Champagner-Steckbriefe von Ayala bis Veuve Clicquot

Ayala
Das in Ay residierende, in der breiten Öffentlichkeit wenig bekannte Haus steht für solide Cuvées von weiniger Rasse. Der mit knapp acht Prozent Restzucker angenehm trockene Brut ohne Jahrgang ist geprägt von ca. 75 Prozent roten Trauben: voller Körper, frisch, harmonisch (ca. 24 Euro). Finesse zeichnet den langlebigen Blanc de Blancs aus (Heublumen, Mineralien, Zitrus, Hauch Brioche), Eleganz die Jahrgangscuvée (ca. 75 Prozent Pinot Noir, 25 Prozent Chardonnay).

Besserat de Bellefon
Sitz in Epernay. Das Flaggschiff des Hauses, die Cuvée des Moines Brut, komponiert aus 43 Prozent Pinot Noir, 42 Prozent Pinot Meunier (Müllerrebe oder Schwarzriesling im Deutschen), 15 Prozent Chardonnay, verbindet auf fast geheimnisvolle Weise fruchtiges Temperament mit cremiger Fülle und Aromen wie Früchtegelee, Haselnuß. Delikater, ebenfalls von roten Trauben dominierter Rosé mit straffer Aromatik nach kleinen roten und schwarzen Früchten wie speziell Johannisbeere, flankiert von etwas Mandeln. Leise Zitrusnoten entströmen dem Blanc de Blancs mit seinem feinen Finale nach Aprikosen und einem Spritzer Honig. Keine malolaktische Gärung.

Billecart-Salmon
Residiert in Mareuil-sur-Ay. Elegante Stilistik von klarer, subtil nuancierter Art, lange lagerfähig. Der grazile Brut Reserve (30 Prozent Chardonnay) besticht durch leicht florale Noten mit Spur nach Mandeln. Über reiche Aromatik bei gleichzeitiger Finesse verfügt die Cuvée NF 1996 (60 Prozent Pinot Noir, 40 Prozent Chardonnay). Fein gewoben ist der 1996er Blanc de Blancs, der Rasse mit Anmut verbindet.

Bollinger
Das vom Schwaben Jacques Bollinger in Ay gegründete Haus gehört zum Champagne-Hochadel. Die Special Cuvée, ein Brut o.J. (60 Prozent Pinot Noir, 25 Prozent Chardonnay, 15 Prozent Pinot Meunier), ist eine Klasse für sich: kraftvoll, dabei geschmeidig, feinwürzig, nachhaltig. Ein Monument aus bestem Jahrgang: 1997 Grande Année: kompakt und komplex (70 Prozent Pinot Noir, 30 Prozent Chardonnay). Dichte und tiefe Aromatik sowie eine elegante Textur und unbeschreiblich intensiven Abgang kennzeichnet den R.D.1990. R.D. steht für spät degorgierte, also von der Hefe befreite und marktfähig gemachte Jahrgänge. Eine rare Spezialität ist der Vieilles Vignes Francaises aus über 100jährigen wurzelechten Pinot Noir-Reben.

Vicomte de Castellane
Sitz in Epernay. Ausgeglichen und von weicher Stilistik ist der Brut o.J. „Croix Rouge“ (klassische Komposition aus einem Drittel Chardonnay und zwei Drittel Pinot Noir sowie Meunier). Sanftwürzig mit frischen Noten nach Obst, Lindenblüte und einem Hauch Zitrus nebst Kräutern ist der Jahrgang 1998 (65 Prozent Pinot Noir, 35 Prozent Chardonnay). Noch deutlicher Pinot-geprägt (70 Prozent zu 30 Prozent Chardonnay) ist die Prestige-Cuvée namens Commodore: markante Aromatik, Noten à la kandierte Früchte, Haselnuß mit Einsprengseln von Gewürzen, Vanille und Honig.

Chartogne-Taillet
Kleines, sympathisches Winzerhaus in Merfy nahe Reims. Zunehmend prätentiöse Stilistik mit Cuvées von klarer Fruchtigkeit. Sehr brut, weil niedrig dosiert. Ein delikater Aperitif ist die Cuvée Sainte Anne (50 Prozent Pinot Noir, 40 Prozent Chardonnay, 10 Prozent Pinot Meunier),delikate Rasse zeichnet den Rosé aus, komplexe Textur hat die Prestige-Cuvée namens Fiacre Taillet (60 Prozent Chardonnay, 40 Prozent Pinot Noir): geschmeidige Fülle, zarte Röstaromen mit Hauch von Honig.

Deutz
Klare Stilistik – fruchtig, schlank, finessig - prägen die Cuvées des mittelgroßen Hauses in Ay (knapp eine Million Flaschen pro Jahr). Nach kurzer Schwächephase wieder ganz oben in der Qualität. Basis ist der Brut Classic, komponiert aus je einem Drittel Pinot Noir, Meunier und Chardonnay), ein feiner Aperitif. Rasse und Finesse kennzeichnet den 1996er Blanc de Blancs – ein Chardonnay-Juwel mit Brillanz. Vielschichtige Raffinesse ist die Haupttugend der „Cuvée William Deutz“ vom Jahrgang 1995 (55 Prozent Pinot Noir, 35 Prozent Chardonnay, 10 Prozent Meunier, ideal zu Kaviar und Meeresfrüchten bis hin zu Sushi). Zu den feinsten Cuvées der Champagne zählt der „Amour de Deutz“: subtile Finesse macht jeden Schluck dieses Blanc de Blancs zu einem privaten Weltereignis.

Doquet-Jeanmaire
Firmiert seit kurzem unter „Champagne Pascal Doque“. Winzerhaus in Vertus. Erzeugt pro Jahr um die 125 000 Flaschen, mit Ausnahme des Rosé überwiegend lupenreine Blanc de Blancs von brillanter Stilistik. Der grazil nuancierte Brut Grand Cru enthält Grundweine aus besten Jahrgängen wie 1996 und 1997. Eine Pracht-Cuvée ist der 1990er Blanc de Blancs Premier Cru von 1990: Rasse und Finesse.

