Wein der Woche

1975 Tokaji Aszú 6 puttonyos, Szarvas

Geschrieben von: August F. Winkler

1975 Tokaji Aszú 6 puttonyos, Szarvas

Der Wein glänzt in hellem Mahagoni und binnen einer Sekunde dringt aus dem Glas ein reiches, ja verschwenderisch gebündeltes Bukett nach Honig, Malz und Rosen. Er legt enorm zu, öffnet sich mehr und mehr, zeigt zunehmend seine Komplexität. Neben der starken Honig-Malz-Note bilden sich rosinige Töne, flankiert von kandierten Orangenzesten und leicht angerösteter Haselnuß. Der dicht gebaute Wein aus einem großen Jahrgang brilliert finessig mit reiner Süße; er trinkt sich wie flüssiger Honig, aber nicht platt, sondern elegant – trotz eines Restzuckergehalts von vermutlich mehreren hundert Gramm pro Liter.

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2011 Pouilly-Fuissé Vieilles Vignes, Château de Fuissé

Geschrieben von: August F. Winkler

2011 Pouilly-Fuissé Vieilles Vignes, Château de Fuissé

Die Welt verändert sich ständig, nicht jedoch die Summe der Genüsse: Der Wein glänzt in hellem Goldgelb. Gemächlich fließt er aus der Karaffe ins Glas, wo er im Nu sein reiches Aromenrad entfaltet, zusammengesetzt aus Wiesenblumen, Williamsbirne, weißen Mandeln, gerösteten Haselnüssen und ergänzt nebst einem Hauch von weißem Pfeffer um leicht angetoastetes Brioche mit ein wenig Butter. Nach einem besonders tiefen Nasenzug fördert man auch eine zarte Prise Minze zutage. Geschmacklich erfreut dieser Chardonnay aus dem südlichen Burgund durch seinen kraftvollen und zugleich vielschichtig angelegten Fruchtkörper mit dem nachhaltigen Abgang. Der aus alten Reben von bis zu 80 Jahren gekelterte Wein ist in Barriques aus neuem Holz ausgebaut worden, doch die Eichenfässer sind allerdings nur behutsam über Feuer getoastet worden, so daß die traubige Frucht und vor allem die starke mineralische Note als Mitgift des Terroirs nicht übertönt worden sind. Das Holz hat den Wein strukturell gefestigt und ihm zusätzliche Komplexität verliehen.

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1942 Réserve Vouvray, Loire

Geschrieben von: August F. Winkler

1942 Réserve Vouvray, Loire

Mit funkelndem Goldgelb fließt der Wein ins Glas, klar und strahlend vor Reinheit. Das Bukett ist eine bezaubernde Liaison aus Honig, versetzt mit zwei Spritzern eines alten Balsamico. Eine zarte Süße umschmeichelt den Gaumen, jenseits von Wucht und Öligkeit, wie sie manchen Sauternes zu eigen ist. Der Wein ist fein balanciert zwischen Süße und Säure, finessig, zudem wirkt er frisch, er ist ungebeugt trotz seiner 73 Jahre. Diese Rarität stammt aus dem Keller von Gérard Dubois, lange Jahre Weinhändler in Mainz.

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1981 Château Branaire-Ducru, 4.Cru, St. Julien

Geschrieben von: August F. Winkler

1981 Château Branaire-Ducru, 4.Cru, St. Julien

Wer über einen zwar halbwegs großzügig, aber keinesfalls penibel geordneten Weinkeller verfügt, erlebt - wie spannend, wie schön - immer wieder Überraschungen, negative wie positive. Du gehst die Regale entlang, nimmst hier eine Flasche heraus, schaust dir dort ein Etikett an, überlegst, verwirfst und hast schließlich einen Branaire-Ducru von 1981 mit ramponiertem Etikett in der Hand. Seit ungefähr 30 Jahren liegt der Wein im Keller, du hast keine Ahnung, ob und wie der noch schmeckt, aber du weißt, daß Branaire als Gut ebenso unterschätzt wird wie der 1981er als Jahrgang. Also wird die Bouteille entkorkt und siehe da, sie enthält einen Wein von grazil gereifter Delikatesse.

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1970 Château Giscours Magnum, Troisième Cru, Margaux

Geschrieben von: August F. Winkler

1970 Château Giscours Magnum, Troisième Cru, Margaux

Granatfarben mit hellrotem Schimmer fließt der Wein ins Glas und schon nach wenigen Schwenks steigt ein Duft empor, der die Nase entzückt. Es finden sich Marzipan, auch schwarzer Darjeeling-Tee, Tabak, Leder und Zwetschgenröster. Das fruchtige Potenzial verstärkt sich durch den Einfluß der Luft. Ja, das gibt es, daß ein Wein dank einer Sauerstoffdusche sich nicht nur innerlich kräftigt, sondern auch farblich erstarkt. Es kommen Töne nach schwarzer Johannisbeere nebst anderen dunklen Früchten à la Heidelbeere und ein bißchen Schwarzkirsche hinzu, ergänzt durch schwarzen Trüffel, etwas Karamell, einen Hauch von Gewürznelke und sehr dunkler Bitterschokolade. Es entwickelt sich eine gewürzig unterlegte Süße von der Art eines reifen Portweins.

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1996 Gevrey-Chambertin Clos St. Jacques 1er Cru, Armand Rousseau, Burgund

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