Genußatelier: Henri de Toulouse-Lautrec und seine Abscheu vor Wasser

Diese Geschichte von Henri de Toulouse-Lautrec ist ein Stück angewandte Lebensart, angereichert mit einer feinen Prise Ironie. Der Maler, Junggeselle, passionierte Koch und begnadete Gastgeber war der umherzte Liebling seiner Mutter, die ihn von Kindheit an mit Delikatessen verwöhnte wie gemästeten Kapaunen, Meeresfrüchten, Wildbret, natürlich getrüffelter Gänseleber und edlen Weinen. „Ich mag diejenigen Gäste, die etwas Kannibalisches an sich haben und laut ‚Ich habe Hunger‘ schreien, wenn sie zum Essen kommen“, hat er postuliert, der selber raffinierte Menüs zubereitete und Kochrezepte sammelte.

Auf einer Schiffsreise nach Spanien hatte er in seinem Gepäck auch einen erklecklichen Vorrat an ausgewählten Weinen und Gewürzen mitgeführt, und er zwang den Kapitän, den nächsten Fischerhafen anzulaufen, um dort frische Meeresfrüchte zu erstehen. Danach begab sich Toulouse-Lautrec in die Schiffsküche und bereitete für die darob begeisterten Passagiere sowie die Besatzung Hummer- und Fischgerichte zu.

Der Aristokrat war auch ein talentierter Mixer, einer der ersten Franzosen, der sich für Cocktails begeisterte. Wenn er in seinem Château du Bosc in Albi zu einem Mahl lud, wurde das Essen rituell von alkoholreichen Drinks in kleinen Silberbechern eröffnet. Danach gab es z. B. Entenleber, Steinpilze in Weißwein, sautierte Goldbrassen und Täubchen mit Oliven, sein Lieblingsgericht. Dazu wurden selbstverständlich Weine entkorkt, weiße wie rote, bevorzugt die regionalen Gewächse aus Gaillac.

Der Clou: Weil Toulouse-Lautrec Wasser bei Tisch nicht ausstehen konnte und seine Gäste es ihm gleichtun sollten, setzte er in die zur Tischkultur gehörenden Wasserkaraffen kurzerhand Goldfische.

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