Dom Perignon
Bis vor kurzem die Prestige-Cuvée von Moet et Chandon, jetzt eigenständig mit Sitz in der Abtei Hautvillers. Jahrgangschampagner in Weiß sowie Rosé. Sehr lange lagerfähig. Verbindet Reichtum mit Finesse. Heute noch ein Genuss sind Jahrgänge wie 1959, 1961, 1969, 1970, 1973, 1975, 1976, 1982, 1985, 1988, 1990. Der 1996er verfügt in reichem Maße über die für den Dom typische Kombination von Kraft und Eleganz mit Aromen nach weißem Pfirsich, etwas kandierter Zitrone, Vanille, gebrannter Mandel und einem aparten Hauch von weißem Pfeffer. Ein strahlender Dom. Es gibt keinen schlechten Dom Perignon, aber solche von leichter Struktur. Dazu gehört der 1992er mit seiner etwas oberflächlichen Aromatik nach Blumen, kandierter Pampelmuse, Gewürzen und einem Hauch von Lindenblüten. Typ leicht und fruchtig, für eingefleischte „Dompi“-Fans fast seicht. Beim Rosé dominieren rote Früchte, flankiert von getrockneten Aprikosen und zarten Noten à la Brioche mit einem Hauch von Muskat.

Duval-Leroy
Sitz in Vertus. Unter dem Leitmotiv „Fleur de Champagne“ werden Cuvées von schlanker und zugleich apart weiniger Art mit floralen und fruchtigen Noten hergestellt. Komplexe Finesse besitzt der 1995er „Femme de Champagne“, dominiert von Chardonnay (76 Prozent der Cuvée). Fein strukturiert ist der Brut Premier Cru (75 Prozent Chardonnay), geschmeidige Fülle sowie kräftige Fruchtakzente zwischen Pfirsich, Zitrus, Vanille, Brioche und Haselnuss zeichnen den Blanc de Chardonnay aus. Aus 100 Prozent Pinot noir besteht der traditionell erzeugte, von kleinen roten Beeren geprägte Rosé de Saignée mit seiner ätherischen Note.

Egly-Ouriet
Francis Egly, Winzer in Ambonnay, ist ein Gerechter des Weinbergs, der naturnah arbeitet und auch im Keller individuell auf das Werden der Weine eingeht, die in kleinen Holzfässern und in Edelstahltanks ausgebaut werden. Sein Brut Tradition Grand Cru spiegelt aufs Trefflichste die quasi weingewordene Philosophie dieses Mannes wider, der die Cuvées in der Regel unfiltriert und ungeschönt in Flaschen füllt – und versehen mit extrem niedriger Dosage von rund fünf Gramm pro Liter. Dieser goldgelb ins Glas fließende Champagner darf gefahrlos gerühmt werden: Das Bukett ist gleichermaßen intensiv wie ziseliert, es lassen sich Noten von Boskop-Apfel und kandierten roten Früchten ausmachen, nebst einem zarten Gewürzton und etwas Hefe. Der fruchtdichte Körper gibt Noten von Apfel und Cavaillon-Melone frei, unterstützt von einer zarten Säure. Kurzum: eine Cuvée, die Rasse mit Finesse verbindet.

De Saint Gall
Das 1990 von der renommierten Genossenschaft „Union Champagne“ gegründete Label hat sich im Kreis der noblen Marken etabliert. Die rund 2,2 Millionen Flaschen, die unter De Saint Gall erzeugt werden, sind stark geprägt vom Chardonnay, was sich natürlich auf den Stil auswirkt: feingliedrig bei gleichzeitig geradlinig und prägnant gebautem Fruchtkörper. Brillante Frische mit floralen und von gelben Früchten bestimmte Aromen. Orpale, die Prestige-Cuvée, ist ein reinrassiger Blanc de Blancs, der bis zu elf Jahre im Keller reift und auf geradezu anmutige Weise die Klasse des Chardonnays dokumentiert.

J.M. Gobillard
Die Cuvées des in Hautvillers ansässigen Hauses sind geprägt von gleichermaßen komplexer wie klarer und vertikal angelegter Stilistik. Rasse verbindet sich mit kompakter Frucht und Finesse. Das Gros der Trauben für die Jahresproduktion von rund 250 000 Flaschen stammt von eigenen Weinbergen. Die Cuvée Tradition ist der Basis-Brut, komponiert aus je einem Drittel Pinot Noir, Pinot Meunier und Chardonnay: grazil, fruchtbetont, delikat. Bei der 2005 Cuvée Prestige dominiert der Chardonnay mit 60 Prozent (plus 40 Prozent Pinot Noir): kraftvoll, tiefgründig, geradlinig, schlank strukturiert. Beerenfruchtige und cremige Finesse kennzeichnet den Rosé mit der diskreten lachsrosa Farbe.

Gosset
An hoher Qualität und Tradition orientiertes Haus in Ay (rund 800 000 Flaschen pro Jahr); macht kräftigen Champagner von weiniger, dichtfruchtiger Art mit Rasse und Eleganz. Ausgezeichnet die komplexe und raffinierte „Grande Reserve“, die deutlich eine Stufe über dem normalen Brut angesiedelt ist. Die Prestige-Cuvée heißt „Célébris“: weinig betont, kraftvoll und geschmeidig, lange lagerfähig. Sehr delikat ist auch der prachtvolle Célébris Rosé. Das Haus vermeidet strikt die malolaktische Gärung (Malo), also die Umwandlung der kernigen Äpfelsäure in die weiche Milchsäure, was den Cuvées ihr Temperament und die besondere fruchtige Frische verleiht, in der Jugend freilich auch eine rassige Säure.

