Auwis Auslese

Öffentlich erlaubtes Ausleben der Wollust:

Geschrieben von: August F. Winkler

Kaisergranat und 2003 Clos du Mesnil

Die Pracht hat viele Seiten und eine ihrer schönsten im Sinne von genußvollsten ist am 9. April im schönen Landhaus Bacher inszeniert worden (www.landhaus-bacher.at). Lisl und Klaus Wagner hatten als Gastgeber im Rahmen des Wachauer Gourmet-Festivals zu einer Gala mit Champagne Krug geladen. Für Heidegger, den Philosophen, war ein Krug „ein zu Füllendes“ – physikalisch korrekt definiert, aber nichtssagend gegenüber den Wonnen von Krug-Champagner im Verein mit großer, von Thomas Dorfer künstlerisch ins Werk gesetzter Küche. Der gebürtige Kärntner hat sich an die österreichische Spitze vorgekocht, gefordert und gefördert von Lisl Wagner-Bacher, seiner Schwiegermutter, die als eine der weltbesten Köchinnen das Landhaus bereits zu einer berühmten Adresse gemacht hat, bevor sie das Zepter weiter gegeben hat.

Weiterlesen: Öffentlich erlaubtes Ausleben der Wollust:

 

Zwei Prachtweine: 1961 Ducru-Beaucaillou und 1970 Calon Ségur

Geschrieben von: August F. Winkler

Giraudoux „Irre von Chaillot“ pflegt jeden Morgen unerschütterlich dieselbe Nummer einer bestimmten Zeitung zu lesen, um sich, wie sie sagt, den Tag nicht durch Neuigkeiten verderben zu lassen. Das ist eine philosophische Einstellung von tiefer Gelassenheit, freilich auch ein bemerkenswerter Fall von Beharrung. Der erspart Aufregungen, verhindert aber auch die immer wieder interessante Spannung, die in der Begegnung mit Neuem liegt – oder mit Altem, wenn es um Wein geht wie den 1961er Château Ducru-Beaucaillou oder den 1970er Château Calon-Ségur.

Weiterlesen: Zwei Prachtweine: 1961 Ducru-Beaucaillou und 1970 Calon Ségur

 

Flirt mit Latour, Margaux, Knoll

Geschrieben von: August F. Winkler

.. Zeltinger Sonnenuhr, Grand Puy-Lacoste & Co

Für Hermann Hesse war er der „süße Gott“, Goethe mochte keinen Tag auf ihn verzichten. Stendhal schwärmte gar vom „Wunder der heiligen Flasche“. Gemeint ist jeweils der Wein, der Jahrtausendealte Spender von Genuss & Rausch. Man schenke sich einen 1990 Château Latour ein und wird selbst als Sonntagstrinker, der bis dato noch nie einen Wein über 25 Euro getrunken hat, erleben, wie eine Woge des Glücks seinen Gaumen durchflutet. Tiefdunkelrot glänzt der Wein im Glas, aus dem erst zurückhaltend, dann immer offener und generöser ein tief geschichteter Duftstrom dringt, beginnend mit Röstaromen à la Tabak, Kaffee, Bitterschokolade sowie Kakao und zunehmend übergehend in fruchtige Noten wie Waldhimbeere, Kirsche, Cassis und getrocknete Feigen, ergänzt um Trüffel, schwarzen Keemun-Tee und Gewürzen nebst einem feinen Hauch von Minze. Das ist ein mächtiges Gewächs, ein Herr aus Pauillac, noch nicht in Vollkommenheit ausgereift, aber schon mit Hochgenuß trinkbar, nein: erlebbar.

Weiterlesen: Flirt mit Latour, Margaux, Knoll

   

Die Weinprobe: Ein genießerisches Hm sagt oft mehr als 1 000 Worte

Geschrieben von: August F. Winkler

Es ist ein grandioses Schauspiel, wie Wilhelm Haag, der famose Moselwinzer aus Brauneberg und Senior des seit 2005 von Sohn Oliver geführten Weinguts Fritz Haag, mit einem gewaltigen Schmatz einen Schluck seiner 1993er Juffer-Sonnenuhr Auslese über die Zunge zieht. Dieses gleichzeitige Schlückeln und Ansaugen von Luft klingt wie das Röcheln eines Ferrari, wenn der in einem Tunnel vom dritten auf den zweiten Gang herunter geschaltet wird. Der geballt auf Zunge und Gaumen gezogene Sauerstoff, so erklären Profis ihr schmatzendes Trinken, mache den Wein geschmacklich transparenter. Mag schon sein, daß der Luftzug die Aromen sozusagen erblühen läßt (in gleich geräuschvoller Weise wird übrigens auch Tee getestet). Auf Amateure wirkt eine solche Verkostung allerdings wie ein schwer durchschaubares Zeremoniell, vergleichbar gewissen Fruchtbarkeitsriten von Naturvölkern.

Weiterlesen: Die Weinprobe: Ein genießerisches Hm sagt oft mehr als 1 000 Worte

 

Wein: die Suche nach dem verlorenen Geschmack

Geschrieben von: August F. Winkler

Die Welt schwelgt im Wein, dem Jahrtausende alten Spender von Genuß & Rausch. Gefürchtet und verdammt wird er als „Teufel Alkohol“ von jenen, die entweder keine Fähigkeit zum Genießen haben oder ihn nicht kontrolliert trinken können, hingegen gepriesen von denen, die mit Riesling, Chardonnay & Muskateller, mit Spätburgunder, Cabernet, Merlot & Syrah auf gleichermaßen genüssliche wie kultivierte Weise den heiligen Durst stillen. Der Durst ist ja eine Weltmacht und neben dem Hunger und der Liebe der getreueste Begleiter des Menschen, vermutlich auch sein hartnäckigster. Wie man ihn befriedigt, das ist, seit es Weine im Überfluß gibt, nicht nur eine Frage von Geld und Stil, von Anlaß und Stimmung, sondern mehr denn je auch ein Akt der Selektion.

Weiterlesen: Wein: die Suche nach dem verlorenen Geschmack

   

Seite 8 von 24

<< Start < Zurück 1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 Weiter > Ende >>

Journal bekommen!

Wort der Woche

„Der Wein macht den Maulwurf zum Adler“

Nadar

Dieses ebenso skurille wie poetisch erhöhte Bild hat Charles-Pierre Baudelaire (1821-1867) entworfen, der geniale französische Lyriker, Schriftsteller, Essayist, Dandy, Wagnerianer und Weinkenner, der vor allem mit seiner „Die Blumen...

weiterlesen

Gericht der Woche

Seezungenröllchen mit Schnecken und Gnocchis

Zutaten, berechnet für vier Personen: 8 Seezungenfilets; 400 g...

weiterlesen

Wein der Woche

1996 Gevrey-Chambertin Clos St. Jacques 1er Cru, Armand Rousseau, Burgund

Dunkelrubin fließt der Wein mit seidigem Glanz ins Glas und entfaltet im Nu sein betörendes, vielschichtig ziseliertes Bukett mit...

weiterlesen