Château Lafleur: Sinnlichkeit mit Ernst aus dem Pomerol – Teil I

Wer genießen kann, trinkt keinen Wein mehr, sondern kostet Geheimnisse
(Salvador Felipe Jacinto Dali, 1904-1989).


Es begab sich an einem Wochenende im Januar 2017, daß sich elf Männer, sämtlich promovierte Trinker und alle Mitlieder honoris causa der IG Wein & Genuß, an einen blank polierten Holztisch setzten, um den Lebenslauf von Château Lafleur ziemlich umfassend zu erkunden. Was an diesem Samstag in einer Atmosphäre voll gespannter Ruhe begann, wie sie im Auge des Hurricans herrscht, endete am Sonntag in dem Bewußtsein, etwas sehr Rares, ja Außergewöhnliches erlebt zu haben. Jeder hätte Frau und Geschäft, auch die Geliebte bedenkenlos verlassen, um dabei zu sein bei dieser grandios inszenierten Weinoper mit dem verheißungsvollen Titel „Château Lafleur zwischen 1945 und 2010“. Es war so etwas wie die allerschönste Brechung der Wirklichkeit durch große Weine.

Der anonym bleiben wollende Gastgeber, vermögend und alleine lebend in einer eleganten, von zwei Angestellten und einem Gärtner betreuten Villa, hatte vor 25 Jahren angefangen, Lafleur zu sammeln – angeregt übrigens durch einen Bericht von mir anläßlich der legendären, 1992 inszenierten Verkostung von 1947er-Weinen im Rahmen der „Linzer Gang“. Das war der Nom de guerre einer Gruppe von 15 Herren, die sich jährlich zu einer Themenprobe trafen; Schwerpunkt waren jeweils Bordelaiser Gewächse, umrahmt von großen Tokajer und feinen Wachauer Weinen. Als Initiatoren dieser friedlichen, dem Genuß dienenden „Gang“ zeichneten Dr. Peter Baumann, Jurist, Weinfex und wegen seiner majestätischen Sammlung alter Tokajer Kreszenzen auch „Dr. Tokaj“ genannt, sowie der Koch und Gastronom Günter W. Hager, in dessen Landhaus nahe der tschechischen Grenze diese 47er-Probe spektakulär mit zwei Magnumflaschen begonnen hatte: Cheval Blanc und Lafleur!

Lafleur Monika_Guenter_Hager

Beides sind Weinriesen, nur: Im Gegensatz zu dem wegen seiner ungewöhnlich reichen, ja expressiven Aromatik damals bereits glorios überstrahlten 1947er Cheval Blanc war der Lafleur und insbesondere die hohe Klasse des 1947ers selbst erfahrenen Weinfreunden weitgehend unbekannt. In speziellen britischen und vor allem auch belgischen Kellern war das Mini-Gut aus dem Pomerol wohl heimisch, doch darüber hinaus nur wenigen Eingeweihten geläufig. Und das änderte sich radikal nach der Linzer Verkostung, in die Wege geleitet durch John Avery, den traditions- und kenntnisreichen Weinhändler aus Bristol (1942-2012), der aus seinem Privatkeller den 1947er Lafleur in die Linzer Provinz mitgebracht hatte.

In meinen Notizen von damals habe ich diesen ungewöhnlichen Wein so beschrieben: „Dunkelrot, undurchsichtig; dicht geflochtenes Bukett, konzentriert und reich, feinwürzig nuanciert mit Noten von Malzsüße nebst ein bißchen Holunder, Eukalyptus, dunklem Beerengelee à la Himbeermark und etwas Havanna-Tabak. Voll, intensiv am Gaumen, ja wuchtig und zugleich seidig elegant mit edelbitterer Note in Richtung schwarzem Assam-Tee, Kakao und Schokolade nebst schwarzer Trüffel sowie erdiger, mineralisch angedeuteter Würze. Man hatte das Gefühl, auf Wein ‚zu beißen‘. Jeder Schluck torpedierte den Gaumen, der unter diesem Fruchtmonster gleichsam erzitterte. Herrlich schmeckte zudem der Rest aus der Flasche mit dem Depot als hochkonzentriertem Lafleur.“

