Große Weinoper mit L’Eglise-Clinet, Knoll und Margaux

Ich verrate kein süßes Geheimnis mit dem Bekenntnis, daß ich ein Leben ohne Wein für einen Irrtum halte. Dies wäre so absurd wie etwa ein Panzer mit Tüll-Gardinchen. Der Kenner & Liebhaber weiß, daß jeder gute Wein eine Atmosphäre stilvollen individuellen Vergnügens schafft – guter Wein symbolisiert Muße und Reflexion, ja er ist der perfekte Typus des Genusses: Er schmeckt, er bezaubert, er läßt uns sinnieren, dabei 1001 Aromen erleben. Er befriedigt unsere Lust auf Genuß, macht jedoch niemals satt. Es bleibt stets die Hoffnung und die Sehnsucht nach dem nächsten Schluck. Das ist wie mit der Liebe! Und wenn großer Wein im Glas schimmert, dann gesellen sich noch Zärtlichkeit und Leidenschaft hinzu.

Genau solche Gefühle breiteten sich aus, als ein Weinsammler, der nicht genannt sein möchte, im vorigen Dezember einlud, mit ihm einige Raritäten zu verkosten, kulinarisch aufs Beste akkompagniert. Es war eine Weinoper als Hommage an das Château L’Eglise-Clinet aus dem Pomerol – und einige der Weine erinnerten mich an eine Verkostung von Hardy Rodenstock, der in Gesellschaft von Denis Durantou, dem Gutseigner, im Münchner Hotel Königshof eine Eglis-Clinet-Parade von einmaliger Klasse entkorken ließ. Ich dachte, so etwas läßt sich nicht wiederholen, aber denkste, der Gastgeber holte Eglise-Pretiosen aus dem Keller und ich hatte mein schönstes Déjà-vu-Erlebnis.

Leglise Denis_Durantou

Falls Sie, verehrter Leser und bezaubernde Leserin, einen passenden und zugleich außergewöhnlichen Wein zu einem gerösteten Hummer in Merlot-Butter suchen, so empfehle ich den 1947er Château L’Eglise-Clinet in der Magnum: Eine beeindruckende Begegnung, ein ernster Wein, der sich nur zögerlich öffnet, dann jedoch mit feinster Pomerol-Süße begeistert. Immer noch voller Kraft und sogar fruchtiger Finesse, prunkvoll und mirakulös in seiner unerhörten Frische zeugt er von der Kraft eines Stars. Es finden sich Aromen nach Sandelholz, Karamell, roten Beeren, Kokos und Vanille plus ein wenig Minze. Ein Naturwunder, die Inkarnation eines genialen Pomerol, freilich auch sehr rar und sehr teuer.

Und sollten Sie noch einen 1929er oder 1921er L’Eglise-Clinet besitzen, darf man/frau sich entspannen. 1929: erneut ein Naturwunder, freilich ebenso selten. Suggestives Bukett, zusammengesetzt aus Fleischextrakt, Rosinen, Rosenholz, reifen Feigen, Vanille und Bitterschokolade mit Minze. Nicht enden wollend. Subtile Süße. Große Klasse! 1921: Magnum mit originaler Kapsel und Kork. Unglaublich frisch wirkend, dicht gewoben mit Tiefgang und Aromen nach schwarzer Herzkirsche, dunklen Beeren, Tabak, Karamell, Kaffee und Schokolade nebst einem aparten Hauch von Minze. Nach diesem Wein meint man, nur rote Blutkörperchen zu haben. Den 1921er hatte ich zuvor nur ein einziges Mal getrunken, nämlich bei jener von Rodenstock inszenierten Eglise-Gala; Robert M. Parker war damals mit von der Partie und hoch entzückt.

