Wein & Co

Kuckucksweine: die wundersame Vermehrung von Sassicaia bis Pétrus

Auwis Auslese

Geschrieben von: August F. Winkler

In der letzten Feinschmeckerey hatte ich aus aktuellem Anlaß erneut über die Machenschaften von Rudy Kurniawan berichtet, dem Meisterfälscher von Kultweinen, der zur Zeit in einem amerikanischen Gefängnis einsitzt. Ein Ganove ist entlarvt, doch weitere Weinfälscher sind emsig am Werk, und durch die Welt vagabundieren noch viele Tausende von Kuckucksweinen - darunter zahlreiche Bouteillen aus der Werkstatt von Kurniawan. David Molyneux-Berry, der viele Jahre lang die Weinauktionen bei Sotheby’s leitete, schätzt, daß fünf Prozent der Flaschen, die jährlich unter den Hammer kommen, Fälschungen sind – hinzu kommen Falsifikate, die direkt über Händler oder, zunehmend, via Internet versteigert werden. Ein Beispiel: Sechs Flaschen Château Mouton-Rothschild 1982, die bei eBay für Euro 2 561,99 verhökert worden sind - ein vermeintliches Schnäppchen - , entpuppten sich nach dem Öffnen als Moutons der weitaus schwächeren und somit auch billigeren Jahrgänge 1979, 1980 und 1981. Sie neige nicht zu Übertreibungen, klagte mir Serena Sutcliffe, die Weinchefin von „Sotheby’s“, aber „angesichts der Menge an Fälschungen, die ich zu Gesicht bekomme, ist das Ausmaß wirklich erschreckend“.

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Kuckucksweine: Die wundersame Vermehrung von Kultweinen - ein Thriller

Auwis Auslese

Geschrieben von: August F. Winkler

Der Akt ist brisant und gekennzeichnet von gehöriger krimineller Energie – und er läßt Sammler besonders teurer Weine bis heute weltweit erschauern: die Ende 2013 erfolgte Verhaftung von Rudy Kurniawan und dessen Verurteilung wegen Weinfälschung in besonders hohem Ausmaß zu zehn Jahren Gefängnis. Zahlreiche Weinfreunde fragen sich seither betreten, ob ihre Schätzchen echt sind, denn der heute 40jährige Indonesier hat in wenigen Jahren für runde 50 Millionen US-Dollar alte Weine gefälscht. Kurniawan hat den durstigen Markt mit allen Jahrgängen und Formaten großer Kultweine von La Romanée-Conti über Mouton-Rothschild und Lafleur bis hin zu raren Kaliforniern bedient. Experten gehen davon aus, daß von "Château Kurniawan" immer noch bis zu 10 000 Kuckucksweine in den Kellern von Händlern sowie Sammlern lagern.

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Genußatelier: 1988 Château Haut-Brion

Auwis Auslese

Geschrieben von: August F. Winkler

- die Wandlung von robust zu finessig

Die Erinnerung hat nicht getrogen, der 1988er Haut-Brion balsamierte auch vor drei Tagen die Sinne aufs Feinste und ließ mich an Friedrich Nietzsche denken, der aphorisiert hatte: "Alles Gute ist leicht. Alles Göttliche läuft auf zarten Füßen." Ja, die den 1988er über viele Jahre hinweg begleitende Robustheit hat sich ins Geschmeidige, ins herrlich Finessige gewandelt, ohne daß der Wein an Kraft eingebüßt hätte.

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Mouton-Galerie: 1972 – Serge Poliakoff

Mouton-Galerie

Geschrieben von: August F. Winkler

Über kein Weingut ist mehr geschrieben worden, kein Wein unter den Bordeaux-Granden, Lafite, Margaux und Latour eingeschlossen, ist populärer: Château Mouton-Rothschild! Den kennen auch Sonntagstrinker und vermögen darüber artig zu parlieren, selbst wenn sie den Wein noch nie getrunken haben. Liegt’s an der Klasse, der außergewöhnlichen Güte des Gewächses? Gewiß spielt der reine Weinwert eine Rolle, fördert ein Monument wie der 1945er die Legendenbildung. Allerdings ist Mouton unter den Großen nicht unbestritten der Größte, gibt es unter den Jahrgängen auch etliche Ausreißer, nach oben und mehr noch nach unten. Und ob der 1945er wirklich der „größte Wein aller Zeiten“ ist, wie ein Weinhändler meint und für die Flasche knappe 10 000 Euro fordert, ist kühn behauptet. Selbst wenn man edelsüße Weine ausnimmt, finden sich allein unter den Bordelaiser Roten weitere Größen à la 1959 Lafite, 1961 Margaux und Latour oder Weine, die dem 45er an Exzentrik kaum nachstehen wie Cheval Blanc sowie Lafleur des Ausnahmejahrgangs 1947.

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Genußatelier: 1971 Barolo Monfortino Giacomo Conterno

Auwis Auslese

Geschrieben von: August F. Winkler

- ein Wein mit Kraft & Seele

Der 1971 Barolo Monfortino Riserva von Giacomo Conterno schimmert granatfarben mit leichtem Orangerand. Die Nase ist im Nu aufs Feinste erfüllt mit zart gereiften Aromen à la Rosen, Veilchen, Leder, Sauerkirsche, Marzipan, schwarzer Trüffel, ein wenig Teer, Waldmoos, Bienenwachs, Rauch. Eine subtile Süße ist wahrnehmbar. Das ursprünglich feste bis harte Tannin hat sich ins Weiche gewandelt, es hat noch prägende Kraft und sorgt für feste Struktur. Der Wein stolziert nicht, sondern streichelt über den Gaumen, auf dem er noch lange nach dem letzten Schluck nachklingt. Das ist ein Tänzer unter den Rotweinen, und es zeigt sich wieder einmal, daß alte Barolos über wunderschöne ätherische Noten verfügen; diese Weine weisen übrigens eine frappante Ähnlichkeit mit alten Pinot Noirs auf.

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