Lafleur John_AveryHardy Rodenstock, der bekannte Weinsammler, war von dem 47er-Lafleur, den selbst er bis dato noch nie getrunken hatte, derart entzückt, daß er darum bat, die Flasche mitsamt Etikett mitnehmen zu dürfen, was ihm Avery, jeder Zoll ein Gentleman, auch gestattete (im Jahr darauf hatte Avery eine weitere Magnum 1947 Lafleur bei „Chriestie’s“ für rund 4 500 Mark versteigern lassen; der Schätzpreis war mit 600 Pfund festgelegt worden – heute müßte für eine 47er-Lafleur in der 1,5-Liter-Flasche ein Vielfaches in fünfstelliger Zahl berappt werden, aber es ist fraglich, ob es weltweit überhaupt noch eine authentische Magnum gibt). Tatsächlich gehört der Wein zu den am meisten gefälschten Flaschen; seit etwa Mitte der Neunzigerjahre fluten bis heute mehr oder weniger gelungene Falsifikate den Handel, in der Standardflasche ebenso wie in der Magnum, von der erheblich mehr um die Welt zigeunern als je gefüllt worden sind.

1947 Lafleur – ein Kuckuck unter zwei echten Flaschen!

Jeder feine Wein erschließt dem Trinker eine sinnliche Welt, die leise Zärtlichkeit ebenso umfaßt wie gewaltige Leidenschaft. Und diese Emotionen potenzieren sich, wenn ein so genannt großer Wein im Glase schwabbt, also ein Gewächs, das mit jedem Schluck einen Schock des Glücks auslöst und den Alltag so kleinwinzig aussehen läßt, als betrachte man die Welt um sich verkehrt herum durch ein Fernglas. Unter den Lafleurs unserer Probe gab es viele Jahrgänge, die entzückten, aber naturgemäß galt dem 1947er besonderes Interesse - und dies zumal, weil der generöse Gastgeber gleich drei Flaschen auffahren ließ: eine Château-Abfüllung, eine belgische Vandermeulen-Abfüllung und eine Fälschung, die extra für eine verdeckte Verkostung der drei Flaschen eingekauft worden war (über das Ergebnis mit Details dieser hochinteressanten Gegenüberstellung werde ich im zweiten, demnächst folgenden Teil des Lafleur-Reports berichten – im Kontext der Jahrgangsbewertungen von 1943 bis 2015).

Lafleur weine

Jedenfalls löste die Verkostung, an der neben den bereits genannten Personen u.a. auch Clive Coates (englischer Weinautor), Dr. Josef Krenner (damals hoher Finanzbeamter in Linz), Jan-Erik Paulson (Weinhändler), Hans-Burkhard Ullrich (Jurist und Hotelier), Georg Wolff (Unternehmer), Dr. Anton Bodenstein (Winzer, Weingut Prager in der Wachau), Wolfgang Nolz (damals hoher Finanzbeamter in Wien) teilgenommen hatten, eine Art Erweckung des Lafleur aus. Geradezu urplötzlich, als habe Bacchus einen Schalter angeknipst, war der Wein nicht länger ein Geheimtipp, sondern zumindest innerhalb der inneren Weinszene begehrt wie bis dahin Pétrus, Cheval Blanc, Latour, Haut-Brion, Margaux und die Rothschilds aus der Prémieres-Cru-Kaste des Médoc.