Alfred Gratien
Unter Kennern hochangesehenes kleines Familienunternehmen mit Sitz in Epernay (Jahresproduktion zwischen 150 000 und 200 000 Flaschen). Die Jahrgangscuvées (Millésime) und der Paradis benötigen Zeit bis zum Höhepunkt. Besonderheiten: erste Gärung im kleinen Holzfaß, Unterbinden der Malo, hoher Anteil an Pinot Meunier, lange Lagerfähigkeit. Blumig und lebhaft ist der Brut Classique, ein Meisterwerk die weinige und raffiniert komponierte Cuvée Paradis (ca. 60 Prozent Chardonnay). Füllig, seidig, ein bisschen lieblich der Paradis Rosé (um die 65 Prozent Chardonnay).

Charles Heidsieck
Sitz in Reims. Cuvées von distinguierter Fülle. Groß ist der Aufwand für die Komposition des Brut Réserve, für den der Kellermeister unter 300 Basis-Elementen wählen kann; der respektable Anteil von bis zu 40 Prozent Reserveweinen an dieser Cuvée (je ein Drittel Pinot Noir, Meunier und Chardonnay) erklärt die speziellen, von getrockneten Früchten, Honigbrot und Vanille geprägten Reifenoten. Der Zusatz „Mis en cave 2000“ signalisiert, daß die Cuvée in jenem Jahr zur zweiten Gärung, der eigentlichen Champagnerisierung, in den Keller gelegt worden ist (konsequenter- und nachahmenswerterweise wird auch das Datum des Degorgements angegeben, aus dem hervorgeht, wie lange die Cuvée auf der Hefe lagerte). Kraft, Rasse und Eleganz kennzeichnen die Millésimés (60 Prozent Pinot Noir). Kraftvoll, reich, nobel gereift mit feinen Röstaromen und einem Hauch nach Mandeln öffnet sich „Charlie“, die geschmeidige, sinnliche Prestige-Cuvée.

Piper Heidsieck
Der Stil des in Reims ansässigen Hauses hat sich im letzten Jahrzehnt gewandelt. Die ursprünglich eher spröden Cuvées haben an Fülle zugelegt, sind zudem etwas komplexer geworden, haben jedoch in der großen Linie die klassische Piper-Note behalten: die geradlinige Fruchtigkeit mit gefälligem Schmelz. Bei Charles Heidsieck setzt man auf den erfahrenen Kenner, mit Piper will man eher die Jugend begeistern. Die jahrgangslose, von roten Trauben dominierte Cuvée Brut (55 Prozent Pinot Noir, 25 Prozent Meunier) bietet würzige Frische und eignet sich gut als Tischpartner. Die Cuvée Rare (etwa 65 Prozent Chardonnay, 35 Prozent Pinot Noir) hat einen vollen Körper und verbindet elegant Frucht mit Würze.

Henriot
Residiert in Reims, ist Spezialist für Blanc de Blancs. Der Souverain Brut hat sanftwürzige Frische und Harmonie; guter Tischpartner (60 Prozent Pinot Noir, 40 Prozent Chardonnay). Florale sowie zitrusartige Töne prägen den finessigen Blanc Souverain aus 100 Prozent Chardonnay. Floral, zartwürzig, mineralisch in der Aromatik, seidig in der Textur ist der Vintage (48 Prozent Chardonnay, 52 Prozent Pinot Noir). Kandierte Früchte nebst süßlichen Gewürznoten und einem Hauch von Brioche kennzeichnen die auf strenge Art elegante Prestige-Cuvée Enchanteleurs 1988 (56 Prozent Chardonnay, 44 Prozent Pinot Noir).

Jacquart
Firmensitz dieser Genossenschaft mit rund 800 Winzern und entsprechend weit gefächertem Weinbergsbesitz ist Reims. Die Standard-Cuvée Mosaique Brut (50 Prozent Chardonnay, 35 Prozent Pinot Noir, 15 Prozent Pinot Meunier) hat fruchtige Rasse. Der Mosaique Blanc de Blancs mit seiner vielschichtigen Aromatik nach Zitrusfrüchten, Blüten, Nüssen und leicht geröstetem Weißbrot passt gut zu Meeresfrüchten. Fruchtig mit fleischiger Note und etwas üppig nach roten Waldbeeren nebst Gewürzen präsentiert sich der Mosaique Rosé 1998 (35,5 Prozent Chardonnay, 36 Prozent Pinot Noir, 17 Prozent Pinot Meunier, 11,5 Prozent Pinot Noir als Rotwein für die Dosage). Kraft und Eleganz kennzeichnen den Brut de Nominée (je 50 Prozent Chardonnay und Pinot Noir) mit seiner cremigen Reife, einer Mitgift der Reserveweine.

Krug
Klassiker des muskulösen, weinigen und dabei hocheleganten Stils mit Sitz in Reims. Exzellente Lagerfähigkeit. Collection-Krugs wie 1959, 1961, 1962, 1964, 1969, 1973, 1976, 1982 sind wahrhafte Giganten. Sehr gut und sehr teuer ist der „Clos de Mesnil“, ein Lagen-und-Jahrgangs-Chardonnay seit 1979, dem Erstling. Trocken, reich an Aromen und von schlanker Finesse ist der Rosé, der 1983 seine Premiere hatte und laut Rémi Krug ein „gastronomischer Rosé“ sein soll. Das Flaggschiff des Hauses ist die Grande Cuvée (ca. 50 Prozent Pinot Noir, 30 Prozent Chardonnay, 20 Prozent Meunier): sehr gut mit weiniger Fülle, vielschichtiger Struktur und perfekt balanciertem Körper, aber auch teuer, gemessen an Cristal, Dom Perignon, Comtes de Champagne - und es kommen einem immer noch, wenn auch selten, überlagerte Flaschen unter. Schon eine Legende: 1990 Krug, ein Meisterwerk im Zusammenspiel von Natur und Mensch (40 Prozent Pinot Noir, 23 Prozent Meunier, 37 Prozent Chardonnay, ca,. 150 Euro). Reich nuancierte Aromatik, voller und zugleich elegant strukturierter Körper, seidige Textur, langer Nachklang, großes Potential. Besonders ideal in der Magnum. Verzicht auf malolaktische Fermentation. Noch immer ein Hochgenuß: der 1928er!

