Champagner-Porträts der besten Marken und Sorten

Von Ayala bis Veuve Clicquot inklusive Geheimtipps

Ayala:
Das in Ay residierende, der breiten Öffentlichkeit wenig bekannte Haus steht für klar strukturierte Cuvées von weiniger Finesse. Der mit neun Prozent Restzucker angenehm trockene Brut Majeur ohne Jahrgang ist eine klassische, von Rotweinen geprägte Cuvée: fruchtdicht, rassig, frisch, harmonisch. Finesse zeichnet den langlebigen Blanc de Blancs aus (Heublumen, Mineralien, Zitrus, Hauch Brioche), Eleganz hat die Jahrgangscuvée.
Bezug: Fachhandel (Info: www.grand-cru-select.de)


Baron Albert:
Das 300 Jahre bestehende Winzergut in Grand Porteron bei Charly-sur-Marne stellt seit 1947 unter «Baron Albert» seinen eigenen Champagner her. Ein Teil der Grundweine wird in Eichenfässern ausgebaut – wie um die 50 Prozent beim «La Préference», wo sanfte gewürzige und vanillige Noten davon künden; auch nussige Aromen sind wahrnehmbar, ferner frische Zitrustöne in einem rundum balancierten und geradlinig strukturierten Fruchtkörper. Mit Temperament und klaren Aromen nach Blüten, gelbem Obst, zarten gewürzigen Einsprengseln und erfrischenden Zitrusnoten präsentiert sich der «Carte d’Or». Der Rosé wartet klassisch mit roten Aromen nach kleinen roten Früchten (wie Johannisberen) auf, flankiert von Blüten.
Bezug: Fachhandel (Info: Rindchen’s Weinkontor, www.rindchen.de)

Billecart-Salmon:
Residiert in Mareuil-sur-Ay. Elegante Stilistik von klarer, subtil nuancierter Art, lange lagerfähig. Der grazil gegliederte Brut Reserve besticht durch florale Noten mit Spur nach Mandeln. Reiche Aromatik sowie Finesse hat die Jahrgangs-Cuvée NF, fein gewoben ist der Blanc de Blancs, der Rasse mit Anmut verbindet. Fruchtige Finesse prägt den Rosé.
Bezug: Fachhandel (Info: Champa-Vins-Francais in Stolberg, Diese E-Mail-Adresse ist gegen Spambots geschützt! JavaScript muss aktiviert werden, damit sie angezeigt werden kann. )

Bollinger:
Kraftvolle Champagner von betont weiniger, cremig-geschmeidiger Art. Gut lagerfähig. Unter „R.D.“ werden ausgereifte Jahrgangschampagner vermarktet. Eine Rarität ist der markante, ja wuchtig angelegte „Vieilles Vignes Francaises“, ein in Kleinstmenge produzierter Blanc de Noirs, wie Champagner heißt, der nur aus roten Pinot-Trauben gekeltert wird.
Bezug: Fachhandel. (Info: www.grand-cru-select.de)

Chartogne-Taillet:
Kleines, feines Winzerhaus in Merfy nahe Reims. Unprätentiöse Stilistik mit Cuvées von klarer Fruchtigkeit. Sehr brut, weil niedrig dosiert mit etwa fünf Gramm Zucker pro Liter (zum Vergleich: die großen Markenchampagner haben einen Restzuckergehalt pro Liter um die 12 bis maximal 15 Gramm).Ein delikater Aperitif ist die Cuvée Sainte Anne, Rasse mit fruchtigem Charme zeichnet den Rosé aus, komplexe Textur hat die Prestige-Cuvée namens Fiacre Taillet.
Bezug: Fachhandel (Info: www.rare-wine.com)

Deutz:
Klare Stilistik – fruchtig, schlank, elegant - prägen die Cuvées des mittelgroßen Hauses in Ay (rund eine Million Flaschen pro Jahr). Basis ist der Brut Classic, komponiert aus je einem Drittel Pinot Noir, Meunier und Chardonnay, ein feiner Aperitif. Rasse und Eleganz kennzeichnet den Jahrgangs-Blanc de Blancs – ein Chardonnay-Juwel mit Brillanz. Vielschichtige Raffinesse ist die Haupttugend der „Cuvée William Deutz“ vom Jahrgang 1998 (ideal zu Kaviar und Meeresfrüchten bis hin zu Sushi). Zu den feinsten Cuvées der Champagne zählt der „Amour de Deutz“ 1999: subtile Finesse macht jeden Schluck dieses Blanc de Blancs zu einem privaten Weltereignis.
Bezug: Fachhandel. (Info: www.segnitz.de)