Man wird heute also nicht mehr langmächtig erklären müssen, was sich hinter „Lafleur“ (auf Deutsch: die Blüte oder Blume) verbirgt. Das klitzekleine Weingut mit gerade mal 4,58 Hektar Reben ist ein vom Wein zur Legende gewordenes Kultgewächs aus dem Pomerol - als Gut baulich eine Hütte mit sieben Fenstern und zwei Türen. Mit maximal 12 000 Flaschen pro Jahr ist es ein Zwerg, doch weinmäßig ein Kleinod und der stärkste Konkurrent von Pétrus, einem seiner Nachbarn und dem in manchen Jahrgängen wie etwa 1983, 1985 und 1988 auch überlegen. Pétrus ist fraglos ein suggestiver Wein, mit seinen bis zu 100 Prozent Merlot hat er etwas von der sinnlichen Wärme eines Burgunders. Hingegen verfügt der im Regelfall halbehalbe aus Merlot und Cabernet Franc komponierte Lafleur über eine besondere Distinktion; er ist komplex strukturiert, vielschichtiger angelegt als Pétrus, dabei niemals vordergründig, bei allem fruchtigen und aromatischen, in einigen Jahrgängen auch überbordenden Reichtum eher streng in seiner Stilistik, stets muskulös gebaut und mitunter sogar herrisch.

Der Lafleur ist kein Schmeichler, zumindest nicht in den Jahren bis 1985, die neben seiner Fruchtdichte auch von einem ziemlich kräftigen Tanningerüst geprägt sind. Das gibt dem Wein Rückgrat, ließ ihn aber in jungen Jahren auch leicht abweisend wirken. Der im Regelfall kraftvolle bis wuchtige Körper von Lafleur ist zum einen die Mitgift des Terroirs in Kombination mit traditionell später Lese – auch das Durchschnittsalter der Rebstöcke von 30 Jahren spielt eine Rolle; etliche Stöcke sind älter als 70 Jahre, auf Lafleur ist man vom verheerend wirkenden Jahrhundertfrost des Jahres 1956 verschont geblieben. Zum anderen ist es der für Pomerol hohe Anteil an Cabernet franc, der dem Wein die markante Aromatik, dessen Vielschichtigkeit und die für Lafleur so typische Ernsthaftigkeit wie Langlebigkeit gibt.

Freilich muß bei Lafleur zwischen der Epoche vor 1985 beziehungsweise 1987 und danach unterschieden werden. Im Charakter hat sich nichts geändert, doch im Stil. Ein Lafleur von 1990, 2000 oder 2009 gleicht oder ähnelt dank seiner genetischen Festlegung einem Lafleur von 1982, 1975 oder 1955. Anders gesagt: Ein Lafleur wird für den Kenner immer als solcher identifizierbar sein. Aber zur urwüchsigen, ja mitunter rustikal zu nennenden Kraft der Weine vor 1985 gesellte sich seither zunehmend das Element der Finesse. Jacques Guinaudeau, der mit Sylvie, seiner vinologisch kongenial denkenden Frau, 1985 das Gut von seiner Großtante Marie-Geneviève Robin gepachtet und es Ende 2001 von ihr geerbt hatte, hat den Wein, sich der Tradition und des außerordentlichen Wertes von Lafleur bewußt, behutsam in Richtung mehr Eleganz reformiert, getreu seinem Leitmotiv von Equilibre, also Ausgewogenheit.

Lafleur Chateau_gross

So hat er im wettermäßig schwierigen Jahrgang 1987, in dem es ausgerechnet zur Erntezeit im Oktober reichlich regnete, unter Verzicht auf den Grand vin den höchst achtbaren Zweitwein Les Pensées de Lafleur (Pensée auf Deutsch: Gedanke oder Stiefmütterchen; nebenbei bemerkt: unter diesem Titel schrieb Blaise Pascal sein philosophisches Hauptwerk) eingeführt, vom dem im Jahresschnitt um die 5 000 Bouteillen gefüllt werden - ein Akt, der seiner auf Sparsamkeit bedachten Tante nicht im Traum eingefallen wäre.

Ab 1988 werden die Trauben einer strikten Selektion unterworfen, beginnend bei der Ernte und danach auf dem Laufband vor dem Einsatz der Presse. Jacques Guinaudeau kennt jeden Rebstock mit Namen, der Garten ist sein Paradies. Die Anzahl der neuen Eichenbarriques ist, abhängig von der Art des Jahrgangs, auf 50 bis 70 Prozent aufgestockt worden. Und flexiblere Erntezeiten in Verbindung mit moderner, von Guinaudeau jedoch subtil genutzter Kellertechnik ermöglicht es zudem, klimabedingte Wechselfälle in den Jahrgängen besser auszutarieren, wovon feine Jahrgänge wie 1988, 1989, 1990, 1992, 1993, 1995, 1998, 1999, 2000, 2001, 2003, 2004, 2005 2006, 2009, 2010, 2011, 2012, 2014 sowie 2015 künden.

