Auwis Auslese

Unsinn mit Methode: die rhetorischen Pirouetten der Duftfetischisten

Geschrieben von: August F. Winkler

Die Experten von "Knaurs" definieren Sprache als "System von sinnvoll verbundenen Lauten, mit dessen Hilfe Gedanken und Gefühle ausgedrückt und Informationen vermittelt werden“. Für den Philosophen stellt die Sprache den geistigen Zusammenhang zwischen den Sprechenden her, und bei Schiller, der nach dem harschen Urteil seines Jugendfreundes Petersen im Sinnlichen ohne Feingefühl war, angeblich kratzende Weine trank, salzigen Schinken aß und von garstigen Weibern umgeben war, doch Zitate im Dutzend produzierte, heißt es: „Stets ist die Sprache kecker als die Tat.“ Das gilt auch für die Beschreibung von Weinen.

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Große Braten dürsten nach molligen Weinen

Geschrieben von: August F. Winkler

Ein Hummer, herausfordernd platziert auf dem nackten Bauch seiner geliebten Frau Gala, das war für den Surrealisten Dali die Inkarnation von kulinarischer Erotik. Wenn Köche sich in zärtlichen Flirt-Menüs versuchen, fällt ihnen außer Hummer und Languste nur die Dreierbande Kaviar, Trüffel und Auster ein; letztere gilt schon wegen ihrer schoßähnlichen Form seit zweitausend Jahren als besonders aphrodisierend. Dazu gibt es dann pastellfarbene Sößchen, nur: Von Leidenschaft ist bei solchen Arrangements nichts zu spüren. Was sich Dali und unsere Spitzenköche unter erotischer Küche vorstellen, ist Küchen-Nippes. Venus würde sich bei solchem Tandaradei langweilen. Wirklichen Küchensex haben hingegen große Braten, ob von der Gans und der Ente, von Rind, Lamm, Schwein oder Wild.

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Korkige Irrungen und Verwirrungen

Geschrieben von: August F. Winkler

Man erlebt es täglich: korkkranken Wein in der Gastronomie, kurz korkig genannt. In einem guten Lokal sollte so etwas zwar nicht vorkommen, weil vom Service zu erwarten ist, dass fehlerhafte Weine gar nicht erst eingeschenkt werden. Aber Ideal und Praxis klaffen oft auseinander. Und so passiert es dem Gast, dass ihm mit einem verschwörerischen Augenzwinkern à la „Wir Kenner unter uns“ der frisch gezogene Korken auf einem Silberschälchen überreicht wird, egal ob der Wein einen Fehler hat oder nicht. Der eine Gast riecht nun verlegen daran, ein anderer mit sittlichem Ernst, nur wenige entziehen sich diesem Ritual, aber: Hat das Spiel überhaupt einen Sinn?

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1966er-Revue: Bordeaux und Rheingau - trinkend Geschichte erleben

Geschrieben von: August F. Winkler

Auf der Hitliste des Luxus und der Moden nehmen Weinproben einen vorderen Platz ein. Es ist ritzy, große und rare Gewächse im Kreis von Gleichgesinnten zu trinken. Verkostungen mit gesellschaftlichem Anstrich gibt es freilich seit Hunderten von Jahren. Der „Büchsenbund“, ein Leipziger Cercle von Honoratioren, hat - mit angemessenem Augenzwinkern – den Wein als höchstes irdisches Gut angesehen und, so um 1800 herum, regelmäßig bei fröhlichen Gelagen über Gott, die Welt und den Wein geplaudert. Zahlreiche Bruderschaften pflegten schon im Mittelalter das Ritual von Weinproben, und in Chroniken wird von trinkfesten Weinschwestern berichtet, spöttisch auch „Saufurscheln“ genannt. Kurzum: Der Wein war immer schon neben Genußmittel auch der große, zwischen Menschen Brücken schlagende Kommunikator.

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Riesling-Renaissance im Rheingau: Triumph von Eleganz und Rasse

Geschrieben von: August F. Winkler

Über Wert und Bedeutung des Rieslings für die deutsche und auch die internationale Trinkkultur muß nicht mehr langmächtig geschrieben werden. Wein aus dieser Rebsorte ist ein deutsches Nationalheiligtum, Kult auch in Österreich sowie im Elsaß. Weltweit rühmen ihn Weinkritiker als besten Weißwein. Keine andere Rebe wird hymnischer besungen. Seine Majestät, der Riesling, das hohe C unter den Rebsorten! Darüber läßt sich wohlfeil diskutieren, denn der Chardonnay gebiert an der Cote d’Or exzellente Gewächse und gleiches läßt sich vom Chenin blanc von der Loire sagen, speziell dem rassigen aus Savennières mit dem Clos de la Coulée de Serrant als Platzhirschen sowie den edelsüßen Kreszenzen aus Vouvray. Aber Tatsache ist, daß Rieslinge bester Herkunft, seien sie trocken ausgebaut oder edelsüß brillierend, absolute vinologische Meisterwerke sind, sozusagen flüssige Skulpturen.

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