Auwis Auslese

Kuckucksweine: Die wundersame Vermehrung von Kultweinen - ein Thriller

Geschrieben von: August F. Winkler

Der Akt ist brisant und gekennzeichnet von gehöriger krimineller Energie – und er läßt Sammler besonders teurer Weine bis heute weltweit erschauern: die Ende 2013 erfolgte Verhaftung von Rudy Kurniawan und dessen Verurteilung wegen Weinfälschung in besonders hohem Ausmaß zu zehn Jahren Gefängnis. Zahlreiche Weinfreunde fragen sich seither betreten, ob ihre Schätzchen echt sind, denn der heute 40jährige Indonesier hat in wenigen Jahren für runde 50 Millionen US-Dollar alte Weine gefälscht. Kurniawan hat den durstigen Markt mit allen Jahrgängen und Formaten großer Kultweine von La Romanée-Conti über Mouton-Rothschild und Lafleur bis hin zu raren Kaliforniern bedient. Experten gehen davon aus, daß von "Château Kurniawan" immer noch bis zu 10 000 Kuckucksweine in den Kellern von Händlern sowie Sammlern lagern.

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Genußatelier: 1988 Château Haut-Brion

Geschrieben von: August F. Winkler

- die Wandlung von robust zu finessig

Die Erinnerung hat nicht getrogen, der 1988er Haut-Brion balsamierte auch vor drei Tagen die Sinne aufs Feinste und ließ mich an Friedrich Nietzsche denken, der aphorisiert hatte: "Alles Gute ist leicht. Alles Göttliche läuft auf zarten Füßen." Ja, die den 1988er über viele Jahre hinweg begleitende Robustheit hat sich ins Geschmeidige, ins herrlich Finessige gewandelt, ohne daß der Wein an Kraft eingebüßt hätte.

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Genußatelier: 1971 Barolo Monfortino Giacomo Conterno

Geschrieben von: August F. Winkler

- ein Wein mit Kraft & Seele

Der 1971 Barolo Monfortino Riserva von Giacomo Conterno schimmert granatfarben mit leichtem Orangerand. Die Nase ist im Nu aufs Feinste erfüllt mit zart gereiften Aromen à la Rosen, Veilchen, Leder, Sauerkirsche, Marzipan, schwarzer Trüffel, ein wenig Teer, Waldmoos, Bienenwachs, Rauch. Eine subtile Süße ist wahrnehmbar. Das ursprünglich feste bis harte Tannin hat sich ins Weiche gewandelt, es hat noch prägende Kraft und sorgt für feste Struktur. Der Wein stolziert nicht, sondern streichelt über den Gaumen, auf dem er noch lange nach dem letzten Schluck nachklingt. Das ist ein Tänzer unter den Rotweinen, und es zeigt sich wieder einmal, daß alte Barolos über wunderschöne ätherische Noten verfügen; diese Weine weisen übrigens eine frappante Ähnlichkeit mit alten Pinot Noirs auf.

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Federweißer: des Zechers heitere Wonne

Geschrieben von: August F. Winkler

Die Luft in den Weindörfern zwischen dem Bodensee und der Ahr, entlang Mosel, Rhein, Main und Neckar sowie in den sächsischen Rebengärten ist teilweise bereits getränkt vom hefigen Duft des jungen Weins. Der Riesling hängt naturgemäß noch an den Stöcken, als spätreifende Edelsorte giert er wie der Spätburgunder bei den Rotweinen nach Herbstsonne. Aber eine früh fertige Traube wie die „Solaris“ wird schon geerntet, gefolgt von Ortega, Gutedel, Bacchus, Huxelrebe & Co. Die Stunde des deutschen Federweißen hat also begonnen, des halbsüßen Babyweins der Ernte 2016. Die durch den Gärprozess frei werdenden Aromen dringen wie Parfum durch alle Kellerluken ins Freie, so dass man schon vom Einatmen beschwipst wird. Und der Weinfreund leckt sich die Lippen wie Kater, die Käse riechen, denn der munter säuselnde, milchigweiße Federweiße ist die erste flüssige Gabe des Herbstes. Er schmeckt süßlich, hefig, betont nach Kohlensäure - und am besten direkt vom Fass gezapft in den Weinanbaugebieten.

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Genußatelier: Château Latour 2003 und 1990

Geschrieben von: August F. Winkler

Was ist der beste Wein der Welt? Das ist eine Frage von hollywoodesquem Format, oft gestellt, niemals zu beantworten und deshalb ermüdend. Abgesehen davon, daß sich weiße nicht gegen rote Gewächse, trockene nicht direkt gegen edelsüße Kreszenzen wertend vergleichen lassen, ist Weintrinken – wie alles, was mit Kultur und zumal Ästhetik zu tun hat – eine Frage des persönlichen Geschmacks. Der eine ist ein Körpertrinker, der liebt die kraftvollen Gewächse, kein Wein kann ihm wuchtig genug sein. Der andere ist ein Eleganztrinker, der im Wein die zarten Töne schätzt. So individuell wie die Weine sind eben auch die Trinker – und das allein erklärt schon oft die Unterschiede in der Bewertung.

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