Dom Perignon:
Bis vor kurzem die Prestige-Cuvée von Moet et Chandon, jetzt eigenständig mit Sitz in der Abtei Hautvillers. Jahrgangschampagner in Weiß sowie Rosé. Stil: reich, elegant, verbindet Vielschichtigkeit mit Finesse. Sehr lange lagerfähig. Jahrgänge wie 1975, 1985, 1988, 1990, 1996, 1998 sowie 2000 verfügen bis heute in idealem, ja strahlendem Maße über die für den Dom typische Kombination von Kraft und Eleganz mit Aromen nach weißem Pfirsich, etwas kandierter Zitrone, Vanille, gebrannter Mandel und einem aparten Hauch von weißem Pfeffer. Beim Rosé 1995 dominieren rote Früchte, flankiert von getrockneten Aprikosen und zarten Noten à la Brioche mit einem Hauch von Muskat.
Bezug: Fachhandel (Info: www.lvmh.com)

Egly-Ouriet:
Francis Egly, Winzer in Ambonnay, ist ein Gerechter des Weinbergs, der naturnah arbeitet und auch im Keller individuell auf das Werden der Weine eingeht, die in kleinen Holzfässern und in Edelstahltanks ausgebaut werden. Sein Brut Tradition Grand Cru spiegelt aufs Trefflichste die quasi weingewordene Philosophie dieses Mannes wider, der die Cuvées in der Regel unfiltriert und ungeschönt in Flaschen füllt – und versehen mit extrem niedriger Dosage von rund fünf Gramm pro Liter. Dieser goldgelb ins Glas fließende Champagner darf gefahrlos gerühmt werden: Das Bukett ist gleichermaßen intensiv wie ziseliert, es lassen sich Noten von Boskop-Apfel und kandierten roten Früchten ausmachen, nebst einem zarten Gewürzton und etwas Hefe. Der fruchtdichte Körper gibt Noten von Apfel und Cavaillon-Melone frei, unterstützt von einer zarten Säure. Kurzum: eine Cuvée, die Rasse mit Finesse verbindet.
Bezug: Fachhandel (Info: Weinhandlung Kreis & Krämer Stuttgart, www.wein-kreis.de)

Paul Evéque:
Inhaber dieser Marke ist Gerard Dubois, Weinhändler in Mainz und Enkel des Gründers, der 1879 im Harz geboren wurde, damals auf gut deutsch Eiwecke hieß und 1920 die Champagne-Marke in Epernay gründete. Gediegene Qualität mit fruchtiger Präsenz. Der 1er Cru Brut Tradition besteht aus 67 Prozent Chardonnay und 33 Prozent Pinot, der Rosé 1er Cru Brut setzt sich aus 65,5 Prozent Chardonnay sowie 34,5 Prozent roten Pinot zusammen.
Bezug: Fachhandel (Info: www.gerard-dubois-import.de)

De Saint Gall:
Das 1990 von der renommierten Genossenschaft „Union Champagne“ gegründete Label hat sich im Kreis der noblen Marken etabliert. Die rund 2,2 Millionen Flaschen, die unter De Saint Gall erzeugt werden, sind stark geprägt vom Chardonnay, was sich natürlich auf den Stil auswirkt: feingliedrig bei gleichzeitig geradlinig und prägnant gebautem Fruchtkörper. Brillante Frische mit floralen und von gelben Früchten bestimmte Aromen. Orpale 1998, die Prestige-Cuvée, ist ein reinrassiger Blanc de Blancs, der elf Jahre im Keller reifte und auf geradezu anmutige Weise die Klasse des Chardonnays dokumentiert.
Bezug: Fachhandel (Info: www.de-saint-gall.com)

J.M. Gobillard:
Die Cuvées des in Hautvillers ansässigen Hauses sind geprägt von gleichermaßen komplexer wie klarer und vertikal angelegter Stilistik. Rasse verbindet sich mit kompakter Frucht und Finesse. Das Gros der Trauben für die Jahresproduktion von rund 250 000 Flaschen stammt von eigenen Weinbergen. Die Cuvée Tradition ist der Basis-Brut, komponiert aus je einem Drittel Pinot Noir, Pinot Meunier und Chardonnay: grazil, fruchtbetont, delikat. Bei der 2005 Cuvée Prestige dominiert der Chardonnay mit 60 Prozent (plus 40 Prozent Pinot Noir): kraftvoll, tiefgründig, geradlinig, schlank strukturiert. Beerenfruchtige und cremige Finesse kennzeichnet den Rosé mit der diskreten lachsrosa Farbe.
Bezug: Fachhandel (Info: www.brogsitter.de)

