Das Genußatelier: Weinvergleiche zwischen sinnvoll und obskur

Schopenhauer, der Philosoph und geistreiche Ironiker, hat das Vergleichen als die Quelle allen Übels benannt. Da ist was dran, das gilt auch für den immer beliebter werdenden Vergleich von Weinen und speziell dann, wenn unterschiedliche, vielleicht noch stark divergierende Rebsorten miteinander verglichen werden – und dies nicht selten in der Manier eines Kampftrinkens. Um nicht mißverstanden zu werden: Vergleiche sind nötig und wichtig, um sich ein Urteil bilden zu können, auch um herauszufinden, was einem wie schmeckt. In diesem Sinne ist das Vergleichen der erste Schritt zur Aufklärung, nur sollte es nicht wie ein Krieg inszeniert werden. Wer ein filigranes Möselchen gegen einen kapitalen Elsässer Riesling trinkt und bewertet, hat vom Wein und zumal von angewandter Trinkkultur nichts begriffen.

Selbst dem Vergleich von kalifornischen Cabernets mit Médoc-Gewächsen haftet etwas Theatralisches an. Zwar haben sich die beiden Weintypen in den letzten Jahren leicht angenähert. Die Kalifornier haben an Schliff, ja gewisser Finesse gewonnen, wohingegen etliche Bordelaiser Châteaux immer furchtloser neue Techniken zur Bereitung von molligeren Kreszenzen nutzen – und die Klimaerwärmung spielt natürlich auch mit. Das Ergebnis sind fettere Weine, man kann das als Weinpopulismus bezeichnen. Aber letztlich läuft solch ein Vergleich nur auf eines hinaus, nämlich die Konfrontation zwischen Körpertrinker und Eleganztrinker.

Um ein Beispiel zu nennen, nehme man von Chuck Wagner den Caymus Special Selection, einen puren Cabernet Sauvignon. Mit welchem Bordeaux will man dieses Weinmonster schon vergleichen, vielleicht gar wertend mit dem Ziel, den Besseren zu küren? Gut, man kann den 1975er Caymus – übrigens der erste Special Selection – etlichen Médocs des gleichen Jahrgangs vorziehen, wobei berücksichtigt werden sollte, daß es 1975 im Bordelais wirtschaftlich nicht zum Besten stand. Doch was sagt so ein Vergleich schon aus? Und wer den 1999er, dieses Kraftbündel, einem Haut-Brion oder Margaux gegenüber stellt, dem kann allenfalls unterstellt werden, daß er Marilyn Monroe als Typ einer Audrey Hepburn vorzieht…

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