Wein der Woche

2008 Château de Pez, Cru Bourgeois, St. Estephe

Geschrieben von: August F. Winkler

2008 Château de Pez, Cru Bourgeois, St. Estephe

Dunkelrot und mit einem jugendliche Frische signalisierenden Lilaschimmer fließt der Wein ins Glas, aus dem im Nu ein dicht geflochtenes Bukett dringt. Es duftet nach Sauerkirsche und Beeren (Brombeere, schwarze Johannisbeere, etwas Preiselbeere), flankiert von dunklen Tönen à la angerösteter Pflaume nebst Vanille sowie leicht karamellisierten Haselnüssen und einem aparten Hauch von Minze. Auch eine subtile Süße schwingt mit. Der Körper ist komplex gebaut, bestens ausbalanciert und gut bestückt mit Frucht sowie raffiniert wirkenden Einsprengseln von Nougat und gewürzigen Noten à la Wacholder. Im anhaltenden Nachklang ist auch etwas Bitterschokolade auszumachen.

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1996 Gevrey-Chambertin Clos St. Jacques 1er Cru, Armand Rousseau, Burgund

Geschrieben von: August F. Winkler

1996 Gevrey-Chambertin Clos St. Jacques 1er Cru, Armand Rousseau, Burgund

Dunkelrubin fließt der Wein mit seidigem Glanz ins Glas und entfaltet im Nu sein betörendes, vielschichtig ziseliertes Bukett mit Aromen nach Kirsche, Himbeere sowie jenem schwer zu beschreibendem Ton, den der Franzose achtungsvoll „gout animal“ nennt, was sich leicht als animalischer Geschmack übersetzen läßt. Und tatsächlich ist diese zart an rohem, frischem Rehfleisch orientierte Note typisch für große Burgunder in jüngeren Jahren. Und keine Frage: der 96er ist noch jung, nicht jugendlich, was weniger wäre. Der Wein hat eine feine Extraktsüße mit einem langen, von subtiler Bitterschokolade geprägtem Nachklang.

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1996 Pommard Rugiens, Domaine Michel Gaunoux, Burgund

Geschrieben von: August F. Winkler

1996 Pommard Rugiens, Domaine Michel Gaunoux, Burgund

Pommard RugiensIch verrate kein süßes Geheimnis mit dem Bekenntnis, Burgunderweine sehr zu mögen, ja zu lieben. Zwar ist oft zu hören, Burgunder seien überparfümiert – schon richtig, so mancher Pinot noir tritt auf wie ein Feldmarschall von 1871: pompös, stolzierend, mit Lametta aufgeputzt. Gute und zumal große rote Burgunder sind stets eine Begegnung mit dem Überfluß. Aber sie faszinieren nicht durch Übertreibung, sondern dank ihres dichten Fruchtbuketts und der samtigen Tiefe. Kein anderer Rotwein verfügt über diese Kombination von Kraft, Finesse und Geschmeidigkeit, jene mitunter schon unkeusch zu nennende Sinnlichkeit.

Solche anheimelnden Gefühle vermittelte der 1996 Pommard Rugiens der Domaine Michel Gaunoux, ein Premier Cru eines bäuerlichen Winzers aus einem Dorf, das für seine kraftvollen Rotweine bekannt ist. Der Wein lag lange Jahre in meinem Keller, bis ich ihn endlich entkorkte, neugierig, ob und wie der 21jährige schmecken würde. In tiefdunklem Rubin (!) floß er randfrei und seidig glänzend ins Glas. Das klassische Burgunderrot ist nie so dunkel wie das Rot des Cabernet Sauvignon, doch das darf nicht zu falschen Schlüssen führen. Große Gewächse verfügen über ein ähnlich gutes Lagerpotential wie ein Cabernet Sauvignon – eine Kraft, die selten ausgenützt wird, denn das Gros der roten Burgunder wird in der Regel viel zu jung getrunken, übrigens auch in Unkenntnis des exzellenten Reifepotentials.

