Auwis Auslese

Federweißer: des Zechers heitere Wonne

Geschrieben von: August F. Winkler

Die Luft in den Weindörfern zwischen dem Bodensee und der Ahr, entlang Mosel, Rhein, Main und Neckar sowie in den sächsischen Rebengärten ist teilweise bereits getränkt vom hefigen Duft des jungen Weins. Der Riesling hängt naturgemäß noch an den Stöcken, als spätreifende Edelsorte giert er wie der Spätburgunder bei den Rotweinen nach Herbstsonne. Aber eine früh fertige Traube wie die „Solaris“ wird schon geerntet, gefolgt von Ortega, Gutedel, Bacchus, Huxelrebe & Co. Die Stunde des deutschen Federweißen hat also begonnen, des halbsüßen Babyweins der Ernte 2016. Die durch den Gärprozess frei werdenden Aromen dringen wie Parfum durch alle Kellerluken ins Freie, so dass man schon vom Einatmen beschwipst wird. Und der Weinfreund leckt sich die Lippen wie Kater, die Käse riechen, denn der munter säuselnde, milchigweiße Federweiße ist die erste flüssige Gabe des Herbstes. Er schmeckt süßlich, hefig, betont nach Kohlensäure - und am besten direkt vom Fass gezapft in den Weinanbaugebieten.

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Genußatelier: Château Latour 2003 und 1990

Geschrieben von: August F. Winkler

Was ist der beste Wein der Welt? Das ist eine Frage von hollywoodesquem Format, oft gestellt, niemals zu beantworten und deshalb ermüdend. Abgesehen davon, daß sich weiße nicht gegen rote Gewächse, trockene nicht direkt gegen edelsüße Kreszenzen wertend vergleichen lassen, ist Weintrinken – wie alles, was mit Kultur und zumal Ästhetik zu tun hat – eine Frage des persönlichen Geschmacks. Der eine ist ein Körpertrinker, der liebt die kraftvollen Gewächse, kein Wein kann ihm wuchtig genug sein. Der andere ist ein Eleganztrinker, der im Wein die zarten Töne schätzt. So individuell wie die Weine sind eben auch die Trinker – und das allein erklärt schon oft die Unterschiede in der Bewertung.

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Trinkart: DerAperitif als willkommener Schluck vor dem Essen

Geschrieben von: August F. Winkler

Zum Thema Aperitif hat der Franzose Fernand Point, ein genialer Koch und Wegbereiter der modernen Küche in seiner „Pyramide“ in Vienne, bereits in den Sechzigern des vorigen Jahrhunderts Richtungsweisendes gesagt: „Wer Whisky als Aperitif trinkt, dem kann man auch rote Tinte als Bordeaux verkaufen.“ Solches Donnerwort wird zwar keinen notorischen Whiskytrinker erschrecken, aber in der Sache lag F. Point nicht falsch, denn harte Drinks blockieren leicht die Zunge. Eiskaltes erschreckt, Parfümiertes gar Süßliches sättigt, allzu Würziges vernebelt, Hochprozentiges betäubt

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Man gönnt sich ja sonst nichts: Sassicaia 1985 und 1989

Geschrieben von: August F. Winkler

Wenn Robyn Rihanna Fenty wie kürzlich in der Wiener Stadthalle ihren berühmten, weil wohlbestallten Hintern rhythmisch zu sahneseligen Songs wie „Sex With Me“ und „We Found Love“ rotieren läßt und damit ihren Fans kollektive Schreie der Begeisterung entlockt, mag das erotisch gemeint sein. Den Liebhaber besonderer Weine interessiert vermutlich eher, was Rihanna beim Verlassen ihres Lieblingsitalieners in Los Angeles in der Hand hielt: einen Sassicaia, ent- und rekorked. Der Jahrgang blieb anonym, und wenn es nicht gerade ein 2001er war, der mir kürzlich nicht sonderlich gefiel, noch barmherzig formuliert, kann man der Sängerin ein fröhliches Wohl bekomm’s zurufen.

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Genußatelier: Sternstunde mit 1966 Romanée-Conti

Geschrieben von: August F. Winkler

DRC 1966Die Wirkung öffentlichen Geredes hat der Stoiker Epiktet frühzeitig erkannt, als er sagte, nicht Tatsachen, sondern Meinungen über Tatsachen bestimmten das Bewußtsein des Menschen. Auch beim Wein gibt es jede Menge Vorurteile. So heißt es von Burgunderweinen allgemein, die sollten im „schulpflichtigen Alter“ getrunken werden. Mit dieser gummihaften Aussage läßt sich in der Praxis nichts anfangen, denn was ist schulpflichtig? Sechs bis 14 Jahre? Du meine Güte, große rote Burgunder können lächelnd dreißig Jahre und mehr alt werden, ohne an Feinheit einzubüßen.

Vielleicht ist es gewagt, so etwas zu behaupten, aber ich tue es dennoch: Kein anderer Rotwein kommt mit der reich nuancierten fruchtigen Tiefe und Finesse eines großen, perfekt gereiften Pinot noir aus Burgund mit. Ein Médoc brilliert mit Eleganz, der Pomerol verfügt über samtene Wärme, einem Barolo bester Herkunft ist Ernsthaftigkeit zu attestieren, feurige Würze verströmt die Syrah von der Rhone – Weine von der Natur und des Menschen Gnaden. Aber dann griff mein Freund in einem anmutigen Anfall von Melancholie in den hintersten Winkel seines Kellers und zauberte einen 1966er Romanée-Conti von der Domaine de la Romanée-Conti hervor.

Das Warten auf den ersten Schluck hatte shakespearehafte Dramatik. Würde der Methusalem noch was taugen, und wenn Ja, wie würde er sich präsentieren? Um es kurz zu machen: Der Wein war ungebeugt, ein Elegant in feinster Seide, zum Liebkosen. Dagegen wirkte der zuvor entkorkte 1990er Le Pin wie ein malzsüßer Lümmel! Wir leerten die Flasche schweigend, beim letzten Schluck waren wir uns einig: Das Leben kann schön sein und voller gütiger Überraschungen
   

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