Auwis Auslese

Genußatelier: 1971 Barolo Monfortino Giacomo Conterno

Geschrieben von: August F. Winkler

- ein Wein mit Kraft & Seele

Der 1971 Barolo Monfortino Riserva von Giacomo Conterno schimmert granatfarben mit leichtem Orangerand. Die Nase ist im Nu aufs Feinste erfüllt mit zart gereiften Aromen à la Rosen, Veilchen, Leder, Sauerkirsche, Marzipan, schwarzer Trüffel, ein wenig Teer, Waldmoos, Bienenwachs, Rauch. Eine subtile Süße ist wahrnehmbar. Das ursprünglich feste bis harte Tannin hat sich ins Weiche gewandelt, es hat noch prägende Kraft und sorgt für feste Struktur. Der Wein stolziert nicht, sondern streichelt über den Gaumen, auf dem er noch lange nach dem letzten Schluck nachklingt. Das ist ein Tänzer unter den Rotweinen, und es zeigt sich wieder einmal, daß alte Barolos über wunderschöne ätherische Noten verfügen; diese Weine weisen übrigens eine frappante Ähnlichkeit mit alten Pinot Noirs auf.

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Federweißer: des Zechers heitere Wonne

Geschrieben von: August F. Winkler

Die Luft in den Weindörfern zwischen dem Bodensee und der Ahr, entlang Mosel, Rhein, Main und Neckar sowie in den sächsischen Rebengärten ist teilweise bereits getränkt vom hefigen Duft des jungen Weins. Der Riesling hängt naturgemäß noch an den Stöcken, als spätreifende Edelsorte giert er wie der Spätburgunder bei den Rotweinen nach Herbstsonne. Aber eine früh fertige Traube wie die „Solaris“ wird schon geerntet, gefolgt von Ortega, Gutedel, Bacchus, Huxelrebe & Co. Die Stunde des deutschen Federweißen hat also begonnen, des halbsüßen Babyweins der Ernte 2016. Die durch den Gärprozess frei werdenden Aromen dringen wie Parfum durch alle Kellerluken ins Freie, so dass man schon vom Einatmen beschwipst wird. Und der Weinfreund leckt sich die Lippen wie Kater, die Käse riechen, denn der munter säuselnde, milchigweiße Federweiße ist die erste flüssige Gabe des Herbstes. Er schmeckt süßlich, hefig, betont nach Kohlensäure - und am besten direkt vom Fass gezapft in den Weinanbaugebieten.

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Genußatelier: Château Latour 2003 und 1990

Geschrieben von: August F. Winkler

Was ist der beste Wein der Welt? Das ist eine Frage von hollywoodesquem Format, oft gestellt, niemals zu beantworten und deshalb ermüdend. Abgesehen davon, daß sich weiße nicht gegen rote Gewächse, trockene nicht direkt gegen edelsüße Kreszenzen wertend vergleichen lassen, ist Weintrinken – wie alles, was mit Kultur und zumal Ästhetik zu tun hat – eine Frage des persönlichen Geschmacks. Der eine ist ein Körpertrinker, der liebt die kraftvollen Gewächse, kein Wein kann ihm wuchtig genug sein. Der andere ist ein Eleganztrinker, der im Wein die zarten Töne schätzt. So individuell wie die Weine sind eben auch die Trinker – und das allein erklärt schon oft die Unterschiede in der Bewertung.

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Trinkart: DerAperitif als willkommener Schluck vor dem Essen

Geschrieben von: August F. Winkler

Zum Thema Aperitif hat der Franzose Fernand Point, ein genialer Koch und Wegbereiter der modernen Küche in seiner „Pyramide“ in Vienne, bereits in den Sechzigern des vorigen Jahrhunderts Richtungsweisendes gesagt: „Wer Whisky als Aperitif trinkt, dem kann man auch rote Tinte als Bordeaux verkaufen.“ Solches Donnerwort wird zwar keinen notorischen Whiskytrinker erschrecken, aber in der Sache lag F. Point nicht falsch, denn harte Drinks blockieren leicht die Zunge. Eiskaltes erschreckt, Parfümiertes gar Süßliches sättigt, allzu Würziges vernebelt, Hochprozentiges betäubt

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Man gönnt sich ja sonst nichts: Sassicaia 1985 und 1989

Geschrieben von: August F. Winkler

Wenn Robyn Rihanna Fenty wie kürzlich in der Wiener Stadthalle ihren berühmten, weil wohlbestallten Hintern rhythmisch zu sahneseligen Songs wie „Sex With Me“ und „We Found Love“ rotieren läßt und damit ihren Fans kollektive Schreie der Begeisterung entlockt, mag das erotisch gemeint sein. Den Liebhaber besonderer Weine interessiert vermutlich eher, was Rihanna beim Verlassen ihres Lieblingsitalieners in Los Angeles in der Hand hielt: einen Sassicaia, ent- und rekorked. Der Jahrgang blieb anonym, und wenn es nicht gerade ein 2001er war, der mir kürzlich nicht sonderlich gefiel, noch barmherzig formuliert, kann man der Sängerin ein fröhliches Wohl bekomm’s zurufen.

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„Der Wein macht den Maulwurf zum Adler“

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