Larmandier-Bernier
Winzerkeller in Vertus. Pierre Larmandier pflegt seine Weingärten nach biodynamischen Grundsätzen. Der Brut Blanc de Blancs aus Premier Cru-Lagen verkörpert den finessigen Stil des Hauses signaturhaft: feines und komplex geschichtetes Bukett, geprägt von weißen Mandeln und etwas Brioche, runder Fruchtkörper von geschmeidiger Fülle und angenehm cremiger Dichte.

Laurenti
Das in Les Riceys 1923 vom Großvater gegründete Weingut wird von den drei Brüdern Laurenti arbeitsteilig geführt. Der Stil des Hauses ist geprägt durch Harmonie und milde Finesse. Die Cuvées sind schlank, nicht mächtig angelegt oder gar breit, eine sanfte Säure bei einem durchschnittlichen Anteil an Restzucker zwischen 10 und 12 Gramm pro Liter sorgt für einen geschmeidigen Körper. Die in Barriques ausgebaute Grande Cuvée Tradition, bestehend aus 70 Prozent Chardonnay und 30 Prozent Pinot Noir, ist quasi die Prestige-Cuvée und erfreut durch sehr feines, Perlage genanntes Mousseux sowie eine gute Balance zwischen Säure und Süße. Golden fließt der Champagner und verbreitet im Nu einen Duftmix aus Apfel, grünen Feigen und etwas Kandis nebst Honigkuchen sowie Vanille, der Mitgift des Holzes. Das Bukett des rubinfarbenen Rosé ist fein geschichtet nach getrockneten Walderdbeeren und etwas Birne, geschmacklich wirkt er weich, ja gefällig, doch verfügt er auch über Finesse.

Lanson
Das in Reims ansässige Haus war berühmt für seine Cuvées von rassiger Finesse – das Ergebnis hochwertiger Basisweine sowie der Verzicht auf die Malo. Doch in den frühen 90ern, wohl bedingt durch mehrere Besitzerwechsel, ermüdete die Rasse. Nun scheint es wieder aufwärts zu gehen, beläßt der neue Lanson-Inhaber der traditionsreichen Marke ihre Eigenständigkeit. Als Klassiker im Hause gilt der Black Label (50 Prozent Pinot Noir, 35 Prozent Chardonnay, 15 Prozent Meunier), ein Brut von lebhaft herber Frische. Nach wie vor über grazile Finesse verfügt der Brut Rosé mit seinem delikaten Bukett nach roten Beeren und ein bißchen Rose (53 Prozent Pinot Noir, 32 Prozent Chardonnay, 15 Prozent Meunier). Rasse und heiteren Charme besitzt der Blanc de Blancs, ein delikater Aperitif und ideal zu Meeresfrüchten. Kraft und Eleganz vereint die komplex strukturierte Noble Cuvée Brut mit Jahrgang (71 Prozent Chardonnay, 29 Prozent Pinot Noir), der quasi wiedergeborene Archetyp des Lanson-Stils.

Laurent-Perrier
Fülle und Rasse kennzeichnen die Stilistik des – östlich von Epernay - in Tours-sur-Marne inmitten von Weinbergen residierenden Hauses. Spitze ist der „Grand Siècle“, ein weiniger Champagner der klassischen Art, der 1957 sehr zum Erstaunen der Champagne-Welt als jahrgangslose Prestige-Cuvée kreiert worden ist – aufgrund der Philosophie, dass durch den Verschnitt von Weinen aus drei großen Jahren (die Premiere bestand aus 1952, 1953 sowie 1955) ein attraktiveres Ergebnis zu erzielen sei. Inzwischen gibt es in außergewöhnlichen Jahren auch einen Jahrgangs-Siècle. Sehr gut sind die traditionell nur aus Pinot noir erzeugten Rosés. Dabei werden die Farbe enthaltenen Traubenschalen mit der Maische in Kontakt gebracht; weitgehend üblich ist ansonsten die Farb-und Geschmacks-Dosage mittels fertigem Rotwein. Grandios und vielleicht der weltfeinste Rosé ist der „Grand Sièc1e Alexandra“, übrigens 1987 vom 82er-Jahr erstmals zur Hochzeit von Alexandra, der Tochter des damaligen LP-Chefs Bernard de Nonancourt, geschaffen und der erste LP-Rosé mit etwas Chardonnay in der Cuvée. Eine weitere Spezialität ist der 1981 präsentierte Ultra-Brut, ein undosierter Champagner von absolut trockenem Geschmack, wie er bereits Ende des 19. Jahrhunderts vor allem englische Lords beglückte. Das Aushängeschild ist der jahrgangslose Brut L-P: kraftvoll, weinig, rund mit würzigen, fruchtigen und leicht toastigen Elementen (ca. 45 Prozent Chardonnay, 40 Prozent Pinot Noir, 15 Prozent Meunier). Vollmundig, rund, cremig und von zarter Würze ist der 1995er (halb Chardonnay und Pinot Noir), reich, weinig, delikat und nachhaltig präsentiert sich der Grand Siècle „La Cuvée (rund 55 Prozent Chardonnay, 45 Prozent Pinot Noir).