Gosset:
An hoher Qualität und Tradition orientiertes Haus (gegründet 1584 in Ay), das kürzlich ein neues Domizil im Château Malakoff in Epernay bezogen hat. Jährlich werden um die 1,1 Millionen Flaschen eines kräftigen Champagners von weiniger, dichtfruchtiger Art mit Rasse und Eleganz erzeugt. Ausgezeichnet die komplexe und raffinierte „Grande Reserve“, die deutlich eine Stufe über dem normalen Brut angesiedelt ist. Die Prestige-Cuvée heißt „Célébris“: weinig betont, kraftvoll, geschmeidig, lange lagerfähig. Sehr delikat ist auch der prachtvolle Célébris Rosé. Das von der Familie Cointreau zielbewusst geführte Haus vermeidet weitgehend die malolaktische Gärung (Malo), also die Umwandlung der kernigen Äpfelsäure in die weiche Milchsäure, was den Cuvées ihr Temperament und die besondere fruchtige Frische verleiht, in der Jugend freilich auch eine betont rassige Säure.
Bezug: Fachhandel (Info: www.champagne-gosset.com)

Alfred Gratien:
Unter Kennern hoch angesehenes kleines Familienunternehmen, 1864 gegründet mit Sitz in Epernay (Jahresproduktion um die 250 000 Flaschen). Die Jahrgangscuvée 1999 besticht durch intensive Frucht und grazil strukturierten Körper mit feinen mineralischen sowie floralen Noten als Mitgift des Chardonnay. Besonderheiten: erste Gärung im kleinen Holzfaß, lange Lagerfähigkeit. Blumig und lebhaft ist der Brut Classique, ein Meisterwerk die weinige und raffiniert komponierte Cuvée Paradis. Füllig, seidig, ein bisschen lieblich der Paradis Rosé.
Bezug: Fachhandel. (Info: www.henkell-sektkellerei.de)

Charles Heidsieck:
Sitz in Reims. Cuvées von distinguierter Fülle. Groß ist der Aufwand für die Komposition des Brut Réserve, für den der Kellermeister 120 Grundweine verwendet; der respektable Anteil von bis zu 40 Prozent Reserveweinen an dieser Cuvée (je ein Drittel Pinot Noir, Meunier und Chardonnay) erklärt die speziellen, von getrockneten Früchten, Honigbrot und Vanille geprägten Reifenoten. Kraft, Rasse und Eleganz kennzeichnen die Jahrgangscuvées.
Bezug: Fachhandel (Info: www.charlesheidsieck.com)

Piper Heidsieck:
Der Stil des in Reims ansässigen Hauses hat sich im letzten Jahrzehnt gewandelt. Die ursprünglich eher spröden Cuvées haben an Fülle zugelegt, sind zudem etwas komplexer geworden, haben jedoch in der großen Linie die klassische Piper-Note behalten: die geradlinige Fruchtigkeit mit gefälligem Schmelz. Bei Charles Heidsieck setzt man auf den erfahrenen Kenner, mit Piper will man eher die Jugend begeistern. Die jahrgangslose, von roten Trauben dominierte Cuvée Brut (55 Prozent Pinot Noir, 30 Prozent Meunier, 15 Prozent Chardonnay) bietet würzige Frische und eignet sich gut als Tischpartner. Die Cuvée Rare hat einen vollen Körper und verbindet ebenso harmonisch wie elegant Frucht mit Würze.
Bezug: Handel (Info: www.piper-heidsieck.com)

Henriot:
Residiert als Familienunternehmen in Reims, ist Spezialist für Blanc de Blancs. Der Souverain Brut hat einen sanftwürzig unterlegten Fruchtkörper mit Frische in Harmonie; guter Tischpartner. Florale sowie zitrusartige Töne prägen den finessigen Blanc Souverain aus 100 Prozent Chardonnay. Floral, zartwürzig, komplex und mineralisch in der Aromatik, seidig in der Textur ist der Vintage 1996 (48 Prozent Chardonnay, 52 Prozent Pinot Noir). Kandierte Früchte nebst süßlichen Gewürznoten und einem Hauch von Brioche nebst weiteren Röstnoten à la Kaffee kennzeichnen die auf strenge Art elegante, dem Baccarat nachgefolgte Prestige-Cuvée Enchanteleurs 1988 (56 Prozent Chardonnay, 44 Prozent Pinot Noir).
Bezug: Fachhandel. (Info: ruuweine.de)

