Edelsüße

Edelsüße Weine zu pikanten Speisen: spannend und köstlich

Geschrieben von: August F. Winkler

Als Noah nach verflossener Sündenflut die Arche verließ, hungerte und dürstete es ihn. Wir wissen nicht, was er aß – Gemüse, Obst, Fleisch, Fisch? Im ersten Buch Mose heißt es: „Alles, was sich regt und lebt, das sei eure Speise.“ Aber der alte Menschenvater dachte kulinarisch weiter. Er legte einen Weinberg an und betrank sich an der ersten Ernte. Das haben Moralprediger später zürnend als Verlust des rechten Maßes gebrandmarkt. Dies kann man generöser, genüsslicher sehen und Noah als ersten Gourmet hochleben lassen: Er pflanzte Reben, weil er ahnte, dass Essen erst in der Verbindung mit Wein zu einem abgerundeten Stück Kultur wird, zu einem Gesamtgenußwerk.

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Edelsüße Weine: noble Kracher-Essenzen von 1981 bis 2009

Geschrieben von: August F. Winkler

Die Region um den Neusiedlersee ist so etwas wie das Sauternes von Österreich und Gerhard Kracher ihr Prophet. Robert M. Parker, der einflußreichste Weinkritiker weltweit, beehrt die Kracher’schen Trockenbeerenauslesen seit Jahren notorisch mit Punkten nahe der Hundert. Während die 2010er nun für den Markt frei gegeben werden (Kracher: „Ein Jahr, das mit Enttäuschung begann und mit Freuden endete“), die besten 2011er noch in den Fässern reifen und erst im Oktober 2013 auf den Markt kommen (Kracher: „Extrem schwierig für Botrytis, schöne Auslesen, Beerenauslesen und Eiswein“), beginnt im östlichen Burgenland, dem sogenannten Seewinkel, für Kracher in diesen Tagen die Ernte der ersten Edelsüßen des Jahrgangs 2012 (Kracher: „Die Botrytis entwickelt sich wunderschön“). Der Mann mit dem bescheidenen Auftreten führt fort, was sein Vater Alois, der viel zu früh vom Weingott heimgeholte Charismatiker mit dem großen Herzen, begonnen und aufgebaut hatte: edelsüße Weine von hoher territorialer Identität, Charakterstärke und Eindringlichkeit. (Weinlaubenhof Kracher, Illmitz, www.kracher.at)

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Edelsüße: Interview mit Hans & Kurt Feiler

Geschrieben von: August F. Winkler

Der Mann mit dem sanften Blick nimmt einen Schluck vom edelsüßen 1991er Sauvignon blanc. Im Nu bekommen seine Augen einen besonders seligen Glanz und intoniert er ein wohliges „Mhhh", das klingt wie ein Liebesseufzer. „Den Wein hat er sich selber zum 50. Geburtstag geschenkt", sagt Inge Feiler über diesen ungewöhnlichen Ruster Ausbruch mit der feinen Honigsüße und dem schier ewig anhaltenden geschmacklichen Nachklang. Hans Feiler nickt, ja, als man die von der Edelfäule namens Botrytis befallenen Trauben erntete, Anfang November, hätten die Stare schon vor ihnen ihr Festessen gehabt und das Meiste von den Stöcken gepickt. Um die 800 Flaschen dieser Rarität seien schließlich mit dem Beschluß gefüllt worden, den Wein nicht zu verkaufen, sondern im Kellergewölbe des barocken Bürgerhauses in Rust am burgenländischen Neusiedler See privat zu lagern.

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Yquem und Sauternes

Geschrieben von: August F. Winkler

Wie jede Liebesgeschichte beginnt auch die zum edelsüßen Wein mit einem sinnlichen Erlebnis. Der höchstwahrscheinliche Anfang ist eine fingerdicke Scheibe Gänseleberterrine, rosa in der Mitte und umgeben von einem zarten Fettrand in jenem wundersamen Goldgelb, mit dem gotische Maler die Heiligenscheine verklärten. Dazu gibt es einen Sauternes voll köstlicher Finesse und der gleichen Farbe wie der Heiligenschein, nur noch glänzender. Und wenn das ein Yquem ist, vielleicht der opulente 1980er oder gar der 1975er mit seiner geradezu herrischen Kraft und Eleganz, dann ist das ein kulinarischer Akt von subtiler Erotik.

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Edelsüße gewinnen durchs Dekantieren

Geschrieben von: August F. Winkler

Aus dem ersten Glas duftet es verführerisch nach Rosine, Honig und Karamell, diskret flankiert von kräuterigen und mineralischen Tönen. Auch der Wein im Glas Nummer zwei verströmt ein edelsüßes Bukett, aber er hat, bei aller Ähnlichkeit mit dem ersten, deutlich mehr Finesse. Die Nuancierung ist feiner, der Geschmack reichhaltiger, der Nachklang intensiver. Dabei handelte es sich beide Male um den gleichen Wein, einen 1995er Ruster Ausbruch des famosen Top-Winzers Feiler-Artinger aus Rust, nur: Die erste Flasche ist unmittelbar vor dem Trinken entkorkt worden, wohingegen der Inhalt der zweiten Flasche bereits eine Stunde zuvor dekantiert, also in eine Karaffe umgefüllt wurde und dort luftig lagerte.

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