R & L Légras
Solide kleine Familienkellerei in Chouilly, die Hausmarke von Franz Keller, Schwarzer Adler in Oberbergen. Cuvées von klarer Frucht und Finesse. Ein Blanc de Blancs von mineralischer Rasse für Liebhaber ist die Cuvéee Saint-Vincent mit Jahrgang: Helles Gold, animierendes Bukett nach Blüten, Mineralien nebst Zitrus-Tönen und einem zarten Hauch von frischem Brioche. Markant und fein strukturiert, sehr guter Essenspartner, speziell für Vorspeisen und Fische.

Mailly
Diese renommierte, 1929 von Winzern gegründete kleine Genossenschaft mit einer Jahresquote von rund einer halben Million Flaschen arbeitet individuell und auf hohem Niveau. Die Cuvées sind deutlich von roten Trauben geprägt, gipfelnd im Blanc de Noirs, einer 1988 eingeführten Rarität, reinsortig aus 100 Prozent Pinot Noir gekeltert: dicht gewoben, kompakt und konzentriert, feingewürzig mit Aromen nach roten Früchten, Apfelquitte, Vanille. Ein großer Champagner, der fleischige Kraft mit seidiger Eleganz verbindet. Charaktervoll sind auch die anderen Sorten wie der besonders brut angelegte „Extra Brut“ (75 Prozent Pinot Noir, 25 Prozent Chardonnay), der klar strukturiert ist und mit seiner reich ziselierten Aromatik nach getrocknetem Obst, weißer Mandel, Nüssen und Zitrusfrüchten nebst einem aparten Hauch von leicht angeröstetem Brioche begeistert. Ein Purist der Extraklasse, etwas für Kenner! Über cremige und zugleich rassige Finesse verfügt auch der lachsfarbene 2005 L’Intemporelle Rosé (60 Prozent Pinot Noir, 40 Prozent Chardonnay): rote Beeren vereinen sich mit floralen Noten und gelbem Steinobst nebst einer diskreten zitrusartigen Tönung zu einem raffinierten Aromenbündel von bezaubernder Finesse.

Henri Mandois
Das seit über hundert Jahren in Pierry ansässige Familiengut mit 35 Hektar Weinbergen (davon sind 23 Hektar mit Chardonnay bestockt) erzeugt im Jahresschnitt 400 000 Flaschen eines klar strukturierten Champagners von komplexer und zurückhaltend dosierter Art (die Dosage beträgt im Schnitt um die acht bis neun Gramm pro Liter). Chef des Hauses ist Claude Mandois, der von französischen Sommeliers 2003 zum „Winzer des Jahres“ gewählt worden ist. Vom Reserve Brut (40 Prozent Chardonnay, je 30 Prozent Pinot Noir sowie Meunier) über den Blanc de Blancs und den Millésime Brut 2001 (60 Prozent Pinot Noir, je 20 Prozent Meunier sowie Chardonnay) bis zum Victory Brut 2000 (ein reiner Chardonnay) und der aus alten Rebstöcken gewonnenen „Cuvée Spéciale Victor Mandois“ als Prestige-Cuvée zieht sich fadengleich der Stil des Hauses, gekennzeichnet durch Frische, Komplexität und Finesse.

Moët & Chandon
Wenn es einen Platzhirsch in der Champagne gibt, dann ist es Moet & Chandon in Epernay. Trotz seiner Größe (die Jahresproduktion liegt bei schätzungsweise 25 Millionen Flaschen) erzeugt das Haus dank seiner Finanzkraft, des umfangreichen Weinbergsbesitzes, der technischen Ausstattung und vor allem dank seiner exzellenten Önologen durchweg Weine von achtbarer bis ausgezeichneter Qualität. Der Brut Imperial, in der Regel komponiert aus je einem Drittel Chardonnay, Pinot Noir sowie Meunier, ist eine ziemlich zuverlässige Cuvée, füllig, weich und ausgewogen strukturiert, doch besteht notwendigerweise in den letzten Geschmacksnuancen eine Abhängigkeit von der Güte desjenigen Erntejahres, das den Hauptanteil der Cuvée bildet. Der Kellermeister kann wohl gewisse Unebenheiten eines kleinen Jahrgangs durch das Mischen mit besseren Grund- und Reserveweinen ausgleichen, doch naturgemäß nicht total beheben. Brut ler Cru: sozusagen die noble Schwester des normalen „Brut Imperial“. Die Trauben stammen aus Premier Cru-Lagen. Eigenschaften: frisch, animierend mit floralen Noten, flankiert von Zitrustönen und einem Hauch von Brioche. Rund, finessig. Fraglos große Klasse haben die Jahrgangs-Cuvées (40 Prozent Chardonnay, 35 Prozent Pinot Noir, 25 Prozent Meunier): Verführerisches Bukett, Trockenblumen und Kernobst (Aprikose) nebst den für Moet typischen Aromen nach Gewürzen und leicht geröstetem Weißbrot. Kräftige Struktur, nachhaltig. Es lohnt sich, die Jahrgangscuvées noch einige Zeit bei sich nachreifen zu lassen. Die Vintages haben generell eine exzellente Lagerfähigkeit, was nicht nur für formidable jüngere Jahrgänge gilt; selbst 1985, 1982, 1976, 1969, 1964 und sogar 1959 vermögen noch durch ihre grazil gereifte Finesse zu faszinieren. Ein herrliches Aromenmix aus Orangen, Schokolade, Vanille und zart nach Strauchblüten sowie Johannisbeere bietet der 1998 Vintage Rosé (43 Prozent Pinot Noir, 35 Prozent Chardonnay, 22 Prozent Meunier). Dieser Rosé beginnt mit einem starken ersten Schluck und endet harmonisch in einem fruchtigen Crescendo-Finale.