Krug:
Klassiker des muskulösen, weinigen und dabei hocheleganten Stils mit Sitz in Reims (unter dem Firmendach von Veuve Clicquot). Exzellente Lagerfähigkeit. Collection-Krugs wie 1959, 1961, 1962, 1964, 1969, 1973, 1976, 1982 sind wahrhafte Giganten. Sehr gut und sehr teuer ist der „Clos de Mesnil“, ein Lagen-und-Jahrgangs-Chardonnay seit 1979, dem Erstling. Trocken, reich an Aromen und von schlanker Finesse ist der Rosé, der 1983 seine Premiere hatte. Das Flaggschiff des Hauses ist die Grande Cuvée (ca. 50 Prozent Pinot Noir, 30 Prozent Chardonnay, 20 Prozent Meunier): weinige Fülle, vielschichtige Struktur und perfekt balancierter Körper, aber auch teuer, gemessen an Cristal, Dom Perignon, Comtes de Champagne - und es kommen einem immer noch, wenn auch selten, überlagerte Flaschen unter. Über eine reich nuancierte Aromatik, vollen und zugleich elegant strukturierten Körper, seidige Textur, langen Nachklang mit großem Potential verfügen die Jahrgangscuvées - besonders ideal entfalten und halten sich diese Tugenden in der Magnum. Verzicht auf malolaktische Fermentation.
Bezug: Fachhandel. (Info: lvmh.com)

Lanson:
Das in Reims ansässige Haus ist bekannt für seine rassigen Cuvées – das Ergebnis hochwertiger Basisweine sowie der Verzicht auf die Malo. Als Klassiker im Hause gilt der Black Label, ein Brut von lebhaft herber Frische. Nach wie vor über grazile Finesse verfügt der Brut Rosé mit seinem delikaten Bukett nach roten Beeren und ein bißchen Rose. Kraft und Eleganz vereint die komplex strukturierte Noble Cuvée Brut vom exzellenten Jahrgang 1998 (70 Prozent Chardonnay, 30 Prozent Pinot Noir), quasi der Archetyp des Lanson-Stils.
Bezug: Fachhandel (Info: Diese E-Mail-Adresse ist gegen Spambots geschützt! JavaScript muss aktiviert werden, damit sie angezeigt werden kann. )

Larmandier-Bernier:
Winzerkeller in Vertus. Pierre Larmandier pflegt seine Weingärten nach biodynamischen Grundsätzen. Der Brut Blanc de Blancs aus Premier Cru-Lagen verkörpert den finessigen Stil des Hauses signaturhaft: feines und komplex geschichtetes Bukett, geprägt von weißen Mandeln und etwas Brioche, runder Fruchtkörper von geschmeidiger Fülle und angenehm cremiger Dichte.
Bezug: Fachhandel (Info: Weinhandlung Kreis & Krämer Stuttgart, www.wein-kreis.de)

Laurenti:
Das in Les Riceys 1923 vom Großvater gegründete Weingut wird von den drei Brüdern Laurenti arbeitsteilig geführt. Der Stil des Hauses ist geprägt durch Harmonie und milde Finesse. Die Cuvées sind schlank, nicht mächtig angelegt oder gar breit, eine sanfte Säure bei einem durchschnittlichen Anteil an Restzucker zwischen 10 und 12 Gramm pro Liter sorgt für einen geschmeidigen Körper. Die in Barriques ausgebaute Grande Cuvée Tradition, bestehend aus 70 Prozent Chardonnay und 30 Prozent Pinot Noir, ist quasi die Prestige-Cuvée und erfreut durch sehr feines, Perlage genanntes Mousseux sowie eine gute Balance zwischen Säure und Süße. Golden fließt der Champagner und verbreitet im Nu einen Duftmix aus Apfel, grünen Feigen und etwas Kandis nebst Honigkuchen sowie Vanille, der Mitgift des Holzes Das Bukett des rubinfarbenen Rosé ist fein geschichtet nach getrockneten Walderdbeeren und etwas Birne, geschmacklich wirkt er weich, ja gefällig, doch verfügt er auch über Finesse.
Bezug: Champagner & Wein Kathrin Küpper (Info:www.kuepperundkuepper.de)

