Auwis Auslese

Emmerich Knolls Wachauer 2015: Weltklasseweine in statu nascendi

Geschrieben von: August F. Winkler

Man weiß nicht, wann der Genuß auf die Erde gekommen ist. War es eine göttliche Mitgift? Können auch Tiere genießen? Wer weiß das schon, als gewiß hingegen kann angenommen werden, daß Genuß eine Lebensform ist, zu der das Leiseste an Zärtlichkeit und das Gewaltsamste an Leidenschaft gehört. Fürs nackte Überleben ist Genuß nicht notwendig, aber ohne ihn wäre alles grau, fade, öde. Die Kunst des kultivierten Genießens ist es, die das Leben mit Freude erfüllt und es eigentlich lebenswert macht. Und das gilt in schönster, ja idealer Weise für jene zwei Magnumflaschen, die Emmerich Knoll am 8. April 2016 am Ende einer Weinverkostung, die den Jungweinen des Jahrgangs 2015 gewidmet war, aus dem Keller geholt und mit der Behutsamkeit, die ein Apotheker beim Abwiegen einer kostbaren Ingredienz aufwendet, entkorkt hat.

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Öffentlich erlaubtes Ausleben der Wollust:

Geschrieben von: August F. Winkler

Kaisergranat und 2003 Clos du Mesnil

Die Pracht hat viele Seiten und eine ihrer schönsten im Sinne von genußvollsten ist am 9. April im schönen Landhaus Bacher inszeniert worden (www.landhaus-bacher.at). Lisl und Klaus Wagner hatten als Gastgeber im Rahmen des Wachauer Gourmet-Festivals zu einer Gala mit Champagne Krug geladen. Für Heidegger, den Philosophen, war ein Krug „ein zu Füllendes“ – physikalisch korrekt definiert, aber nichtssagend gegenüber den Wonnen von Krug-Champagner im Verein mit großer, von Thomas Dorfer künstlerisch ins Werk gesetzter Küche. Der gebürtige Kärntner hat sich an die österreichische Spitze vorgekocht, gefordert und gefördert von Lisl Wagner-Bacher, seiner Schwiegermutter, die als eine der weltbesten Köchinnen das Landhaus bereits zu einer berühmten Adresse gemacht hat, bevor sie das Zepter weiter gegeben hat.

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Zwei Prachtweine: 1961 Ducru-Beaucaillou und 1970 Calon Ségur

Geschrieben von: August F. Winkler

Giraudoux „Irre von Chaillot“ pflegt jeden Morgen unerschütterlich dieselbe Nummer einer bestimmten Zeitung zu lesen, um sich, wie sie sagt, den Tag nicht durch Neuigkeiten verderben zu lassen. Das ist eine philosophische Einstellung von tiefer Gelassenheit, freilich auch ein bemerkenswerter Fall von Beharrung. Der erspart Aufregungen, verhindert aber auch die immer wieder interessante Spannung, die in der Begegnung mit Neuem liegt – oder mit Altem, wenn es um Wein geht wie den 1961er Château Ducru-Beaucaillou oder den 1970er Château Calon-Ségur.

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Flirt mit Latour, Margaux, Knoll

Geschrieben von: August F. Winkler

.. Zeltinger Sonnenuhr, Grand Puy-Lacoste & Co

Für Hermann Hesse war er der „süße Gott“, Goethe mochte keinen Tag auf ihn verzichten. Stendhal schwärmte gar vom „Wunder der heiligen Flasche“. Gemeint ist jeweils der Wein, der Jahrtausendealte Spender von Genuss & Rausch. Man schenke sich einen 1990 Château Latour ein und wird selbst als Sonntagstrinker, der bis dato noch nie einen Wein über 25 Euro getrunken hat, erleben, wie eine Woge des Glücks seinen Gaumen durchflutet. Tiefdunkelrot glänzt der Wein im Glas, aus dem erst zurückhaltend, dann immer offener und generöser ein tief geschichteter Duftstrom dringt, beginnend mit Röstaromen à la Tabak, Kaffee, Bitterschokolade sowie Kakao und zunehmend übergehend in fruchtige Noten wie Waldhimbeere, Kirsche, Cassis und getrocknete Feigen, ergänzt um Trüffel, schwarzen Keemun-Tee und Gewürzen nebst einem feinen Hauch von Minze. Das ist ein mächtiges Gewächs, ein Herr aus Pauillac, noch nicht in Vollkommenheit ausgereift, aber schon mit Hochgenuß trinkbar, nein: erlebbar.

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Die Weinprobe: Ein genießerisches Hm sagt oft mehr als 1 000 Worte

Geschrieben von: August F. Winkler

Es ist ein grandioses Schauspiel, wie Wilhelm Haag, der famose Moselwinzer aus Brauneberg und Senior des seit 2005 von Sohn Oliver geführten Weinguts Fritz Haag, mit einem gewaltigen Schmatz einen Schluck seiner 1993er Juffer-Sonnenuhr Auslese über die Zunge zieht. Dieses gleichzeitige Schlückeln und Ansaugen von Luft klingt wie das Röcheln eines Ferrari, wenn der in einem Tunnel vom dritten auf den zweiten Gang herunter geschaltet wird. Der geballt auf Zunge und Gaumen gezogene Sauerstoff, so erklären Profis ihr schmatzendes Trinken, mache den Wein geschmacklich transparenter. Mag schon sein, daß der Luftzug die Aromen sozusagen erblühen läßt (in gleich geräuschvoller Weise wird übrigens auch Tee getestet). Auf Amateure wirkt eine solche Verkostung allerdings wie ein schwer durchschaubares Zeremoniell, vergleichbar gewissen Fruchtbarkeitsriten von Naturvölkern.

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