Glorreich ist auch der 1959er L’Eglise-Clinet: Konzentriert und komplex mit Noten nach Honig, Karamell und Malz nebst Gewürzen. Ein fein gewobener Wein, ausgeglichen, ungemein finessig. Bietet burgundische Sinnlichkeit. Auch große Klasse! Noch farblich dunkel glänzt der 1955er, dicht und tief mit reichem Aromenmix aus eingelegter Pflaume, Trüffel, Karamell, Vanille und ein bißchen Waldboden. Feine Extraktsüße. Unendlich langer Nachklang, aufs Feinste gereift. Ebenfalls große Klasse! Hingegen besticht der 1950er durch seinen ziseliert gewobenen Fruchtkörper, gewürzig unterlegt mit wunderbar schmelzendem Tannin und cremiger Süße. Seidige Finesse! Dicht und tief ohne Runzeln präsentierte sich der 1949er: Ein Meisterwerk der Natur. Feinste Pomerol-Süße aus Himbeere und Schokolade, bietet sinnliche Raffinesse. Dazu ließ der generöse Gastgeber ein getrüffeltes Kalb auftischen.

Leglise Chateau

Für Genüsse en suite sorgten weitere Jahrgänge. 2000: Dicht und tief. Verheißungsvolles Bukett, fruchtig, würzig und feine Schokonote. Kompakt und komplex mit Länge. Perfekte Harmonie. Ein Nektar mit reichlich Potential, reicher als Pétrus und Le Pin? Große Klasse! 1999: Fest gebauter Fruchtkörper,vielschichtig, sehr feines Tannin von aufbauender Kraft. Delikate Süße, reich und dabei fein balanciert. Einer der Jahrgangsbesten, vereint Kraft mit Finesse. Sehr gut! 1998: Anfangs verhalten, sich zunehmend und überschwänglich öffnend. Enorm dicht und tief; das Tannin ist mächtig, aber nicht aggressiv. Ein ernsthafter Wein, ein vin de garde voller Kraft und hintergründiger Eleganz. Große Klasse! 1997: Die Nase registriert einen feinen Duftstrom aus Himbeeren und Kirschen, Vanille, Karamell, Gewürzen und sanften Röstaromen. Ein eher einfach gewobener Wein, dank seiner weichen Tannine schon sehr gut trinkbar. Gehört zu den Besten dieses nicht gerade charakterstarken Jahrgangs. Sehr gut!

DerVollständigkeit halber seien noch zwei weitere bemerkenswerte Weine im Rahmen jener genial inszenierten Weinoper erwähnt. 2000 Riesling Kellerberg Smaragd von Emmerich Knoll (Wachau) als Vorspiel: Ein Riesling in Perfektion, ein Fruchtbündel, das Kraft mit Rasse und Finesse aufs Schönste vereint. Es mag nach übertriebener Frömmelei klingen, aber es ist so: Der Wein hat sich, dem Gesetz der Alterung nicht folgend, im Laufe der ihm höflich gewidmeten halben Stunde zunehmend verjüngt. Duft und Geschmack signalisierten eine faszinierende Frische. Unendlich lang scheinender Abgang. Wahrlich ein großer Wein von strahlender Riesling-Schönheit und ein Traumpartner zu einem im Ganzen gegarten, fünf Kilo schweren Steinbutt in einer zarten Sauce Béarnaise.

Zu einer Taube, artig gefüllt mit Gänseleber und à la Financiére (nach Finanzmanns-Art) flankiert von Geflügelklößchen, Hahnenkämmen, Champignons und schwarzem Trüffel, wurde schließlich ein1961er Château Margaux in der Magnum kredenzt: Leuchtendes Rubin. Ein verheißungsvolles Bukett nach dunklen Früchten (Pflaume, Maulbeere), Blumen, schwarzem Trüffel, Leder – fein ziseliert und das typische Margaux-Düfterl perfekt spiegelnd, eindringlich und anhaltend. Seidig gewobener Körper mit Tiefe und Länge. Hat Grazie und zeigt bilderbuchhaft, daß junge Weine über Frucht und Fülle verfügen, perfekt gereifte Gewächse hingegen durch Nachhaltigkeit und eine mit Worten nur unzulänglich zu beschreibende Finesse bezaubern.