Laurent-Perrier:
Fülle und weinige Rasse kennzeichnen die Stilistik des – östlich von Epernay - in Tours-sur-Marne inmitten von Weinbergen residierenden Hauses, gegründet 1812. Spitze ist der „Grand Siècle“, ein weiniger Champagner der klassischen Art, der 1957 sehr zum Erstaunen der Champagne-Welt als jahrgangslose Prestige-Cuvée kreiert worden ist – aufgrund der Philosophie, dass durch den Verschnitt von Weinen aus drei großen Jahren (die Premiere bestand aus 1952, 1953 sowie 1955) ein attraktiveres Ergebnis zu erzielen sei. Inzwischen gibt es in außergewöhnlichen Jahren auch einen Jahrgangs-Siècle. Sehr gut sind die traditionell nur aus Pinot noir erzeugten Rosés. Dabei werden die Farbe enthaltenen Traubenschalen mit der Maische in Kontakt gebracht; weitgehend üblich ist ansonsten die Farb-und Geschmacks-Dosage mittels fertigem Rotwein. Grandios und vielleicht der weltfeinste Rosé ist der „Grand Sièc1e Alexandra“, übrigens 1987 vom 82er-Jahr erstmals zur Hochzeit von Alexandra, der Tochter des LP-Chefs Bernard de Nonancourt, geschaffen und der erste LP-Rosé mit etwas Chardonnay in der Cuvée. Eine weitere Spezialität ist der 1981 präsentierte Ultra-Brut, ein undosierter Champagner von absolut trockenem Geschmack, wie er bereits Ende des 19.Jahrhunderts vor allem englische Lords beglückte. Das Aushängeschild ist der jahrgangslose Brut L-P: kraftvoll, weinig, rund mit würzigen, fruchtigen und leicht toastigen Elementen (ca. 45 Prozent Chardonnay, 40 Prozent Pinot Noir, 15 Prozent Meunier). Vollmundig, rund, cremig und von zarter Würze ist der 1995er (halb Chardonnay und Pinot Noir), reich, weinig, delikat und nachhaltig präsentiert sich der Grand Siècle „La Cuvée (rund 55 Prozent Chardonnay, 45 Prozent Pinot Noir von besten Lagen).
Bezug: Fachhandel. (Info: www.laurent-perrier.de)

Mailly:
Diese renommierte, 1929 von Winzern gegründete kleine Genossenschaft mit einer Jahresquote von rund einer halben Million Flaschen arbeitet individuell und auf hohem Niveau. Die Cuvées sind deutlich von roten Trauben geprägt, gipfelnd im Blanc de Noirs, einer 1988 eingeführten Rarität, reinsortig aus 100 Prozent Pinot Noir gekeltert: dicht gewoben, kompakt und konzentriert, feingewürzig mit Aromen nach roten Früchten, Apfelquitte, Vanille. Ein großer Champagner, der fleischige Kraft mit seidiger Eleganz verbindet. Charaktervoll sind auch die anderen Sorten wie der besonders brut angelegte „Extra Brut“ (75 Prozent Pinot Noir, 25 Prozent Chardonnay), der klar strukturiert ist und mit seiner reich ziselierten Aromatik nach getrocknetem Obst, weißer Mandel, Nüssen und Zitrusfrüchten nebst einem aparten Hauch von leicht angeröstetem Brioche begeistert. Ein Purist der Extraklasse, etwas für Kenner! Über cremige und zugleich rassige Finesse verfügt auch der lachsfarbene 2005 L’Intemporelle Rosé (60 Prozent Pinot Noir, 40 Prozent Chardonnay): rote Beeren vereinen sich mit floralen Noten und gelbem Steinobst nebst einer diskreten zitrusartigen Tönung zu einem raffinierten Aromenbündel von bezaubernder Finesse.
Bezug: Fachhandel (Info: Karl Schartner in Stuttgart, www.nicolay-schartner.de und Gerd Rindchen in Bönningstedt, www.rindchen.de)