Nicolas Feuillatte
Flaschenmillionär in Chouilly (Jahresproduktion um die 8,3 Millionen Bouteillen) mit weit gefächertem Sortenprogramm. Neben einer individuell angelegten Grand Cru-Serie à la Ambonnay, Cramant, Ay, Chouilly, Verzy, Le Mesnil sowie einem brillant strahlenden Blanc de Blancs reüssiert die Genossenschaft mit einer „Palmes d’Or“ getauften Prestigecuvée in Weiß und Rosé von eleganter Stilistik – der 1998er in Weiß sowie der 2003er als Rosé tänzeln wie ein Fred Astaire elegant, charakterstark und finessig über die Zunge.

Joseph Perrier
Im Jahre 1825 gegründet und seither in Chalons-sur-Marner ansässig, zählt das Haus zu den großen Unbekannten (Jahresproduktion um die 600 000 Flaschen). Kenner wissen freilich um die hohe Güte der Cuvées vom Royale Brut über den Blanc de Blancs und den Rosé bis zum Millésime 1999 (49 Prozent Chardonnay, 43 Prozent Pinot Noir, 8 Prozent Meunier). Der Stil ist geprägt von den roten Pinots aus hauseigenen exzellenten Lagen, die Cuvées glänzen durch fein ziselierte Frucht und Eleganz, sie sind großzügig und ausgeglichen bei komplexer Aromatik.

Perrier Jouet
International populär wurde das 1811 in Epernay gegründete Haus vor allem durch die Cuvée Belle Epoque in der 1902 vom Jugendstilkünstler Emile Gallé kreierten Flasche mit dem swingenden Anemonen-Motiv. Michael Budin, der langjährige Chef des Hauses, versierte Verkoster und passionierte Liebhaber des Jugendstils, hat in Epernays Avenue de Champagne ein Jugendstilmuseum eingerichtet (mit einem Speisesaal von Majorelle, Objekten von Gallé, Daum, Müller & Co). Der Stil ist gekennzeichnet durch füllige, weinig akzentuierte Frucht. Der Grand Brut präsentiert sich mit Noten von Blüten und weißem Pfirsich nebst etwas Zitrus und einem cremigen Hauch von Brioche.

Philipponnat
Ein kleines feines Haus in Mareuil-sur-Ay, das pro Jahr maximal eine halbe Million Flaschen erzeugt. Der Stil ist eine gelungene Mischung aus körperreich, weinig und finessig mit trockenem Akzent. Brut Royal Réserve ( 60 Prozent Pinot Noir, 25 Prozent Chardonnay, 15 Prozent Meunier): intensive und zugleich grazil nuancierte Aromatik aus Zitrus, Nuß, Apfel und Gewürzen, fein balanciert - idealer Partner zu Kaviar und Meeresfrüchten. Brut Réserve Rosé (65 Prozent Pinot Noir, 25 Prozent Chardonnay, 10 Prozent Meunier): leicht verspieltes Bukett nach roten Johannisbeeren, Trockenfrüchten (Aprikose) sowie einem aparten Hauch von Rosen; herbfinessig am Gaumen. Das Prunkstück des Hauses ist der „Clos des Goisses“, eine ummauerte Spitzenlage, deren beste Leseerträge - um die 15000 bis 20 000 Bouteillen - für die Prestige-Cuvée gleichen Namens genutzt werden. Goisses ist übrigens das alte Dialektwort für schwierig, und so ist es auch: die am Dorfrand von Mareuil-sur-Ay aufragende Steillage ist schwierig zu bearbeiten..

Pol Roger
Klassiker aus Epernay. Fruchtiger Stil, klar in der Struktur, elegant. Dicht in der Aromatik und von tiefem Gewebe bis wuchtig im besten Sinne ist die Prestige-Cuvée „Sir Winston Churchill“, einer der besten Champagner überhaupt. Der 1995er hat ein suggestives Bukett (Trockenfrüchte, Brioche) und einen muskulösen Körper, der Kraft und Eleganz aufs Nobelste miteinander verbindet. Diese Top-Cuvée, 1984 erstmals als Hommage an Churchill vom Jahrgang 1975 kreiert, ist lange haltbar und ein Ideal für Liebhaber des mächtigen fleischigen Stils. Die genaue Zusammensetzung der Rebsorten wird geheim gehalten, vermutet werden darf ein sehr hoher Anteil an Pinot Noir. Der jahrgangslose Brut besteht zu je einem Drittel aus Pinot noir, Chardonnay sowie Meunier: würzig, weinig, rassig, ausgewogen mit angenehm diskreten Röstaromen, Hauch von Zitrus und sanftem cremigem Finale. Exzellent ist auch der Blanc de Blancs als Vintage: fein nuanciertes Bukett, fruchtig, grazile Struktur; hat Anmut und Rasse, ideal als Aperitif.

Pommery
Das in Reims in verkitschter Neogotik residierende Haus hat eine ebenso wechselvolle wie teils besorgniserregende Geschichte hinter sich; vor allem der Verlust von wertvollen Weinbergen, dem großen Kapital jeder Kellerei, durch etliche Besitzerwechsel (1979 erwirbt die Familie Gardinier die Kellerei, 1984 steigt der Danone-Konzern ein, 1991 die Luxusgruppe LVMH mit Moet & Chandon, schließlich erwirbt Vranken das Objekt) ist praktisch unersetzlich. Früher, unter Prince Alain de Polignac, dem gerechten Önologen, war der Pommery-Stil ein Genuß für Kenner: vertikal anstelle von breit, finessig anstelle von wuchtig – und bei aller Grazie dennoch komplex in der Aromatik, von tiefem Geschmack und langlebig obendrein. Diese Tugenden gelten heute am ehesten für die Prestige-Cuvée namens Louise. Gleiches gilt für die Louise Rosé. Die Grundweine für die Cuvée stammen aus besten Lagen, 60 Prozent sind Chardonnay, 40 Prozent Pinot Noir.

