Verkostungsnotizen

1966 Haut-Brion in der Magnum:

Geschrieben von: August F. Winkler

Oft ist zu hören, Wein sei ein Mysterium. Das klingt nach Shakespeare im Glas und arg nach Religion, doch da ist was dran. Gestern habe ich mit Freunden einen 1966er Haut-Brion aus der Magnum entkorkt. Der Jahrgang gilt nicht gerade als Champion des Gutes, aber weil es auf Haut-Brion – etwa im Gegensatz zu Lafite, Margaux und anderen – nie eine ausgeprägte Schwächephase gab, war die Erwartung angemessen hoch. Das Rot war gebleicht, der Duft ein Mix aus gerösteten Kaffeebohnen, Lakritze, Tabak und etwas Waldboden. Der Wein gestattete sich noch einen Anflug von Köstlichkeit, doch sei er doch schon recht welk, lautete das Urteil.

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1997 Masseto

Geschrieben von: August F. Winkler

Tiefrot wie Blut strömt der Wein aus der Karaffe. Aus dem Glas schwillt ein Aromenstrom aus reifen roten Früchten, flankiert von gewürzigen (weißer Pfeffer) und leicht tabakigen Noten plus etwas Kakao und einem Hauch von feinen Röstaromen sowie einer zarten Süße. Kraftvoller Körper, konzentriert und dabei elegant mit reifem, bereits schön geglättetem Tannin. Langer Nachklang. Großer Wein zu großem Preis um die 200 Euro.

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2004 Merlot Selección privada, Bode

Geschrieben von: August F. Winkler

Tiefdunkelrote Farbe mit Purpurschimmer. Verbreitet im Nu einen fruchtdichten Duftstrom aus roten Früchten (Beeren, Kirschen) nebst etwas Vanille und einem sanften Hauch von Minze. Das Tannin ist fein gewoben. Voller, geschmeidiger Fruchtkörper. Die neunmonatige Reife in Barriques aus französischem Holz verleiht dem Wein eine zarte süßliche Note. Ein gefällig gemachter Wein von suggestiver Fruchtigkeit, ja eine Charmebombe auf Samtpfoten – und für 13,50 Euro eine Okkasion.

Der Wein ist der Erstling von Reiner Mehlo, einem Schwaben. Mehr Details gibt es unter: www.mehlo-spanische-weine.de

   

1973 Château Latour

Geschrieben von: August F. Winkler

Zeigt ein glänzendes Rubin. Ziseliertes Bukett mit Noten nach Rosen, Schwarztee, Trüffel und Malz. Relativ stabiler Körper mit delikatem Abgang. Gewiß, der Wein ist schon ein wenig erfüllt von einer Morbidezza, aber es ist eine voller Charme – und er vermittelt noch eine Ahnung von der für Latour typischen Ernsthaftigkleit. Gehört wie Pétrus zu den stärksten 1973ern und belegt eindrucksvoll, daß auch in einem sehr kleinen Jahrgang ein guter, ja sehr guter Wein gewonnen werden kann. Vielleich erstaunlich oder auch nicht, jedenfalls bemerkenswert: Robert M. Parker ignoriert den 73er.
 

2002 Cava Kripta

Geschrieben von: August F. Winkler

Feines Perlen, finessiges Bukett, zusammengesetzt aus Strauchblüten, gelben Früchten und einem zartsüßlichen Hauch von Brioche. Mittelschwerer Körper, weich und mild angelegt von gefälligem Charakter. Trinkt sich angenehm, hat heiteren Charme, aber was fehlt, das ist Tiefe mit Nachhaltigkeit. Stolzer Preis: 55, 60 Euro, erstanden kürzlich in Marbella.

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Dunkelrubin fließt der Wein mit seidigem Glanz ins Glas und entfaltet im Nu sein betörendes, vielschichtig ziseliertes Bukett mit...

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