Kleine Hommage an einen noblen Weinschmeckkünstler

Unser Gastgeber gehört zu jenen Menschen, mit denen ich gerne Wein trinke. Um ein vordergründig gespeistes Mißverständnis gleich auszuschließen, hat das nichts mit der generösen Einladung zur Lafleur-Probe zu tun. Gewiß, es ist herrlich, vermögende Freunde zu haben, die nicht nur über ein wohltemperiertes Orchester an Weinflaschen verfügen und auch kostbare Gewächse nicht wie Sklaven im Keller halten, sondern zum heiter-ernsten Dialog an den Tisch bitten. Nein, ich trinke gerne mit ihm wegen seiner wachen Aufmerksamkeit, die er selbst über einen langen Abend hin dem Wein widmet. Und er tut dies, als sei der Wein – wie der Mensch - ein gleichwertiger Partner. Ich habe reichlich Männer und eine Frau kennen gelernt, die, weil sie selber nichts Besonderes sind, nur reich und unkultiviert, einen teuren Wein entkorken, damit wenigstens etwas Besonderes um sie ist. Ganz anders unser liebenswürdiger Gastgeber. Er kann über einen Wein so innig und zugleich unprätentiös plaudern wie Jesus über das Abendmahl. Und, noch schöner, er kann mit einem beim Wein auch so schweigen, daß kein bißchen Gespanntheit aufkommt.

Jacques und Sylvie Guinaudeau, beides engagierte Winzer und die Liebenswürdigkeit in Person, besitzen auch das Château Grand Village in Mouillac (Fronsac), in dem sie wohnen und einen Bordeaux Supérieur von freundlicher Noblesse erzeugen, sozusagen einen fruchtigen und erfreulich preiswerten Lunchwein für die anspruchsvolle Lady. Daneben wird ein Weißwein als Cuvée von Semillon mit Sauvignon blanc auf der Basis eines Sancerre-Klons von der Loire gekeltert. Die Familiengeschichte wird inzwischen von Sohn Baptiste und dessen Frau Julie ganz im Sinne der Eltern und deren naturnaher Bewirtschaftungspolitik fortgeschrieben.

Lafleur Jacques_Silvie

Über die besondere Güte der Lafleur-Weine läßt sich bereits 1893 im erstmals in deutscher Sprache aufgelegten „Bordeaux und seine Weine“ von Ch. Cocks und Edouard Feret nachlesen, wo es auf Seite 455 rühmend heißt: „Herr Henry Greloud besitzt in dem besten Gewächs von Pomerol die kleine Enklave Lafleur, von einem Boden-Inhalt von ungefähr 4 Hkt., welche ohne Widerrede das hübscheste Weingut in der Umgegend von Libourne ist, und in moderner Weise auf reinem Kiesboden mit Bouchet-Sauvignon, Merlot und Malbec bepflanzt ist; es erzeugt Weine, welche ein köstliches Parfüm und bemerkenswerthe Feinheit haben und die Preise von 1,700 bis 2,000 Fr. nach der Lese erzielen.“ Angemerkt sei, daß Bouchet-Sauvignon der im Bordelais übliche Namen für Cabernet Franc ist – und die Preise für Pétrus lagen damals zwischen 1,600 bis 3,000 Francs pro Tonne.

