Wein der Woche

2006 Hermitage Marquise de la Tourette, Delas

Geschrieben von: August F. Winkler

2006 Hermitage Marquise de la Tourette, Delas
Das Auge nimmt ein dunkles Rubin von klarem Glanz wahr, und ein erster tiefer Nasenzug reicht, um die Phantasie erblühen zu lassen. Ein reicher Strauß aus Brombeere, Pflaume, schwarzem Tee nebst etwas Schokolade, Leder, Gewürzen, Veilchen, ein bißchen Vanille und dem Duft nach heißer, von der Sonne aufgeheizter Erde aus Sand, Löß und Steinen mit Kräutern führt direkt an die südliche Rhone, genauer: zum Hermitage, dem steil oberhalb des Flusses südwärts gerichteten Weinberg, auf dessen Terrassen die Syrah wächst, aus der dieser Wein komponiert ist.

Weiterlesen: 2006 Hermitage Marquise de la Tourette, Delas

 

2011 Oestricher Lenchen Spätlese tr, August Eser, Rheingau

Geschrieben von: August F. Winkler

2011 Oestricher Lenchen Spätlese tr, August Eser, Rheingau

Eser DesireeNatürlich verändert sich Wein im Laufe der Jahre, und so war es interessant, die vor drei Jahren notierte Kostnotiz zum blutjungen 2011er Oestricher Lenchen aus dem Hause August Eser mit einer aktuellen Beschreibung vom August 2015 zu vergleichen. Im Kern hat sich nichts geändert, die am 27. September 2011 mit 99 Grad Oechsle gelesene und erst im großen Holzfaß, danach im Stahltank ausgebaute Riesling-Spätlese erfreut durch einen dicht und geradlinig angelegten Fruchtkörper und es finden sich Aromen à la Pfirsichgelee, rosa Grapefruit, etwas Apfelquitte, Mango, Ananas und Würznoten, die leise an einen Bratapfel erinnern. Hatte ich 2012 noch geschrieben, der Wein „verschließt und öffnet sich“, so konstatierte ich nun ein ausgeglichenes Verhalten.

Der damalige Grünschimmer ist mehr einem hellen Sonnengelb gewichen, und die anfänglich fordernde, doch weder raue noch dominierende Säure (8,2 Gramm auf den Liter) hat sich geglättet, sie wirkt aufbauend und vereint sich friedlich mit der Restsüße (9,5 Gramm pro Liter). Die einstige grüne, ein wenig dem Estragon gleichende Kräuternote ist längst verblaßt und hat Platz gemacht für eine zunehmend mineralische Mitgift des Terroirs. Verfeinert hat sich das ziselierte Spiel der Aromen, geblieben ist, ja verstärkt hat sich die Herrschaft der gelben Früchte in Verbindung mit einer feinen Honigsüße.

Eser R_2011
Es ist ein Riesling, der Kraft mit Finesse verbindet und über gutes Potenzial verfügt. Ob es nötig war, dem Wein eine deutlich wahrnehmbare Restsüße mitzugeben, kann nur Desirée Eser, die Winzerin, sagen. Zwar stört diese süße Spitze nicht, zumal sie durch die rassige Säure etwas gezähmt wird, aber der Fruchtkörper mit einem Extraktgehalt von 33,2 Gramm (und 13 Prozent Alkohol) wäre von Haus aus stark genug, um eine trockenere Version nicht nur zu verkraften, sondern den Wein charaktervoller zu machen. (www.eser-wein.de). Jedenfalls stelle ich mir den Wein ideal vor zu einer Geflügelleber mit karamellisiertem Apfel.
 

1990 Château La Fleur de Gay, Pomerol

Geschrieben von: August F. Winkler

1990 Château La Fleur de Gay, Pomerol

Der Wein aus der 1,5 Liter fassenden Magnum darf gefahrlos gelobt werden. La Fleur de Gay ist der Luxus-Merlot von Château La Croix de Gay. Dessen Besitzer hat 1982 die kleine, vier Hektar umfassende, idyllisch wie prominent zwischen den Granden Pétrus und Lafleur gelegene Parzelle mit recht alten Rebstöcken – um die 50 Jahre und älter – separiert, um daraus einen eigenständigen Wein zu keltern. Der pure Merlot fehlt zwar dem Croix de Gay, aber dafür entzückt Dr. Alain Raynaud die Weinfreunde mit einem Juwel.

Weiterlesen: 1990 Château La Fleur de Gay, Pomerol

   

1986 Grüner Veltliner Spiegel, Weingut Mantlerhof, Kremstal

Geschrieben von: August F. Winkler

1986 Grüner Veltliner Spiegel, Weingut Mantlerhof, Kremstal

Bewundernd vorweg gesagt: der Wein hat Aura. In dunklem Goldgelb mit sanftem Bernsteinschimmer fließt er ins Glas. Es ist der Moment der Wahrheit, wie ihn jeder Weinfreund vor dem ersten Schluck eines älteren, immerhin 29jährigen Gewächses kennt, hoffend auf Genuß, aber zugleich auch sich bange fragend, ob der Wein noch was taugt oder nicht, ob er sozusagen flüssiges Glück sein wird oder essigsaure Enttäuschung.

Weiterlesen: 1986 Grüner Veltliner Spiegel, Weingut Mantlerhof, Kremstal

 

2009 Château de Pez, St. Estephe

Geschrieben von: August F. Winkler

2009 Château de Pez, St. Estephe

Tiefdunkelrot und mit einem Jugend signalisierenden Lilaschimmer fließt der Wein ins Glas, aus dem im Nu ein dicht geflochtenes Bukett dringt. Es duftet nach Sauerkirsche und Beeren (Brombeere, schwarze Johannisbeere, etwas Preiselbeere), flankiert von dunklen Tönen à la angerösteter Pflaume nebst Vanille sowie einem feinen Hauch von Bittermandel. Auch eine subtile Süße schwingt mit. Der Körper ist komplex gebaut, bestens ausbalanciert und reich an Frucht mit raffiniert wirkenden Einsprengseln von würziger Art wie Piment und Wacholder. Im anhaltenden Nachklang ist auch etwas Bitterschokolade auszumachen.

Weiterlesen: 2009 Château de Pez, St. Estephe

   

Seite 4 von 18

<< Start < Zurück 1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 Weiter > Ende >>

Journal bekommen!

Wort der Woche

„Der Wein macht den Maulwurf zum Adler“

Nadar

Dieses ebenso skurille wie poetisch erhöhte Bild hat Charles-Pierre Baudelaire (1821-1867) entworfen, der geniale französische Lyriker, Schriftsteller, Essayist, Dandy, Wagnerianer und Weinkenner, der vor allem mit seiner „Die Blumen...

weiterlesen

Gericht der Woche

Seezungenröllchen mit Schnecken und Gnocchis

Zutaten, berechnet für vier Personen: 8 Seezungenfilets; 400 g...

weiterlesen

Wein der Woche

1996 Gevrey-Chambertin Clos St. Jacques 1er Cru, Armand Rousseau, Burgund

Dunkelrubin fließt der Wein mit seidigem Glanz ins Glas und entfaltet im Nu sein betörendes, vielschichtig ziseliertes Bukett mit...

weiterlesen