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Weiter geht’s mit L’Eglise-Clinet. 1996: Reich und konzentriert mit Aromen nach roten Beeren, Vanille, Karamell und zarten Röstnoten, gewürzig flankiert nebst ein wenig Schoko mit Minze. Geradlinig gebaut, stark, generös, lange anhaltend. Sehr gut! 1995: Sehr dicht und fein gewoben mit einem reichen Bukett aus roten Beeren, Kirschen, Trüffeln, Vanille, Gewürzen, Karamell und Röstaromen. Tiefe. Kraft ist gepaart mit Eleganz. Potential. Große Klasse! 1990: Starkes, reich geschichtetes Bukett mit Aromen von dunklen Früchten, Schokolade, Vanille und Malzhonig. Süßwürzig. Opulent, lang anhaltend, ein wenig portweinartig, positiv gemeint. Große Klasse!

Margaux 1961_Label1989: Wirkt reif und süßlich mit Aromen von gebranntem Zucker, Malzschokolade und Kirschen. Nicht so mächtig wie der 1990er, doch ziseliert und delikat. Sehr gut! 1988: Dichte Frucht, reich geschichtete Aromatik mit Noten von dunklen Früchten, nebst etwas Vanille, Kräutern, Tabak und Schokolade. Wirkt in seiner ernsten, ja muskulösen und unsüßen Art etwas unpomerolisch, entwickelt sich im Glas jedoch zu einem Wein mit Seide und Eleganz. Sehr gut!

1985: Kraftvoll und komplex geschichtet mit Noten von roten Früchten, Zedernholz, etwas Vanille und Kräutern. Elegant, reintönig, lang anhaltend. Große Klasse! 1983: Würzig, vanillig, lecker gerundet mit weichen Gerbstoffen, einfach ein köstlicher Wein, den man genießt, ohne lange darüber nachzudenken. Der Erstling von Denis Durantou. Gut!
1982: Hat sich gut gehalten, ein sehniger Körper mit Aromen nach Brombeere, reifer Feige nebst Lakritze und Gewürzen mit leichter Tönung nach Waldlaub und Pilzen. Rund und füllig. Gut! 1978: Aufhellende Farbe. Intensiver Duft nach Röstaromen à la Mokka. Die Säure sorgt für einen leichten Mißton. Der Wein hat schon etwas abgebaut, zeigt aber noch einen Rest von Delikatesse. 1976: Weich, beerig geprägt, es sind Noten nach Zedernholz, Tabak und Gewürzen sowie Trüffel und etwas Olivenpaste wahrnehmbar. Schon ein bißchen gezehrt, aber noch charmant. Gut!

1975: Fruchtbetont mit zarter, leise minzig unterlegter Süße im Bukett und am Gaumen. Kräftiger, konzentrierter Körper. Reif, köstlich mit viel Charme. Sehr gut! 1970: Anfangs stört ein Ton nach Maggikraut, doch der verflüchtigt sich im Glas, macht Platz für süßliche Noten wie Karamell und Schokolade. Gut! 1966: Delikat gereift, ein feiner Wein mit deutlichen Molltönen in Richtung Röstaromen wie vor allem Kaffee und Karamell. Gut!
1964: Füllig, warmwürzig mit Aromen à la Pflaume, Kräuter, etwas Tabak und Vanille. Braucht Luft. Gut gereift, doch schwingt schon eine charmante Morbidezza mit. Sehr gut!
1962: Seltsames, süßlich unterlegtes Duftmix aus Kräutern, Moos, Zimt, Nuß und Karamell sowie Gewürznelke. Die Frucht ist gezehrt, am Gaumen machen sich malzige Töne breit.
1961: Je nach Flasche ein leckerer, nach Kaffee, Trüffel und Malz duftender sowie schmeckender Wein mit Charme, aber ohne Glanz. Oder ein Juwel mit frischer Farbe, Tiefe und elegantem Schmelz sowie suggestiver Extraktsüße. Sehr gut bis große Klasse!

