Bücher für Feintrinker: Der kleine Johnson 2014

Der kleine Johnson 2014

Das Trinken ist natürlich sinnlicher als das Lesen über Wein. Darin liegt der Triumph der Praxis über die Theorie. Aber es gilt auch, dass tiefer genießt, wer mehr über das Objekt weiß. Quellen der Erkenntnis können u. a. Bücher über den Wein sein. Können! – denn nicht jedes Weinbuch verdient Applaus. Einiges von der jährlichen Massenernte ist hilfreich, manches wertvoll, etliches allerdings überflüssig, weil schlampig recherchiert und obendrein noch langweilig geschrieben. Es gibt nur wenige Autoren, die gleichermaßen informativ wie genüsslich schreiben.

Johnson 2014Man nehme Hugh Johnson. Der Auflagenmillionär ist gebildet und kennt sich insbesondere in der Weinhistorie bestens aus. Zudem ist er ein freundlicher Mensch, geprägt von britischer Lebensart. Das mag erklären, weshalb Johnson bei der Bewertung der Weine, deren Güte er mit Sternen klassifiziert, oft eher höflich als kritisch urteilt. Diese Milde muß kein Manko sein beim Kleinen Johnson, dem laut Hallwag-Verlag „seit über 35 Jahren erfolgreichsten und meistgekauften Weinbuch der Welt“. Zwar sind klare Aussagen eines bekannten Weinautors fraglos von Nutzen – Robert Parker, dem US-Antipoden von Johnson, haben dessen Weinkritiken den Rang eines globalen Weinpapstes eingebracht. Aber der Hauptwert des Johnson-Büchleins ist sowieso mehr der eines kleinen, aber überaus dienlichen und sehr benutzerfreundlichen Handlexikons.

Das jährlich aufgelegte Büchlein beschreibt im Telegrammstil rund 15 000 Weine und Produzenten weltweit. Den Châteaux des Bordelais ist richtigerweise ein eigenes Kapitel gewidmet. Unter der Federführung von Johnson haben Fachleute vorzugsweise angelsächsischer Herkunft die Weine mit Sternen bewertet: ein Stern steht für Wein von „einfacher Qualität für jeden Tag“, wohingegen vier Sterne eine Kreszenz von „erstklassiger, anspruchsvoller, teurer“ Art schmücken. Ergänzt wird das nützliche, kompakt strukturierte Kompendium um Abhandlungen zu Themen wie Jahrgangsbeschreibungen, prägnant kurzen Rebsortenporträts, Empfehlungen für Trinktemperaturen, einem längst fälligen Extra über Burgund sowie einigen eher harmlosen Anmerkungen zum an sich recht komplexen Kapitel vom „Essen & Wein“.

Es ist, auch für erfahrene Weinfreunde, ein sehr nützliches Nachschlagewerk für rasche Orientierung im dichten Weindschungel. Obendrein hat es den Vorteil, bequem in die Jackentasche zu passen, also dient es auch als Einkaufshilfe, ob im Handel oder Restaurant.

Der kleine Johnson 2014, Hugh Johnson, Hallwag, 472 Seiten. 9 x 19 cm, Euro 19,90

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