Wein & Co

Kultur- versus Etikettentrinker

Auwis Auslese

Geschrieben von: August F. Winkler

Die Welt des Weins ist groß und jeder töricht, der diese Vielfalt nicht nutzt. Nichts ist langweiliger als jeden Tag der gleiche Lieblingswein und sei der noch so extravagant. Beim Wein ist Monogamie unangebracht, Fremdgehen hingegen eine Tugend. Und so ist man als Weinfreund wie Don Juan ständig auf der Suche nach Neuem, wobei das Schöne ist, dass man im Unterschied zu Don Juan, dem Jäger und Gejagten der Liebe, im Wein auch seine genußvolle Erfüllung findet.

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Weinkolleg II: Wein & Sprache: oft ein Lockendrehen auf der Glatze

kolleg

Geschrieben von: August F. Winkler

Präludium:
Weinproben sind eine Bühne, wer aufzutreten gedenkt, der nähere sich theatralisch. Das tun viele Verkoster, und je weniger ein Sommelier, Journalist oder Sonntagstrinker den Wein begreift, umso metaphorischer gibt er sich in seinem Wortgeklimper. Ein österreichischer, durchaus weinkompetenter Sommelier beschreibt seine Tropfen besonders brachial zwischen Granaten und Wahnsinn; und wenn eine Flasche sehr gut ist, bricht bei ihm der „helle Wahnsinn“ aus. Abseits solcher delirierender Anwandlungen gibt es weitere unartige Weinworte wie hammergenial, großes Kino, knackige Säure, Mineralik – letzteres ist selbst dem „Duden“ fremd, abgesehen davon, daß nur wenige Weine so viele mineralische Werte haben wie ihnen inflationär zugeschrieben wird.

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Kleine Schampus-Meinung: Cava und Champagner

Champagner

Geschrieben von: August F. Winkler

Cava Kripta_08Champagner schmeckt, klar, auch unter andalusischer Sonne, aber wenn man in Marbella ist, empfiehlt sich auch ein Flirt mit spanischem Prickel. Über heitere Delikatesse verfügt beispielsweise der Rosé von Juvé y Camps, ein Brut aus Pinot noir. Die kirschrote Farbe täuscht, der Cava schmeckt nicht, wie viele andere Schaumweine in diesem dunklen Rosa, schwülstig, ja kitschig vordergründig nach Beeren, sondern erfreut mit klarer, eher schlanker Struktur und hat eine feinherbe Art mit Duft- und Geschmacksnoten von roter Johannisbeere, Herzkirsche und rosa Pampelmuse, flankiert von etwas Rose nebst einem zarten Anflug von Marzipan (Preis vor Ort: um die elf Euro).

Juve y_Camps_RoseAuch ein Cava Kripta 2002 wird entkorkt: Feines Perlen, finessiges Bukett, zusammengesetzt aus Strauchblüten, gelben Früchten und einem zartsüßlichen Hauch von Brioche. Mittelschwerer Körper, weich und mild angelegt von gefälligem Charakter. Trinkt sich angenehm, hat Charme, aber was fehlt, das ist Tiefe mit Nachhaltigkeit. Nicht fehlt ein stolzer Preis um die 50 bis 60 Euro.

Oft ist selbst in Weinmagazinen zu lesen, daß dieser Sekt und jener Schaumwein dem Champagner ebenbürtig sei. Bitte sehr, es gilt das Prinzip des subjektiven Geschmacks und dies selbst für jene österreichische Journalistin, die in einer Art „Genußmagazin“ vorlaut schrieb: „Ohne die werten Franzosen beleidigen zu wollen, unser österreichischer Schaumwein schmeckt mir besser.“ Ich lasse mal die Standardcuvées von Moet & Co beiseite, die unsere Sinne ja wirklich nicht jedes Jahr erfreuen, aber schon beim Vergleich mit Non-Vintages wie dem Roederer Brut Premier, Gosset Grande Reserve, Deutz, Pol Roger, Bollinger, Joseph Perrier, Drappier, Mailly und Winzerchampagner wie etwa von Egly-Ouriet, Vilmart, Bernard Tornay, Sophie Dethune oder Marie-Noelle Ledru, um einige meiner Favoriten zu nennen und ganz zu schweigen von Stars wie Cristal, Comte de Champagne, Dom Perignon, Krug, Amour de Deutz, Salon oder dem gewaltigen Sir Winston Churchill von Pol Roger, verweisen solche Aussagen ins rhetorische Gerümpel; sie wirken, als streife sich jemand ein Hundefell über, um mit einem lauten „Wau-wau“ die Kellermeister der Champagne zu erschrecken.
   

1970 Château Calon-Ségur, Troisième Cru St. Estephe

Wein der Woche

Geschrieben von: August F. Winkler

1970 Château Calon-Ségur, Troisième Cru St. Estephe

Bei älteren Weinen ist es dienlich, mehrere Flaschen aus möglichst unterschiedlichen Kisten zur Hand zu haben. Abgesehen davon, daß Weine je nach der Art ihrer Lagerung unterschiedlich altern, sind die 70er im Bordelais überwiegend noch direkt von den einzelnen Barriques in die Flaschen gefüllt worden. Es liegt in der Natur der Sache, daß der Wein von Faß zu Faß differierte. Zudem haben ältere Bouteillen nicht selten wahre Weltreisen hinter sich, bevor sie schließlich im Keller eines Liebhabers landen. Prompt haben sich die beiden 1970er unterschiedlich präsentiert.

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Ferienweine: Freuden und Tücken mit Landweinen zwischen lecker und fade

Auwis Auslese

Geschrieben von: August F. Winkler

Weine können dich bezaubern wie eine gute Fee, aber auch narren wie ein boshafter Zwerg. Solchen Koboldweinen begegnet man vor allem während des Urlaubs in mediterranen Regionen. Der Thymian duftet mit dem Lavendel um die Wette, die Grillen zirpen, Mücken fliegen ihre Hochzeitstänze: jeder kennt diese Sinfonie des Südens, komponiert aus Gerüchen und Geräuschen. Die Seele des Urlaubers räkelt sich wohlig und zur Vervollkommnung seines irdischen Glücks bestellt er sich noch eine Flasche. Einen schlichten, würzigen Landwein, nichts Großes, aber er passt zum Schinken, dem rustikal in Olivenöl gedünsteten Fisch oder den furchtlos gekräuterten Lammkoteletts, in jedem Fall zur Atmosphäre.

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Wort der Woche

„Der Wein macht den Maulwurf zum Adler“

Nadar

Dieses ebenso skurille wie poetisch erhöhte Bild hat Charles-Pierre Baudelaire (1821-1867) entworfen, der geniale französische Lyriker, Schriftsteller, Essayist, Dandy, Wagnerianer und Weinkenner, der vor allem mit seiner „Die Blumen...

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Seezungenröllchen mit Schnecken und Gnocchis

Zutaten, berechnet für vier Personen: 8 Seezungenfilets; 400 g...

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Wein der Woche

1996 Gevrey-Chambertin Clos St. Jacques 1er Cru, Armand Rousseau, Burgund

Dunkelrubin fließt der Wein mit seidigem Glanz ins Glas und entfaltet im Nu sein betörendes, vielschichtig ziseliertes Bukett mit...

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