artig zu parlieren, selbst wenn sie den Wein noch nie getrunken haben. Liegt’s an der Klasse, der außergewöhnlichen Güte des Gewächses? Gewiß spielt der reine Weinwert eine Rolle, fördert ein Monument wie der 1945er die Legendenbildung. Allerdings ist Mouton unter den Großen nicht unbestritten der Größte, gibt es unter den Jahrgängen auch etliche Ausreißer, nach oben und mehr noch nach unten. Und ob der 1945er wirklich der „größte Wein aller Zeiten“ ist, wie ein Weinhändler meint und für die Flasche knappe 10 000 Euro fordert, ist kühn behauptet. Selbst wenn man edelsüße Weine ausnimmt, finden sich allein unter den Bordelaiser Roten weitere Größen à la 1959 Lafite, 1961 Margaux und Latour oder Weine, die dem 45er an Exzentrik kaum nachstehen wie Cheval Blanc sowie Lafleur des Ausnahmejahrgangs 1947.

Weiterlesen: Mouton-Galerie: 1972 – Serge Poliakoff

   

Genußatelier: 1971 Barolo Monfortino Giacomo Conterno

Auwis Auslese

Geschrieben von: August F. Winkler

- ein Wein mit Kraft & Seele

Der 1971 Barolo Monfortino Riserva von Giacomo Conterno schimmert granatfarben mit leichtem Orangerand. Die Nase ist im Nu aufs Feinste erfüllt mit zart gereiften Aromen à la Rosen, Veilchen, Leder, Sauerkirsche, Marzipan, schwarzer Trüffel, ein wenig Teer, Waldmoos, Bienenwachs, Rauch. Eine subtile Süße ist wahrnehmbar. Das ursprünglich feste bis harte Tannin hat sich ins Weiche gewandelt, es hat noch prägende Kraft und sorgt für feste Struktur. Der Wein stolziert nicht, sondern streichelt über den Gaumen, auf dem er noch lange nach dem letzten Schluck nachklingt. Das ist ein Tänzer unter den Rotweinen, und es zeigt sich wieder einmal, daß alte Barolos über wunderschöne ätherische Noten verfügen; diese Weine weisen übrigens eine frappante Ähnlichkeit mit alten Pinot Noirs auf.

Weiterlesen: Genußatelier: 1971 Barolo Monfortino Giacomo Conterno

   

Federweißer: des Zechers heitere Wonne

Auwis Auslese

Geschrieben von: August F. Winkler

Die Luft in den Weindörfern zwischen dem Bodensee und der Ahr, entlang Mosel, Rhein, Main und Neckar sowie in den sächsischen Rebengärten ist teilweise bereits getränkt vom hefigen Duft des jungen Weins. Der Riesling hängt naturgemäß noch an den Stöcken, als spätreifende Edelsorte giert er wie der Spätburgunder bei den Rotweinen nach Herbstsonne. Aber eine früh fertige Traube wie die „Solaris“ wird schon geerntet, gefolgt von Ortega, Gutedel, Bacchus, Huxelrebe & Co. Die Stunde des deutschen Federweißen hat also begonnen, des halbsüßen Babyweins der Ernte 2016. Die durch den Gärprozess frei werdenden Aromen dringen wie Parfum durch alle Kellerluken ins Freie, so dass man schon vom Einatmen beschwipst wird. Und der Weinfreund leckt sich die Lippen wie Kater, die Käse riechen, denn der munter säuselnde, milchigweiße Federweiße ist die erste flüssige Gabe des Herbstes. Er schmeckt süßlich, hefig, betont nach Kohlensäure - und am besten direkt vom Fass gezapft in den Weinanbaugebieten.

Weiterlesen: Federweißer: des Zechers heitere Wonne

   

Genußatelier: Château Latour 2003 und 1990

Auwis Auslese

Geschrieben von: August F. Winkler

Was ist der beste Wein der Welt? Das ist eine Frage von hollywoodesquem Format, oft gestellt, niemals zu beantworten und deshalb ermüdend. Abgesehen davon, daß sich weiße nicht gegen rote Gewächse, trockene nicht direkt gegen edelsüße Kreszenzen wertend vergleichen lassen, ist Weintrinken – wie alles, was mit Kultur und zumal Ästhetik zu tun hat – eine Frage des persönlichen Geschmacks. Der eine ist ein Körpertrinker, der liebt die kraftvollen Gewächse, kein Wein kann ihm wuchtig genug sein. Der andere ist ein Eleganztrinker, der im Wein die zarten Töne schätzt. So individuell wie die Weine sind eben auch die Trinker – und das allein erklärt schon oft die Unterschiede in der Bewertung.

Weiterlesen: Genußatelier: Château Latour 2003 und 1990

   

Seite 8 von 55

<< Start < Zurück 1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 Weiter > Ende >>

Journal bekommen!

Wort der Woche

„Der Wein macht den Maulwurf zum Adler“

Nadar

Dieses ebenso skurille wie poetisch erhöhte Bild hat Charles-Pierre Baudelaire (1821-1867) entworfen, der geniale französische Lyriker, Schriftsteller, Essayist, Dandy, Wagnerianer und Weinkenner, der vor allem mit seiner „Die Blumen...

weiterlesen

Gericht der Woche

Maischolle à la Finkenwerder

Ein wesentliches Kriterium bei der Zubereitung ist die Unversehrtheit...

weiterlesen

Wein der Woche

2008 Château de Pez, Cru Bourgeois, St. Estephe

Dunkelrot und mit einem jugendliche Frische signalisierenden Lilaschimmer fließt der Wein ins Glas, aus dem im Nu ein dicht geflochtenes Bukett...

weiterlesen