Moët & Chandon:
Wenn es einen Platzhirsch in der Champagne gibt, dann ist es Moet & Chandon in Epernay. Trotz seiner Größe (die durchschnittliche Jahresproduktion liegt irgendwo zwischen 25 und 35 Millionen Flaschen) erzeugt das Haus mittels seiner Finanzkraft, des umfangreichen Weinbergsbesitzes, der technischen Ausstattung und vor allem dank exzellenter Önologen durchweg Weine von achtbarer Qualität. Der Brut Imperial, in der Regel komponiert aus je einem Drittel Chardonnay, Pinot Noir sowie Meunier, ist füllig, weich und ausgewogen strukturiert, mitunter etwas gefällig bis marmeladig wirkend. Notwendigerweise besteht in den letzten Geschmacksnuancen eine Abhängigkeit von der Güte desjenigen Erntejahres, das den Hauptanteil der Cuvée bildet. Der Kellermeister kann wohl gewisse Unebenheiten eines dürftigen Jahrgangs durch das Mischen mit besseren Grund- und Reserveweinen ausgleichen, doch naturgemäß nicht total beheben. Fraglos große Klasse haben die Jahrgangs-Cuvées. Aktuell auf dem Markt ist der 2003er (43 Prozent Pinot Meunier, 29 Prozent Pinot Noir, 28 Prozent Chardonnay): ein raffiniert komponierter und – mit lediglich fünf Gramm Zucker-Dosage pro Liter - sehr brut angelegter Champagner, der Fülle mit Raffinesse verbindet. Mandelige sowie nussige Töne bilden mit Trockenblumen und Kernobst (Aprikose) nebst den für Moet typischen Aromen nach Gewürzen, kandierten Früchten und subtilen Röstnoten à la getoastetem Brioche und Kaffee ein verführerisches Bukett. Kräftige Struktur dank dichtem Fruchtkörper, nachhaltig im Abgang. Die Moet-Vintages haben generell eine exzellente Lagerfähigkeit, was nicht nur für formidable jüngere Jahrgänge wie 1996, 1990 oder 1988 gilt; selbst 1985, 1982, 1976, 1969, 1964 und sogar 1959 vermögen noch durch ihre grazil gereifte Finesse zu faszinieren. Ein herrliches Aromenmix aus Orangen, Schokolade, Vanille und zart nach Strauchblüten sowie Johannisbeere bietet der 1998 Vintage Rosé (43 Prozent Pinot Noir, 35 Prozent Chardonnay, 22 Prozent Meunier, ca. 45 Euro). Dieser Rosé beginnt mit einem starken ersten Schluck und endet harmonisch in einem fruchtigen Crescendo-Finale.
Bezug: Handel (Info: www.lvmh.com)

Nicolas Feuillatte:
Flaschenmillionär in Chouilly (Jahresproduktion um die 8,3 Millionen Bouteillen) mit weit gefächertem Sortenprogramm. Neben einer individuell angelegten Grand Cru-Serie à la Ambonnay, Cramant, Ay, Chouilly, Verzy, Le Mesnil sowie einem brillant strahlenden Blanc de Blancs reüssiert die Genossenschaft mit einer „Palmes d’Or“ getauften Prestigecuvée in Weiß und Rosé von eleganter Stilistik – der 1998er in Weiß sowie der 2003er als Rosé tänzeln wie ein Fred Astaire elegant, charakterstark und finessig über die Zunge.
Bezug: Fachhandel (Info: www.feuillatte.de)

Joseph Perrier:
Im Jahre 1825 gegründet und seither in Chalons-sur-Marner ansässig, zählt das Haus zu den großen Unbekannten (Jahresproduktion um die 600 000 Flaschen). Kenner wissen freilich um die hohe Güte der Cuvées vom Royale Brut über den Blanc de Blancs und den Rosé bis zum Millésime 1999 (49 Prozent Chardonnay, 43 Prozent Pinot Noir, 8 Prozent Meunier). Der Stil ist geprägt von den roten Pinots aus hauseigenen exzellenten Lagen, die Cuvées glänzen durch fein ziselierte Frucht und Eleganz, sie sind großzügig und ausgeglichen bei komplexer Aromatik.
Bezug: Fachhandel (Info: Bernard-Massard Sektkellerei Trier, www.bernard-massard.de)

Perrier Jouet:
International populär wurde das 1811 in Epernay gegründete Haus vor allem durch die Cuvée Belle Epoque in der 1902 vom Jugendstilkünstler Emile Gallé kreierten Flasche mit dem swingenden Anemonen-Motiv. Michael Budin, der langjährige Chef des Hauses, versierte Verkoster und passionierte Liebhaber des Jugendstils, hat in Epernays Avenue de Champagne ein Jugendstilmuseum eingerichtet (mit einem Speisesaal von Majorelle, Objekten von Gallé, Daum, Müller & Co). Der Stil ist gekennzeichnet durch füllige, weinig akzentuierte Frucht. Der Grand Brut präsentiert sich mit Noten von Blüten und weißem Pfirsich nebst etwas Zitrus und einem cremigen Hauch von Brioche.
Bezug: Fachhandel (Info: www.pernod-ricard-deutschland.com).