Louis Roederer
Das Haus für Eleganz, ansässig in Reims. Der „Brut Premier“, dem noch Jean-Claude Rouzaud – der Vater des heutigen Firmenchefs, Önologe und geniale Stratege - eine vierjährige Reifezeit verordnet hat, ist eine der besten Cuvées ohne Jahrgang, fein nuanciert, klar, frisch, fruchtig, rassig, animierend, jederzeit eine Freude zu trinken (rund 2/3 Pinot Noir und 1/3 Chardonnay). Groß ist der „Cristal“, die erste, 1876 für den Zaren kreierte Prestige-Cuvée in der transparenten Flasche. Ein Hochgenuss ist der inzwischen legendäre 1990er Cristal, ein Jahrhundertchampagner. Gleichfalls Klasse haben 1993, 1995, 1996 sowie der 1997er: fein ziseliert, reich, vielschichtig, raffinierte Aromatik nach roten Beeren und Zitrusfrüchten mit sanften Einsprengseln von Brioche; seidige Textur, hochelegant (55 Prozent Pinot Noir, 45 Prozent Chardonnay). Ein florales und weiniges Bukett nach Blüten, Aprikosen, Nuß, Weißdorn, etwas Zitrus und sanft geröstetem Weißbrot zeichnet den Blanc de Blancs mit Jahrgang aus, ein weiteres elegantes Kaliber im Programm von Roederer.

Ruinart
Das in Reims ansässige Haus hat nicht nur wunderschöne, unter Denkmalschutz stehende Kalksteinkeller aus galloromanischer Zeit (die sogenannten „Crayeres“). Es begeistert den Kenner auch durch feine Cuvées, die grazil in der Stilistik sind und zugleich fest im Geschmack. Die Cuvées sind deutlich vom Chardonnay geprägt. Rasse haben die „R“-Cuvées, Spitze ist der „Dom Ruinart“ als Blanc de Blancs sowie als Rosé. Der jahrgangslose “R“ de Ruinart (60 Prozent Pinot Noir, 40 Prozent Chardonnay) besticht bereits die Nase durch florale Noten (Rebblüten, Akazie, Linde), ergänzt durch obstige, würzige und sanft karamellige Töne; der Körper hat Fülle, wirkt frisch und ist ausgeglichen. Beim kürzlich kreierten Blanc de Blancs o.J. entzückt neben der transparenten Antikflasche aus dem 18. Jahrhundert die sozusagen ruinart-typische Finesse, diese filigran gefächerte Aromatik nach Limonen, Aprikose und etwas Brioche nebst ein bisschen Honig. Der Ruinart Rosé wiederum hat eine intensive, gleichwohl subtil nuancierte Aromatik nach kleinen roten Beeren, eingelegten Früchten und ist ein nobler Tischpartner (55 Prozent Pinot Noir, 45 Prozent Chardonnay). Das Nonplusultra ist freilich der „Dom“, ein Blanc de Blancs der Extraklasse aus bestem Jahrgang: verheißungsvoller Duft nach Blüten, Limonen, leisen Röstaromen und einem Hauch von Nußbutter, komplexe Aromatik, seidige Struktur, einfach bestechend fein in der Stilistik.

Salon „S“
Das in der Belle Epoque vom reichen Pelzhändler Aimé Salon in der Chardonnay-Diaspora Mesnil sur Oger aus Liebhaberei gegründete Haus produzierte seinen Blanc de Blancs anfangs exklusiv für den lebenslustigen Besitzer und dessen Freunde. Erst 1921 wurde Salon zu einem kommerziellen Unternehmen, doch eines hielt sich von 1905 bis heute: Unter dem schwungvollen „S“ wird nur in sehr guten Jahrgängen und nur aus der Rebsorte Chardonnay ein Champagner erzeugt, der sozusagen seine eigene Prestige-Cuvée darstellt. Das kleine, inzwischen zu Laurent-Perrier gehörende Haus produziert pro Jahrgang um die 100 000 Flaschen eines Blanc de Blancs von kraftvoller Art. Der Salon-Stil ist weinig und muskulös, in der Jugend wirkt die Cuvée durch den Verzicht auf die malolaktische Gärung sehr temperamentvoll. Typische Aromen für den jungen Salon sind Heublumen, Apfel, Lindenblüten, kandierte Orangen, Gewürze. Im Laufe der Reife entwickeln sich Noten nach Vanille, Nüssen, auch Malz und Brioche. Besonders ausgeprägt ist die Langlebigkeit von „S“, einer wahren Chardonnay-Essenz.

Taittinger
Taittinger, in Reims zu Hause, setzt auf geschmeidigen Stil. Die weltberühmte „Collection“-Serie, bei der populäre Künstler die Flaschen als Luxusprodukt gestalten, angefangen mit Vasarely und fortgeführt von Arman, Lichtenstein, Hartung, Imai, Matta und anderen, ist schön fürs Auge, doch der Inhalt ist deckungsgleich mit dem normalen Vintage. Prächtige Spitze ist der „Comtes de Champagne“, ein Blanc de Blancs der Sonderklasse, der, 1950 erstmals aufgelegt, lange Jahre bis zum Höhepunkt benötigt. Jetzt perfekt sind 1996, 1995, 1990, 1988, 1986. Eigenschaften: zart und fein ziseliertes Bukett (Vanille, Blüten, Zitrusfrüchte, Nuß, Feingebäck). Komplexer Körper, reiche und zugleich subtil gefächerte Aromatik. Ein kleiner Teil der Grundweine, um die vier bis sechs Prozent, wird in kleinen Fässern aus neuem Holz ausgebaut (Barriques); das festigt die Struktur und gibt der Cuvée zusätzlich eine aparte vanillige Würze. Der Brut Réserve (je 40 Prozent Pinot Noir und Chardonnay plus 20 Prozent Meunier) ist weich angelegt mit floralen Noten, etwas füllig, ausgewogen. Der Brut Jahrgang (je zur Hälfte bestehend aus Pinot Noir sowie Chardonnay) hat ein delikat nuanciertes Bukett (Blüten, Äpfel, Nuß, ein bißchen Brioche), einen grazil strukturierten Körper, ist rund und finessig. Anmutig kreiert ist der Prestige Rosé (ungefähr 70 Prozent Pinot Noir, 30 Prozent Chardonnay).

