Auwis Auslese

Genußatelier: Herzensweine kontra Superlative

Geschrieben von: August F. Winkler

Was ist der beste Champagner? Was der beste Rotwein, Weißwein, Obstbrand, Port? Das sind Fragen von hollywoodesquem Format, oft gestellt, niemals zu beantworten und deshalb ermüdend.

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Wein und Musik: edle Seelentröster des Menschen

Geschrieben von: August F. Winkler

Tatatataaa! - der Schlagzeuger hat bei Beethovens populärster Sinfonie viel zu tun. Man sitzt im Konzertsaal und hat sich vorgenommen, diesmal nicht zu träumen oder banalerweise die Streicher in solche mit gut und schlecht geputzten Schuhen einzuteilen. Hingeben will man sich und berauschen lassen von der Musik. Aber hinterher verlangt die Seele nach einem Aufguss, und es darf als sicher angenommen werden, dass es “Mozartweine“ ebenso gibt wie „Wagnerweine“. Und zur expressiven, spannungsgeladenen Kraft der Fünften von Beethoven müsste entweder ein kapitaler Hermitage von der Rhone passen oder ein prachtvoller Portwein wie der 1955er von Taylor‘s.

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Kuckucksweine: die wundersame Vermehrung von Sassicaia bis Pétrus

Geschrieben von: August F. Winkler

In der letzten Feinschmeckerey hatte ich aus aktuellem Anlaß erneut über die Machenschaften von Rudy Kurniawan berichtet, dem Meisterfälscher von Kultweinen, der zur Zeit in einem amerikanischen Gefängnis einsitzt. Ein Ganove ist entlarvt, doch weitere Weinfälscher sind emsig am Werk, und durch die Welt vagabundieren noch viele Tausende von Kuckucksweinen - darunter zahlreiche Bouteillen aus der Werkstatt von Kurniawan. David Molyneux-Berry, der viele Jahre lang die Weinauktionen bei Sotheby’s leitete, schätzt, daß fünf Prozent der Flaschen, die jährlich unter den Hammer kommen, Fälschungen sind – hinzu kommen Falsifikate, die direkt über Händler oder, zunehmend, via Internet versteigert werden. Ein Beispiel: Sechs Flaschen Château Mouton-Rothschild 1982, die bei eBay für Euro 2 561,99 verhökert worden sind - ein vermeintliches Schnäppchen - , entpuppten sich nach dem Öffnen als Moutons der weitaus schwächeren und somit auch billigeren Jahrgänge 1979, 1980 und 1981. Sie neige nicht zu Übertreibungen, klagte mir Serena Sutcliffe, die Weinchefin von „Sotheby’s“, aber „angesichts der Menge an Fälschungen, die ich zu Gesicht bekomme, ist das Ausmaß wirklich erschreckend“.

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Kuckucksweine: Die wundersame Vermehrung von Kultweinen - ein Thriller

Geschrieben von: August F. Winkler

Der Akt ist brisant und gekennzeichnet von gehöriger krimineller Energie – und er läßt Sammler besonders teurer Weine bis heute weltweit erschauern: die Ende 2013 erfolgte Verhaftung von Rudy Kurniawan und dessen Verurteilung wegen Weinfälschung in besonders hohem Ausmaß zu zehn Jahren Gefängnis. Zahlreiche Weinfreunde fragen sich seither betreten, ob ihre Schätzchen echt sind, denn der heute 40jährige Indonesier hat in wenigen Jahren für runde 50 Millionen US-Dollar alte Weine gefälscht. Kurniawan hat den durstigen Markt mit allen Jahrgängen und Formaten großer Kultweine von La Romanée-Conti über Mouton-Rothschild und Lafleur bis hin zu raren Kaliforniern bedient. Experten gehen davon aus, daß von "Château Kurniawan" immer noch bis zu 10 000 Kuckucksweine in den Kellern von Händlern sowie Sammlern lagern.

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Genußatelier: 1988 Château Haut-Brion

Geschrieben von: August F. Winkler

- die Wandlung von robust zu finessig

Die Erinnerung hat nicht getrogen, der 1988er Haut-Brion balsamierte auch vor drei Tagen die Sinne aufs Feinste und ließ mich an Friedrich Nietzsche denken, der aphorisiert hatte: "Alles Gute ist leicht. Alles Göttliche läuft auf zarten Füßen." Ja, die den 1988er über viele Jahre hinweg begleitende Robustheit hat sich ins Geschmeidige, ins herrlich Finessige gewandelt, ohne daß der Wein an Kraft eingebüßt hätte.

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