Pol Roger:
Klassiker aus Epernay. Fruchtiger Stil, klar in der Struktur, elegant. Dichte Aromatik und von tiefem Gewebe bis wuchtig im besten Sinne ist die Prestige-Cuvée „Sir Winston Churchill“, einer der besten Champagner überhaupt. Diese Top-Cuvée, 1984 erstmals als Hommage an Churchill vom Jahrgang 1975 kreiert, ist lange haltbar, ein Ideal für Liebhaber des mächtigen fleischigen Stils. Die genaue Zusammensetzung der Rebsorten wird geheim gehalten, vermutet werden darf ein sehr hoher Anteil an Pinot Noir. Der jahrgangslose Brut besteht zu je einem Drittel aus Pinot Noir, Chardonnay sowie Meunier: würzig, weinig, rassig, ausgewogen mit angenehm diskreten Röstaromen, Hauch von Zitrus und sanftem cremigem Finale. Exzellent ist auch der Blanc de Blancs als Vintage: fein nuanciertes Bukett, fruchtig, grazile Struktur; hat Anmut und Rasse, ideal als Aperitif.
Bezug: Fachhandel (Info: www.polroger.com)

Pommery:
Das in Reims in nostalgischer Neogotik residierende Haus hat eine wechselvolle Geschichte hinter sich. Früher, unter Prince Alain de Polignac, dem gerechten Önologen, war der Pommery-Stil ein Genuß für Kenner: vertikal anstelle von breit, finessig anstelle von wuchtig – und bei aller Anmut dennoch komplex strukturiert. Über diese Tugenden verfügt die Prestige-Cuvée namens Louise: fein ziselierte Aromatik in einem finessigen, gleichwohl fest strukturierten Körper. Gleiches gilt für die Louise Rosé. Der Brut Apanage besticht durch einen schlank gegliederten Körper. Schlanke und dabei geschmeidige Rasse bietet auch der Brut Apanage Rosé aus besten Lagen. Insgesamt, so läßt sich konstatieren, haben die Champagner in den letzten Jahren stetig an Güte gewonnen.
Bezug: Handel (Info: www.vranken-pommery.de)

Louis Roederer:
Das Haus für angewandte Eleganz, ansässig in Reims. Der „Brut Premier“, dem der langjährige Roederer-Chef und Önologe Jean-Claude Rouzaud – inzwischen führt sein Sohn die Geschäfte - eine vierjährige Reifezeit verordnet hat, ist eine der besten Cuvées ohne Jahrgang, fein nuanciert, klar, fruchtig, rassig, animierend, jederzeit eine Freude zu trinken (rund 2/3 Pinot Noir und 1/3 Chardonnay). Groß ist der „Cristal“, die erste, 1876 für den Zaren kreierte Prestige-Cuvée in der transparenten Flasche. Ein Hochgenuss ist der inzwischen legendäre 1990er Cristal, ein Jahrhundertchampagner. Gleichfalls Klasse haben 1993, 1995, 1996, 1998, 2000 sowie der aktuelle 2002er: fein ziseliert, reich, vielschichtig, raffinierte Aromatik nach roten Beeren und Zitrusfrüchten mit sanften Einsprengseln von Brioche; seidige Textur, hochelegant (55 Prozent Pinot Noir, 45 Prozent Chardonnay). Ein florales und weiniges Bukett nach Blüten, Aprikosen, Nuß, Weißdorn, etwas Zitrus und sanft geröstetem Weißbrot zeichnet den 2003er Brut Millesime aus, ein weiteres elegantes Kaliber im Programm von Roederer.
Bezug: Fachhandel (Info: www.schlumberger-onwine.de)

Ruinart:
Das in Reims residierende Haus hat wunderschöne, unter Denkmalschutz stehende Kalksteinkeller aus galloromanischer Zeit (die sogenannten „Crayeres“). Es begeistert den Kenner auch durch feine Cuvées, die grazil in der Stilistik sind und zugleich fest im Geschmack. Die Cuvées sind deutlich vom Chardonnay geprägt. Rasse haben die „R“-Cuvées, Spitze ist der „Dom Ruinart“ als Blanc de Blancs sowie als Rosé. Der jahrgangslose “R“ de Ruinart erfreut bereits die Nase durch florale Noten (Rebblüten, Akazie, Linde), ergänzt durch obstige, würzige und sanft karamellige Töne; der Körper hat Fülle, wirkt frisch und ist ausgeglichen. Der Ruinart Rosé wiederum hat eine intensive, gleichwohl subtil nuancierte Aromatik nach kleinen roten Beeren, eingelegten Früchten und ist ein nobler Tischpartner. Das Nonplusultra ist freilich der „Dom“, ein Jahrgangs-Blanc de Blancs der Extraklasse: verheißungsvoller Duft nach Blüten, Limonen, leisen Röstaromen und einem Hauch von Nußbutter, komplexe Aromatik, seidige Struktur, einfach bestechend fein in der Stilistik.
Bezug: Fachhandel (Info: www.ruinart.com).

