Auwis Auslese

Riesling: weltweite Renaissance des großen Klassikers

Geschrieben von: August F. Winkler

 Beim Riesling falten Weinfreunde ihre Hände zum Gebet. Keine andere Rebe wird hymnischer besungen. Seine Majestät, der Riesling, das hohe C unter den Rebsorten! Im Gegensatz zum Chardonnay, der ein Klassiker ist, aber auch modisch, ist der Riesling ein Erzklassiker: modern, nicht modisch. Der Wein ist ein deutsches Nationalheiligtum, Kult auch in Österreich sowie im Elsaß. Seit einigen Jahren erlebt der Riesling eine weltweite Renaissance. Internationale Weinpublizisten und allen voran Robert M. Parker, der als Weinpapst betitelte US-Kritiker mit großem internationalen Einfluß, rühmen den Riesling als weltbesten Weißwein. Und Jancis Robinson, die britische Weinjournalistin, konstatiert freudig, daß der Riesling international noch nie so beliebt gewesen sei wie heute.

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Merlot: sinnliche Charmebombe auf Samtfüßen

Geschrieben von: August F. Winkler


Tiefrot wie Blut strömt der 1997er Masseto aus der Karaffe. Im Nu schwillt ein Aromenstrauß aus dem Glas, ein suggestives Bukett aus reifen roten Früchten, flankiert von Gewürzen wie Pfeffer und einem aparten Hauch von Röstaromen nebst einer fein ziselierten Süße. So muß es bei Scheherezade geduftet haben. Der Wein, ein hundertprozentiger Merlot aus dem Toskana-Hause Ornellaia, ist von suggestiver Wirkung. Er verbindet Kraft mit Eleganz und war einer der Stars bei der legendären Probe von Merlot-Gewächsen im Rheingauer Hotel Kronenschlößchen in Hattenheim. HB Ullrich, der Hausherr, hatte attraktive Vertreter dieser immer noch etwas verkannten Rebsorte aus dem Keller geholt, um praktisch in Form einer Blindprobe die globale Stärke des Merlot zu demonstrieren.

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Sommerweine: heitere Kreszenzen mit Sommersprossen

Geschrieben von: August F. Winkler

Zwischen den beiden Sommerwein-Definitionen liegen geistige Welten: Nancy Sinatra hat ihn besungen als Erdbeeren, Kirschen und den Kuß eines Engels, wohingegen Claus-Dieter Patz, der Lebensmittelchemiker von der Wein-Hochschule in Geisenheim, nüchtern und mit dem Pragmatismus des Wissenschaftlers von fruchtbetonten, spritzigen und leichten Weinen spricht. Belebend und bekömmlich sollten sie sein. Unterschiedlicher läßt sich Sommerwein nicht interpretieren, aber die Sängerin wie den Analytiker eint beim Gedanken an sommerliche Gewächse die Vorstellung von der sogenannten Leichtigkeit des Seins.

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Kuckucksweine oder die wundersame Vermehrung von Kultweinen

Geschrieben von: August F. Winkler

Der Akt ist hochaktuell, brisant, gekennzeichnet von gehöriger krimineller Energie – und er ließ Sammler besonders teurer Weine weltweit erschauern: die Verhaftung von Rudy Kurniawan durch Beamte des FBI. Zahlreiche Weinfreunde fragen sich nun betreten, ob ihre Schätzchen echt sind, denn der 35jährige Indonesier, der illegal in Kalifornien lebte, soll, so scheint bewiesen, in wenigen Jahren für runde 50 Millionen US-Dollar alte Weine gefälscht haben. Viele Bouteillen sind über das bis dahin renommierte New Yorker Auktionshaus „Acker Merrall & Condit" versteigert worden, darunter neben Bordelaiser Größen à la Pétrus, Lafleur, Mouton, Cheval Blanc & Co auch burgundische Exzellenzen wie „La Romanée Conti", eine Kostbarkeit, von der jährlich im Schnitt lediglich um die 5 000 Bouteillen gefüllt werden. Kurniawan bediente den durstigen Markt mit allen Jahrgängen und Formaten dieses extrem teuren Kultweines, der pro Flasche leicht 10 000 Euro kostet, derart unerschöpflich, daß er in der Branche als „Doctor Conti" fungierte.

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Triumph der Großflasche

Geschrieben von: August F. Winkler

Die Runde war erst irritiert, dann verblüfft und schließlich nachdenklich. Anlass dieses emotionalen Gemenges war eine Blindprobe mit vier Gläsern, in die der Gastgeber ebenso didaktisch wie listig den gleichen Wein undekantiert gefüllt hatte: 1990 Chateau Latour, allerdings aus unterschiedlichen Formaten von der Normalflasche über Magnum und Doppelmagnum bis zur Impériale. Das Ergebnis war lehrbuchhaft, denn je größer das Gefäß, desto verschlossener, ja herrischer der Wein. Aus der Standardflasche (0,75 Liter) war der Latour bereits zugänglich mit  ersten leisen Anzeichen von Reife, wohingegen Doppelmagnum (3 Liter) wie Impériale (6 Liter) noch keinen Genuss bescherten. Die Weine gaben sich tanninbetont, total verknopst, einfach sperrig in ihrer gespannten Muskulatur. Am besten gefiel die Magnum, doch erst nach dreistündigem Dekantieren: dann verband sich jugendliche Kraft mit aufblühender Eleganz.

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