Knoll KellerbergInteressant bei älteren Weinen wie dem 1945er, 1959er und auch 1961er ist ein feurig-würziges Aroma, das Syrah-Noten von der Rhone ähnelt. Bemerkenswert ist auch, daß der Cabernet Franc seine Talente erst nach einigen Jahren der Reife so richtig zur Geltung bringt. Ein L’Eglise-Clinet wechselt sein Aromenspiel zwischen dem ersten und letzten Schluck derart eindringlich und geradezu dramatisch wie nur wenige andere Weine. Zeitiges Dekantieren ist angebracht, bei jüngeren Jahrgängen empfiehlt sich eine besonders intensive Luftdusche. Die große Klasse des Weins wird auch durch Vergleiche mit anderen Pomerol-Granden belegt. Der 1947er Cheval Blanc war in früheren Jahren an portweinartiger Fülle ein Liebling der Körpertrinker, doch rustikal gegenüber dem eleganten L’Eglise mit der zarten Süße in einem ernsten Kern. Unübertrefflich gab sich L’Eglise-Clinet in den Jahrgängen 1950 sowie 1952 gegenüber Lafleur und Pétrus. Und als 1996er dominierte der Wein andere Koryphäen wie Mouton, Lafite, Margaux, Haut-Brion und Cheval Blanc – um einige solcher verdeckt durchgeführten Verkostungen zu zitieren.

Zwar genießt das Gut seit altersher einen exzellenten Ruf. Im „Cocks & Feret“ von 1893 – übrigens die erste deutsche Ausgabe dieser Bordelaiser Weinbibel – heißt es bewundernd, der Wein würde „stets als eines der 1sten Gewächse von Pomerol betrachtet…ein körperreicher, feiner und bouquetreicher Wein, dessen Eigenschaften sich durch Altern sehr entwickeln“. Diese Einschätzung stimmt bis heute, gleichwohl war das Gut lange nur Insidern geläufig, was u.a. daran lag, daß Pomerol mit seinen eher bäuerlichen Gutsstrukturen in Form des vorherrschenden Kleinbesitzes – die rund 800 Hektar Rebfläche wird von 200 Winzern bewirtschaftet - bis in die zweite Hälfte des vergangenen Jahrhunderts quasi im Hinterhof des Bordelais schlummerte, überglänzt vom aristokratisch beherrschten Médoc auf dem gegenüberliegenden Ufer der Gironde. Hinzu kommt, daß ein Médoc-Château pro Jahrgang bis zu einer Viertelmillion Flaschen und mehr füllt, wohingegen L’Eglise-Clinet in einem guten Jahr maximal 1 500 Kisten à zwölf Bouteillen schafft.

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Die ununterbrochen hohe Weinklasse von L’Eglise-Clinet kommt natürlich nicht von ungefähr. Das Gut ist in seiner heutigen Form im Jahre 1882 durch den Zusammenschluß von Clos l’Eglise (gehörte der Familie Rouchut-Trévot) mit Teilen der Domaine Clinet aus dem Besitz der Familie Mauléon entstanden – Clinet ist damals schon als eines der besten Pomerol-Gewächse angesehen worden. In den 1940er-Jahren kam das Gut in den Besitz der Familie Durantou, die freilich seit Jahrhunderten auf diesem Teil des Plateaus von Pomerol in Nachbarschaft der Kirche der Hospitaliers de Saint-Jean de Jérusalem ansässig ist. Madame G. Durantou als neue Besitzerin kümmerte sich allerdings nicht selbst um den Wein, sondern verpachtete das Gut an den tüchtigen Pierre Lasserre von Château Clos René.

Ab dem Jahrgang 1983 ist Denis Durantou für das Gut verantwortlich, und bereits mit seinem Premierenwein gelang dem hoch motivierten Mann mit dem unkonventionellen Auftreten ein delikater Wein, der sich nahtlos in die qualitative Kontinuität von Lasserre einfügte. Der grandiose 1985er signalisierte dann den Beginn eines neuen Höhenflugs, der sich in den 1990ern fulminant fortsetzte. Durantou kommt zugute, daß die rund sechs Hektar Weinberge im wesentlichen unzersplittert um die Kirche St. Jean herum auf bestem Plateau-Boden mit stark kies- bzw. ton-kieshaltigen und sandigen Schichten liegen, cirka 700 Meter von Pétrus entfernt. Dieser privilegierten Lage war es zu verdanken, daß ein Großteil der Rebstöcke den verheerenden Frost des Februars 1956 überlebte – ein Pfund aus hundert Jahre alten Reben, mit dem Lasserre ebenso kundig wucherte wie es nach ihm Durantou tat.

