Wein & Co

Trinkart: DerAperitif als willkommener Schluck vor dem Essen

Auwis Auslese

Geschrieben von: August F. Winkler

Zum Thema Aperitif hat der Franzose Fernand Point, ein genialer Koch und Wegbereiter der modernen Küche in seiner „Pyramide“ in Vienne, bereits in den Sechzigern des vorigen Jahrhunderts Richtungsweisendes gesagt: „Wer Whisky als Aperitif trinkt, dem kann man auch rote Tinte als Bordeaux verkaufen.“ Solches Donnerwort wird zwar keinen notorischen Whiskytrinker erschrecken, aber in der Sache lag F. Point nicht falsch, denn harte Drinks blockieren leicht die Zunge. Eiskaltes erschreckt, Parfümiertes gar Süßliches sättigt, allzu Würziges vernebelt, Hochprozentiges betäubt

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1996 Monfalletto Codero di Montezemolo, Barolo

Wein der Woche

Geschrieben von: August F. Winkler

1996 Monfalletto Codero di Montezemolo, Barolo

Barolo Montezemolo_96Er ist reich, eigenbrötlerisch und in seiner Jugend ziemlich unzugänglich: ER, der Barolo. Mitunter präsentiert er sich auch in älteren Jahrgängen stundenlang so verschlossen, daß kein Dialog möglich ist. Aber wenn man ihm die Chance gegeben hat, sich in bauchigen Gläsern mit dem Sauerstoff zu verbinden, blüht er auf und fasziniert durch seine unerhört dichte und zugleich vielschichtig nuancierte Aromatik. Er ist launisch, aber majestätisch und vor allem alles andere als ein Allerweltswein. Ein Barolo bester Herkunft gehört zu den großen Rotweinen. Er bietet sich nicht an, ihm muß man entgegen kommen, ja sich um ihn bemühen, will man seinen komplex geschichteten Charakter trinkend erfühlen.

Nach dem Dekantieren fließt der Wein aus dem hervorragenden 96er-Jahrgang granatfarben ins Glas; er glänzt und schimmert. Die Nase wird im Nu aufs Feinste erfüllt mit zart gereiften Aromen à la Rosen, Veilchen, Leder, Sauerkirsche, Waldhimbeere, Marzipan und schwarzer Trüffel, gefolgt von einem sanften Hauch wie Teer. Eine subtile Süße ist wahrnehmbar. Das ursprünglich feste bis harte Tannin hat sich ins Weiche gewandelt, es hat noch prägende Kraft und sorgt für eine feste Struktur. Der Wein stolziert nicht, sondern streichelt über den Gaumen, auf dem er noch lange nach dem letzten Schluck nachklingt. Das ist ein Tänzer unter den Barolos, ein fein balancierter Wein wie aus Samt und Seide. Es zeigt sich wieder einmal, daß alte Barolos über wunderschöne ätherische Noten verfügen. Und diese Weine weisen übrigens eine frappante Ähnlichkeit mit alten Pinot Noirs auf.

Der reinsortig aus der Nebbiolo-Traube gekelterte Wein ist runde zwei Jahre in Fässern aus slowenischer Eiche ausgebaut und nach einem Jahr Flaschenreife vermarktet worden. Im Schnitt werden vom Monfalletto je nach Jahrgang zwischen 40- und 48 000 Flaschen gefüllt. Das in La Morra ansässige Gut ist seit 1340 aktenkundig und wird nunmehr in 19. Generation von Giovanni Cordero di Montezemolo geführt (www.corderodimontezemolo.com). Die Weine von La Morra gelten als elegant mit einer Tendenz zu samtiger Finesse sowie einem Bukett, das von blumig-gewürzigen Noten geprägt ist, ergänzt um Kirsche, rote Beeren (Himbeere, Walderdbeere) sowie schwarzem Trüffel und Lakritze.