Greloud hatte Lafleur 1872 gegründet, entstanden auf einer Nachbarparzelle von Château Le Gay, das ihm - wie auch Château Grand Village - gehörte. Charles, sein Sohn, führte die Geschäfte bis 1916 und verkaufte, in die Jahre gekommen, die Güter an André Robin, den Mann seiner Cousine, der bis dahin im Weinhandel tätig war, den Laden jedoch verhökerte, um sich gleichermaßen enthusiastisch wie kundig der Winzerei zu widmen. Er sorgte für die besten Selektionen beim Rebmaterial, legte die bis heute gültige Cuvée von jeweils halb Merlot und Cabernet Franc fest und führte auf Le Gay sogar einen zeitweiligen Zweitwein ein, betitelt St. Vincent du Gay. Nach seinem Tod im Jahre 1945 übernahmen die Töchter Thérèse und Marie-Geneviève die beiden Güter Lafleur und Le Gay (die 8 Hektar Weingärten von Le Gay sind – wie auf Lafleur - zu je 50 Prozent mit Merlot und Cabernet Franc bestockt, im Schnitt werden pro Jahr 24 000 Flaschen gefüllt).

Die Schwestern, beide unverheiratete Jungfern und Originale, durchaus auf rührende Art etwas skurill veranlagt, führten die Güter auf eigenwillige bis archaische Weise in einer Mischung aus Traditionsbewußtsein, Gottvertrauen, Geiz und Lässigkeit. Augenzeugen berichten von Enten, Hühnern und Kaninchen, die sich unbehelligt im ebenerdig gelegenen Faßkeller tummelten. Jede Traube war für Lafleur bestimmt, nichts wurde aussortiert, was, um es gnädig zu formulieren, den erdig bis derben und mitunter dumpfen Ton in einigen Jahrgängen erklärt. Auf neues Holz für die Fässer hatten die Frauen weitgehend verzichtet. Die Ernte fand notorisch spät am Ende der Saison statt, denn zuvor ließen die Schwestern die Trauben auf Château Le Gay einbringen. Das führte zu einer gewissen Überreife in manchen Jahrgängen.

Aber bitte, das ergab solche Weingiganten wie den 1945er (damals noch unter „1er Grand cru Pomerol“ etikettiert, ab 1951 nur noch schlicht als „Grand cru), 1947er, 1949er, 1950er. Auch 1948, 1952, 1955, 1959, 1961, 1962, 1964, 1966, 1970, 1971, 1975 und 1979 sind Gewächse von sehr guter bis großer Klasse (in den Jahren von 1981 bis 1984 war Moueix für die Vinifikation und Granden wie 1982 sowie 1983 verantwortlich; das Haus, das neben zahlreichen anderen Gütern auch Pétrus zu seinem Besitz zählt, war bereits für die Vermarktung von Lafleur zuständig). Den 1945er wie auch den 1961er und noch manchen anderen Jahrgang habe ich allerdings in unterschiedlicher Güte zwischen exzellent und befriedigend erlebt – eine Folge der damals generell üblichen Flaschenfüllungen von Faß zu Faß.

Nach dem Tod von Thérèse Robin im Jahre 1984 verpachtete ihre Schwester den Besitz an Jacques Guinaudeau, den sie später, wie bereits weiter oben beschrieben, auch zu ihrem Erben einsetzte - zum Entsetzen von Jean-Pierre Moueix, dem einflußreichen Patriarchen (1913-2003), der bis zuletzt gehofft hatte, Lafleur übertragen beziehungsweise verkauft zu bekommen. Dabei, so wird im Bordelais geraunt, habe sich der Mann nicht gerade chevaleresque benommen und der gottesfürchtigen Marie-Geneviève eingeflüstert, ihr Vater und ihre Schwester seien ihm aus dem Himmel im Traum mit der Botschaft erschienen, daß Lafleur zu Pétrus gehöre, also er, Moueix, das Gut erhalten solle. Thérèse Robin entschied sich jedoch familiär. Um die in Frankreich hohe Erbschaftssteuer bewältigen und Lafleur behalten zu können, schluckten die Guinaudeaus einen Wertmutstropfen und verkauften Le Gay 2002 an die Industrielle Catherine Péré-Vergé.

(Teil II mit den Jahrgangsnotizen von1943 bis 2015 folgt in einer der nächsten Feinschmeckerey-Journale)

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