Der Wein entspricht im Schnitt einer klassischen Pomerol-Komposition aus etwa 80 Prozent Merlot und 20 Prozent Cabernet Franc (im Pomerol Bouchet genannt); in früheren Jahren sind auch um die fünf Prozent Malbec (Pressac im Pomerol) beigemischt worden, die heute, so weit noch vorhanden, wie die Erträge aus jungen Rebstöcken in den „La Petite Eglise“ fließen. Mit der Einführung dieses achtbaren Zweitweins und der damit verbundenen Selektion der Trauben hat Durantou eine wichtige Maßnahme zur Qualitätssteigerung getroffen. Dazu gehört neben einer niedrig gehaltenen Ernte und einer behutsamen Schönung sowie dem weitgehenden bis völligem Verzicht auf Filtration ein flexibler Einsatz von neuen Fässern: je nach Charakter des Jahrgangs erfolgt der Ausbau seit 2000 in 70 bis 80 Prozent neuem Holz (davor waren es 30 Prozent beim 1985er und 50 Prozent für 1995 sowie 96, 97 und 99). Großer Wert wird auf die Traubenreife gelegt, was die ideale Balance an Alkohol, Zucker und Gerbstoffen betrifft. Eine zu späte Ernte, wie neuerdings gerne praktiziert, lehnt Durantou ab, weil sich dann leicht ins Röstige sowie Marmeladige weisende Aromen einstellen könnten.

Denis Durantou setzt auf Reintönigkeit, und die ist, bei aller Individualität der Jahrgänge, ein prägendes Merkmal. Ein L’Eglise-Clinet aus sehr gutem Jahr erfreut das Auge mit einer tiefroten, schon mal ins Schwärzliche changierenden Farbe. Die Nase nimmt entzückt einen reichen und zugleich ziselierten Duftstrauß aus roten Früchten, Veilchen, schwarzem Trüffel und Vanille nebst feinen Röstaromen bis hin zu Karamell wahr. Ein dichtes Fruchtgewebe mit Substanz wird unterstützt von reifen Tanninen und charmiert mit langem Nachklang den Gaumen. Der Wein schämt sich nicht seiner Kraft, die allerdings selbst in üppig ausgefallenen Jahrgängen nie übertrieben wirkt, sondern stets ins Elegante spielt und dabei an burgundische Sinnlichkeit erinnert.

Leglise Clinet_Chateau

In der Pomerol-Hierarchie wird Pétrus als Platzhirsch geführt – wohl zu recht, denn der Wein dieses Heiligen ist über die Jahrzehnte hinweg von nahezu gleichbleibender superber Güte. Und auch Pétrus war – wie L’Eglise – lange Zeit ein Geheimtipp und ist international erst im letzten Viertel des 20. Jahrhunderts so richtig bekannt geworden, also ziemlich spät. Es ist eine Sache des persönlichen Geschmacks, ob man nun Lafleur, Le Pin, La Conseillante, Clinet oder eben doch L’Eglise-Clinet als Herausforderer von Pétrus ansieht. Jedes Gut hat seine Größen, aber der Eleganztrinker, der starke und charaktervolle Gewächse schätzt, wird wohl L’Eglise-Clinet küren. Der Ruhm hat freilich seinen Preis, die schönen Zeiten sind vorbei, als man den 1966er in den 1970ern noch wohlfeil für 50 Mark erwerben konnte.

Die Gala mit diesen Weinen, die wir keusch genießend und ohne die geringste Lust erlebten, sie mit Punkten oder sonstigen Symbolen zu befrachten, gehört für mich zu den denkwürdigsten Sitzungen des vergangenen Jahres. Wir sprachen über die Weine, klar, aber der Verzicht auf Analysen und Bewertungen beließ ihnen die Würde.

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