Barolo Montezemolo_Weinberg_mit_Zeder
   

Man gönnt sich ja sonst nichts: Sassicaia 1985 und 1989

Auwis Auslese

Geschrieben von: August F. Winkler

Wenn Robyn Rihanna Fenty wie kürzlich in der Wiener Stadthalle ihren berühmten, weil wohlbestallten Hintern rhythmisch zu sahneseligen Songs wie „Sex With Me“ und „We Found Love“ rotieren läßt und damit ihren Fans kollektive Schreie der Begeisterung entlockt, mag das erotisch gemeint sein. Den Liebhaber besonderer Weine interessiert vermutlich eher, was Rihanna beim Verlassen ihres Lieblingsitalieners in Los Angeles in der Hand hielt: einen Sassicaia, ent- und rekorked. Der Jahrgang blieb anonym, und wenn es nicht gerade ein 2001er war, der mir kürzlich nicht sonderlich gefiel, noch barmherzig formuliert, kann man der Sängerin ein fröhliches Wohl bekomm’s zurufen.

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Mouton-Galerie: 1971 – Wassily Kandinsky

Mouton-Galerie

Geschrieben von: August F. Winkler

Über kein Weingut ist mehr geschrieben worden, kein Wein unter den Bordeaux-Granden, Lafite, Margaux und Latour eingeschlossen, ist populärer: Château Mouton-Rothschild! Den kennen auch Sonntagstrinker und vermögen darüber artig zu parlieren, selbst wenn sie den Wein noch nie getrunken haben. Liegt’s an der Klasse, der außergewöhnlichen Güte des Gewächses? Gewiß spielt der reine Weinwert eine Rolle, fördert ein Monument wie der 1945er die Legendenbildung. Allerdings ist Mouton unter den Großen nicht unbestritten der Größte, gibt es unter den Jahrgängen auch etliche Ausreißer, nach oben und mehr noch nach unten. Und ob der 1945er wirklich der „größte Wein aller Zeiten“ ist, wie ein Weinhändler meint und für die Flasche knappe 10 000 Euro fordert, ist kühn behauptet. Selbst wenn man edelsüße Weine ausnimmt, finden sich allein unter den Bordelaiser Roten weitere Größen à la 1959 Lafite, 1961 Margaux und Latour oder Weine, die dem 45er an Exzentrik kaum nachstehen wie Cheval Blanc sowie Lafleur des Ausnahmejahrgangs 1947.

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Genußatelier: Sternstunde mit 1966 Romanée-Conti

Auwis Auslese

Geschrieben von: August F. Winkler

DRC 1966Die Wirkung öffentlichen Geredes hat der Stoiker Epiktet frühzeitig erkannt, als er sagte, nicht Tatsachen, sondern Meinungen über Tatsachen bestimmten das Bewußtsein des Menschen. Auch beim Wein gibt es jede Menge Vorurteile. So heißt es von Burgunderweinen allgemein, die sollten im „schulpflichtigen Alter“ getrunken werden. Mit dieser gummihaften Aussage läßt sich in der Praxis nichts anfangen, denn was ist schulpflichtig? Sechs bis 14 Jahre? Du meine Güte, große rote Burgunder können lächelnd dreißig Jahre und mehr alt werden, ohne an Feinheit einzubüßen.

Vielleicht ist es gewagt, so etwas zu behaupten, aber ich tue es dennoch: Kein anderer Rotwein kommt mit der reich nuancierten fruchtigen Tiefe und Finesse eines großen, perfekt gereiften Pinot noir aus Burgund mit. Ein Médoc brilliert mit Eleganz, der Pomerol verfügt über samtene Wärme, einem Barolo bester Herkunft ist Ernsthaftigkeit zu attestieren, feurige Würze verströmt die Syrah von der Rhone – Weine von der Natur und des Menschen Gnaden. Aber dann griff mein Freund in einem anmutigen Anfall von Melancholie in den hintersten Winkel seines Kellers und zauberte einen 1966er Romanée-Conti von der Domaine de la Romanée-Conti hervor.

Das Warten auf den ersten Schluck hatte shakespearehafte Dramatik. Würde der Methusalem noch was taugen, und wenn Ja, wie würde er sich präsentieren? Um es kurz zu machen: Der Wein war ungebeugt, ein Elegant in feinster Seide, zum Liebkosen. Dagegen wirkte der zuvor entkorkte 1990er Le Pin wie ein malzsüßer Lümmel! Wir leerten die Flasche schweigend, beim letzten Schluck waren wir uns einig: Das Leben kann schön sein und voller gütiger Überraschungen
   

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