Genußatelier: Wein & Erotik

Alles auf Erden dreht sich um die Liebe und wie man sie entfacht. Für Euripides, den altgriechischen Denker, war die Sache klar: „Wo der Wein fehlt, da stirbt der Reiz der Venus.“ Recht hat er, doch halt: angelsächsische Mediziner wollen herausgefunden haben, daß Alkohol die Liebesfähigkeit mehr bremst als fördert. Wer säuft, der liebt schlecht. Angeblich verkrümelt sich das männliche Sexualhormon Testosteron im Blut von Männern, die regelmäßig viel Alkohol trinken. Dies hieße in schlichtem Klartext: Schluckspechte verlieren Lust und Fähigkeit zur Liebe. Adieu Erotik, Gute Nacht mit dem Sex.

Sapperlot! Nun kann man das glauben oder auch nicht. Zwar gibt es Frauen, die den Beobachtungen der nüchtern forschenden Wissenschaftler betrübt zustimmen, und so mancher erhabene Zecher wird nach einigen Flaschen Wein in einer Frau eher eine liebe Stütze als eine Gespielin für erotische Basteleien sehen. Aber andererseits ist die Wissenschaft dafür bekannt, alles und jedes zu beweisen – auch das Gegenteil von dem, was sie soeben noch behauptet hat.

Als notorischer Weintrinker ist man gerne bereit, den Herren Doktoren beizupflichten, wenn
die sagen, dass übermäßiger Konsum von Bier, Schnaps und dergleichen Vulgaritäten die Liebeslust dämpft und speziell die Zärtlichkeit. Auch der heftige Genuß von Rotwein, ob Grand Cru oder Bauerntrunk, macht eher melancholisch als dynamisch. Port stimmt philosophisch, und schwere Weißweine wie die Mächtigen vom Stamme eines Montrachet, ganz zu schweigen von den fetten Chardonnays aus Übersee, wirken eher beruhigend als stimulierend.

Aber nie und nimmer stimmt die liebeslusthemmende Wirkung von Champagner und herben Weißweinen. Im Gegenteil. Ein Muskateller, schlank ausgebaut und von zartfruchtigem Charme, macht selbst aus einem biederen Beamtentyp einen Verführer. Es gibt scheue Naturen, die nach dem Genuß eines Glases rosenduftigen Traminer plötzlich keck werden und unternehmungslustig wie niemals sonst in ihrem Leben. Und umso stärker ist diese geradezu drogenartige Wirkung auf Geist & Willen, wenn es sich um einen besonders feinen, grazil strukturierten Riesling handelt wie vielleicht ein Möselchen.

Das sind Gewächse, die machen mobil, die regen an, die wecken auch nach dem siebten, achten Glas noch so manchen unproduktiv vor sich hin dämmernden Nerv. In diesem Sinne lautet die Empfehlung: Männer, wagt fröhlich den Selbstversuch.

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