Taittinger:
In Reims zu Hause, setzt auf sanftfruchtigen, geschmeidigen Stil. Die weltberühmte „Collection“-Serie, bei der populäre Künstler die Flaschen als Luxusprodukt gestalten, angefangen mit Vasarely und fortgeführt von Arman, Lichtenstein, Hartung, Imai, Matta und anderen, ist schön fürs Auge, doch der Inhalt ist deckungsgleich mit dem normalen Vintage. Prächtige Spitze ist der „Comtes de Champagne“, ein Blanc de Blancs der Weltklasse, der, 1950 erstmals aufgelegt, lange Jahre bis zum Höhepunkt benötigt. Jetzt perfekt sind 1996, 1990, 1988, 1986. Der Brut Réserve (je 40 Prozent Pinot Noir und Chardonnay plus 20 Prozent Meunier) ist weich angelegt mit floralen Noten, etwas füllig, ausgewogen. Der Brut Jahrgang 1998 (je zur Hälfte bestehend aus Pinot Noir sowie Chardonnay) hat ein delikat nuanciertes Bukett (Blüten, Äpfel, Nuß, ein bißchen Brioche), einen grazil strukturierten Körper, ist rund und finessig. Immer wieder eine grandiose Kreation ist der Comtes de Champagne, aktuell vom Jahrgang 1999: zart und fein ziseliertes Bukett (Vanille, Blüten, Zitrusfrüchte, Nuß, Feingebäck). Komplexer Körper, reiche und zugleich subtil gefächerte Aromatik. Ein kleiner Teil der Grundweine, um die vier bis sechs Prozent, wird in kleinen Fässern aus neuem Holz ausgebaut (Barriques); das festigt die Struktur und gibt der Cuvée zusätzlich eine aparte vanillige Würze.
Bezug: Handel (Info: Wein-Wolf Bonn, www.weinwolf.de)

Veuve Clicquot Ponsardin:
Der Stil dieses qualitätsorientierten Hauses mit Sitz in Reims läßt sich mit wenigen Worten ungefähr so interpretieren: Frucht, Klarheit, Finesse. Die Cuvées werden geschmacklich von den roten Trauben bestimmt, entscheidend ist ferner der Einsatz von hochwertigen Reserveweinen sowie die lange Reifezeit der einzelnen Sorten (der Brut o.J. liegt bis zu vier Jahre im Keller). Der jahrgangslose Brut mit dem unverwechselbar gelben Etikett – deshalb auch „Carte Jaune“ genannt – ist von sanftwürziger weiniger Art, vollmundig, cremig, rund und angenehm trocken wirkend Die finessig und eher zart als wuchtig angelegte Prestige-Cuvée heißt sinnig La Grande Dame: eine Hommage an die legendäre Nicole-Barbe Clicquot, geborene Ponsardin, die nach dem Tode ihres geliebten Mannes im Jahre 1805 als gerade mal 27jährige die Führung des Hauses übernahm und sich als begabteste der Champagnerwitwen etablierte. La Grande Dame 1998: raffiniertes Mix aus floralen und fruchtigen Noten (à la Zitrusfrüchte, frische Mandeln, weißer Pfirsich, Pampelmuse, Hauch von Bergamotte), vielschichtig und zugleich geschmeidig mit graziler Stilistik, feinfruchtig, sehr finessig, halt Grande Dame mit mädchenhaftem Charme.
Bezug: Fachhandel (Info: www.veuve-clicqot.com).

August F. Winkler

Journal bekommen!

Wort der Woche

„Der Wein macht den Maulwurf zum Adler“

Nadar

Dieses ebenso skurille wie poetisch erhöhte Bild hat Charles-Pierre Baudelaire (1821-1867) entworfen, der geniale französische Lyriker, Schriftsteller, Essayist, Dandy, Wagnerianer und Weinkenner, der vor allem mit seiner „Die Blumen...

weiterlesen

Gericht der Woche

Salade japonaise von Alexandre Dumas d. J.

Es gibt Theaterstücke, denen auch ein versierter...

weiterlesen

Wein der Woche

2008 Château de Pez, Cru Bourgeois, St. Estephe

Dunkelrot und mit einem jugendliche Frische signalisierenden Lilaschimmer fließt der Wein ins Glas, aus dem im Nu ein dicht geflochtenes Bukett...

weiterlesen