Anfangs dominiert ein sanfter animalischer Ton das Bukett, es ähnelt frischem Fleisch vom Reh. Dieser Duft löst sich bei großen Weinen bald auf und geht dann in die prachtvolle Hocharomenphase über, die viele Jahre anhält. Prompt entfaltet sich der Wein durch die Sauerstoffdusche. Er blüht im Glas regelrecht auf, er wird vielschichtiger in Duft wie Geschmack. Zu finden sind rote Früchte à la Waldhimbeere sowie Kirsche und rote Johannisbeere nebst einer sanften gewürzigen Note (Piment, ein bißchen Nelke). Im Hintergrund nimmt man etwas geröstete Pflaume, einen Hauch von Vanille und eine zarte Edelbitterschokoladenote wahr.

Geschmacklich wird der – immer noch sehr jung wirkende - Wein von Minute zu Minute substanzieller, auch vielschichtiger. Es ist ein traditionell gekelterter Wein, der geschmeidige Fülle mit seidigem Gewebe verbindet. Im Abgang ist ein sanfter Tanninhauch zu spüren, und eine delikate, den langen Nachklang prägende Süße kündet von einem Wein, der noch ein Leben in Schönheit vor sich hat. Mich erinnerte er an einen 1937er Grands Epenots von der Domaine Gaunoux, den ich vor 22 Jahren mit viel Genuß getrunken habe.

Die kulinarische Macht eines Pinot noir zeigt sich darin, daß er im Solo als Meditationswein ebenso gut schmeckt wie zum Essen. Wir haben ihn mit zunehmender Begeisterung zu geschmorten Kalbsbacken getrunken. Ein Wein dieser Klasse ist ein idealer Partner für Wildgerichte, Schmorbraten, Fleischpasteten und schwarze Trüffelgerichte. Ein kleiner Pinot noir ist eine Dürftigkeit, ein großer hingegen ein Genuß. Es ist schon so: Kein anderer Rotwein, ob Cabernet, Syrah, Merlot oder Nebbiolo, nimmt es an fruchtiger Pracht und aromatischer Sinnlichkeit mit einem Pinot noir erstklassiger Herkunft auf. Das sind Weine von ziselierter Fruchtigkeit, tiefer Aromatik und seidiger Finesse, Gewächse, wie sie mein Onkel Franz meinte, als er sagte: „Wenn Du so viele Bordeaux getrunken hast wie ich, dann kommst Du wieder zum Burgunder zurück.“
   

2006 William Deutz, Champagne

Geschrieben von: August F. Winkler

2006 William Deutz, Champagne

Hellgolden tänzelt der Wein ins Glas und charmiert die Nase im Nu mit einem raffiniert geflochtenen Aromenstrauß aus gelben Früchten, weißer Johannisbeere und kleiner reifer Walderdbeere, ergänzt um Mandelblüte, getrockneter Papaya, Sanddorn und ein bißchen Brioche nebst einem zarten Hauch von Bratapfel sowie weißer Schokolade. Auch geschmacklich treten diese Aromen auf, zusätzlich empfehlen sich Haselnüsse und eine dezente, für Frische sorgende Zitrusnote. Der von feinen Fruchtnoten geprägte Körper ist kraftvoll gebaut, dabei geschmeidig, feinst gerundet, vielschichtig ziseliert, jung und von nachhaltigem Geschmack.

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2011 Kiedricher Gräfenberg, Riesling tr., Weingut Robert Weil

Geschrieben von: August F. Winkler

2011 Kiedricher Gräfenberg, Riesling tr., Weingut Robert Weil

Die Pracht hat viele Seiten und auf einer steht: Gräfenberg. Der hellgelb mit grünem Schimmer glänzende Wein, dekantiert und aus großzügig geformten Gläsern getrunken, öffnet sich langsam und entbietet Nase sowie Gaumen einen suggestiven, reich und komplex geschichteten Aromenfluß mit reintönigen, botrytisfreien Noten von gelben Früchten (wie reifem Pfirsich, Apfel, frischer Ananas, etwas Zitrus) sowie einem aparten, an Anis erinnernden Würzehauch.

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