Auwis Auslese

Man gönnt sich ja sonst nichts: Sassicaia 1985 und 1989

Geschrieben von: August F. Winkler

Wenn Robyn Rihanna Fenty wie kürzlich in der Wiener Stadthalle ihren berühmten, weil wohlbestallten Hintern rhythmisch zu sahneseligen Songs wie „Sex With Me“ und „We Found Love“ rotieren läßt und damit ihren Fans kollektive Schreie der Begeisterung entlockt, mag das erotisch gemeint sein. Den Liebhaber besonderer Weine interessiert vermutlich eher, was Rihanna beim Verlassen ihres Lieblingsitalieners in Los Angeles in der Hand hielt: einen Sassicaia, ent- und rekorked. Der Jahrgang blieb anonym, und wenn es nicht gerade ein 2001er war, der mir kürzlich nicht sonderlich gefiel, noch barmherzig formuliert, kann man der Sängerin ein fröhliches Wohl bekomm’s zurufen.

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Genußatelier: Sternstunde mit 1966 Romanée-Conti

Geschrieben von: August F. Winkler

DRC 1966Die Wirkung öffentlichen Geredes hat der Stoiker Epiktet frühzeitig erkannt, als er sagte, nicht Tatsachen, sondern Meinungen über Tatsachen bestimmten das Bewußtsein des Menschen. Auch beim Wein gibt es jede Menge Vorurteile. So heißt es von Burgunderweinen allgemein, die sollten im „schulpflichtigen Alter“ getrunken werden. Mit dieser gummihaften Aussage läßt sich in der Praxis nichts anfangen, denn was ist schulpflichtig? Sechs bis 14 Jahre? Du meine Güte, große rote Burgunder können lächelnd dreißig Jahre und mehr alt werden, ohne an Feinheit einzubüßen.

Vielleicht ist es gewagt, so etwas zu behaupten, aber ich tue es dennoch: Kein anderer Rotwein kommt mit der reich nuancierten fruchtigen Tiefe und Finesse eines großen, perfekt gereiften Pinot noir aus Burgund mit. Ein Médoc brilliert mit Eleganz, der Pomerol verfügt über samtene Wärme, einem Barolo bester Herkunft ist Ernsthaftigkeit zu attestieren, feurige Würze verströmt die Syrah von der Rhone – Weine von der Natur und des Menschen Gnaden. Aber dann griff mein Freund in einem anmutigen Anfall von Melancholie in den hintersten Winkel seines Kellers und zauberte einen 1966er Romanée-Conti von der Domaine de la Romanée-Conti hervor.

Das Warten auf den ersten Schluck hatte shakespearehafte Dramatik. Würde der Methusalem noch was taugen, und wenn Ja, wie würde er sich präsentieren? Um es kurz zu machen: Der Wein war ungebeugt, ein Elegant in feinster Seide, zum Liebkosen. Dagegen wirkte der zuvor entkorkte 1990er Le Pin wie ein malzsüßer Lümmel! Wir leerten die Flasche schweigend, beim letzten Schluck waren wir uns einig: Das Leben kann schön sein und voller gütiger Überraschungen
 

Bordeaux-Preise 2015: Und ist es Wahnsinn, so hat es doch Methode

Geschrieben von: August F. Winkler

Im Bordelais herrscht Euphorie, also: Hereinspaziert, der Vorhang ist hochgezogen, die Bühne bereit für das rituelle Subskriptionsgeschäft des Jahrgangs 2015. Zwar läuft die Maschine nicht mehr so geschmiert wie früher; seit 2011 sind die Kunden zurückhaltender geworden beim Vorab-Kauf von Weinen, die sie erst zwei Jahre später bekommen, die jedoch schon heute bezahlt werden müssen – und das zu himmelwärts strebenden Preisen. Château Margaux eröffnete den Reigen – für seinen wahrhaft großen Wein - mit 450 Euro pro Bouteille, was gegenüber 2014 – einem gewiß schwächeren Jahrgang – einem Plus von 60 Prozent entspricht. Auch die meisten anderen Güter zieren sich nicht und langen kräftig zu, womit sie die Empfehlungen der Händler nach einer maßvollen Preissteigerung ungerührt konterkarieren. Aber bitte, ein Château-Nabob hat unverblümt gesagt: „Wenn Europa die Preise nicht zahlen will, die Asiaten und Amerikaner tun es!“ Basta oder anders formuliert: Und ist es Wahnsinn, so hat es doch Methode.

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Riesling: Der große Klassiker schmeckt im Solo so gut wie zum Essen

Geschrieben von: August F. Winkler

Von berühmten Schauspielern wie Gustav Gründgens heißt es, sie hätten vor Auftritten gesagt: „Alles Licht auf mich!“ Das ist das Recht des Stars. Bei den Weißweinen nimmt der Riesling so eine Sonderstellung ein. Selbstverständlich gibt es Stimmungen oder Speisen, zu denen ein respektabler burgundischer Chardonnay, rosenduftiger Traminer, vegetabiler Sauvignon blanc, stattlicher Chenin blanc, fülliger Viognier oder gewürziger Grüner Veltliner besonders gut paßt. Dann wiederum müssen Leib und Seele mit einem sinnlichen Pinot noir, elegantem Cabernet, warmwürzigem Merlot, feurigem Syrah oder ernsthaftem Barolo beglückt werden.

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Genuß-Atelier: Lafite & großer Wein - Schlabber, schlabber weg damit!

Geschrieben von: August F. Winkler

Mit jener nonchalanten Eleganz, die dem Mann zu eigen war, nahm Elie de Rothschild, der polyglott parlierende Weltmann und Chef des gleichnamigen Hauses, einen tiefen Nasenzug vom 1953er Lafite-Rothschild, bevor er die Lippen genüßlich zum Schlucken spitzte und verkündete: „Wir sind der Premier unter den Premiers und werden das immer bleiben. Das ist unser Auftrag!“

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