De Venoge
Sitz in Epernay. Der Brut Cordon Bleu, die Standard-Cuvée ohne Jahrgang, ist gegenüber früher stilistisch durch etwas mehr strukturelle Dichte und geschmackliche Markanz ein wenig modifiziert worden: 50 Prozent Pinot Noir, je 25 Prozent Meunier sowie Chardonnay (ca. 32 Euro). Eine Besonderheit ist der Blanc de Noirs, der – im Gegensatz zum rein aus weißen Chardonnay-Trauben hergestellten Blanc de Blancs – ausschließlich den Saft blauer Trauben aus Pinot Noir (80 Prozent) sowie Meunier (20 Prozent) enthält. Er hat eine goldgelbe Farbe mit leichtem rosa Schimmer und ist, mit seinen kräftigen Aromen nach getrockneten Früchten, roten Beeren und der delikaten fleischigen Note, ein starker Charakter, gut passend auch zu Gegrilltem, zu Wildgeflügel, Pilzen und reifem Hartkäse à la Comté. Feinherb gibt sich der Rosé Brut mit Aromen nach Strauchblüten, kleinen roten Beeren und Zitrusfrüchten (60 Prozent Pinot Noir, je 20 Prozent Meunier sowie Chardonnay). Komplex und ausgeglichen mit sanften mineralischen, würzigen, nussigen und zitrusartigen Noten präsentiert sich der Cordon Bleu Blanc de Blancs mit Jahrgang. Die Prestige-Cuvée namens Champagne des Princes ist ein Blanc de Blancs, nur erzeugt in guten Jahrgängen und gefüllt in Kristallflakons in Karaffenform mit langem Flaschenhals. Er ist von graziler Struktur. rassig und langlebig (der 1976er strahlt immer noch finessig).

Veuve Clicquot Ponsardin
Der Stil dieses kompromisslos an hoher Qualität orientierten Hauses mit Sitz in Reims läßt sich mit wenigen Worten ungefähr so interpretieren: Frucht, Klarheit, tiefer Geschmack, Komplexität, Finesse. Die Cuvées werden geschmacklich von den roten Trauben bestimmt, entscheidend ist ferner der Einsatz von hochwertigen Reserveweinen sowie die lange Reifezeit der einzelnen Sorten (der Brut o.J. liegt bis zu vier Jahre im Keller). „Die Seele von Veuve Clicquot ist sein Weinberg“, sagte Jacques Peters, der langjährige Chefönologe und Spiritus rector der vor über einem Jahrzehnt eingeleiteten Geschmacks-Reform, bei der sich das Haus von seiner altmodischen, etwas betulichen Stilistik zugunsten einer zeitgemäß eleganteren Linie verabschiedete, die jedoch nicht als modisch mißverstanden werden darf. Der jahrgangslose Brut mit dem unverwechselbar gelben Etikett – deshalb auch „Carte Jaune“ genannt – ist von sanftwürziger weiniger Art, vollmundig, kremig, rund und angenehm trocken wirkend (56 Prozent Pinot Noir, 16 Prozent Meunier, 28 Prozent Chardonnay). Ein delikates Bukett entströmt dem Rosé Reserve 1998 (58 Prozent Pinot Noir, 11 Prozent Meunier, 31 Prozent Chardonnay): Duftakkord aus roten Beeren und gelben Früchten (Walderdbeere, Johannisbeere, Pfirsich, etwas Birne) mit einem zarten Finale aus Feige und Feingebäck; fleischig-fruchtig im Geschmack, seidige Textur, langer, opulent zu nennender Nachklang. Die Prestige-Cuvée heißt sinnig – und zu Recht – La Grande Dame: eine Hommage an die legendäre Nicole-Barbe Clicquot, geborene Ponsardin, die nach dem Tode ihres geliebten Mannes im Jahre 1805 als gerade mal 27jährige die Führung des Hauses übernahm und sich mit sicherem Instinkt für Talente sowie Geschäfte als begabteste der zahlreichen Champagnerwitwen etablierte. La Grande Dame 1995: raffiniertes Mix aus floralen und fruchtigen Noten (à la Zitrusfrüchte, frische Mandeln, weißer Pfirsich, Pampelmuse, Hauch von Bergamotte), üppig und zugleich geschmeidig mit graziler Stilistik, feinfruchtig, sehr finessig, halt Grande Dame mit mädchenhaftem Charme. Auch als Aperitif geeignet (62,5 Prozent Pinot Noir, 37,5 Prozent Chardonnay). Ein Rosé in Vollendung ist die La Grande Dame 1990: schon die ins Altrosa mit einem gräulichen Beiton hineinspielende Farbe zeugt von der Klasse. Der Franzose vergleicht diese Farbe mit dem Auge des Rebhuhns. Aus dem Glas duftet es dezent nach Strauchblüten und roten Beeren nebst einer zartbitteren Mandelnote. Ein schlanker Champagner, wunderbar in seiner klaren Harmonie, kurzum ein Hochgenuß und ein Fest für sich; ideal zu Wildpassteten, Ziegenkäse, fruchtigen Desserts. Zarte Süße hat der „Rich Reserve“, ein halbtrockener Champagner als Wiederbelebung des lieblichen Stils auf hohem Niveau. Paßt sehr gut zu würzigen Speisen.

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